| Das Instrument
und der
Name |
|
Die
Blockflöten sind ein
Instrumentenfamilie, die es in sehr kleiner und ziemlich
großer
Form gibt. Die gängigste Größe ist der
Sopran - dies
ist das Instrument, mit dem viele Kinder zuerst konfrontiert werden.
Deshalb sprechen sie dann, wenn sie groß genug für
die
Altflöte sind, vom neuen Instrument als der
"Altflöte",
während der Sopran "die Blockflöte"
heißt.
Die
Instrumente heißen alle "Blockflöte".
Grund dafür ist der in den Kopf eingesetzte Block, der
zusammen mit dem
Flötenkopf für den Windkanal sorgt. Der Block ist
traditionell aus
Zedernholz gefertig, und kann aus dem Flötenkopf
herausgenommen werden
(vom Flötenbauer!). Nur in Kunststoffflöten kann man
ihn nicht sehen
und auch nicht herausnehmen...
Kleiner als der
Sopran sind Sopranino
(tiefster Ton: f) und das "Garkleinflötlein" (bei Praetorius
so
genannt) auf c. Auf den Alt
folgen Tenor (C-Flöte) und Bass
(F-Flöte), danach
Grossbass (C) und Subbass (F), ein veritables Ofenrohr, dass
natürlich
nur noch mit Klappen und Anblasrohr zu spielen ist. Das
Hauptinstrument der Familie
mit der meisten Literatur ist die Altflöte.
Es gibt außerdem voice flute oder flûte de voix,
eine
D-Flöte unter dem Alt, Altflöten auf G aus der
Renaissance
und weitere Sonderformen. |

|
Blockflöten
sind alle sehr
hohe Instrumente; sie klingen eine Oktave höher, als man vom
Namen her erwartet. Der Tenor klingt also in Wirklichkeit wie ein
Sopran, wenn man es mit der Singstimme vergleicht. Dementsprechend
werden sie (fast) alle merkwürdig notiert.
Den
Sopran schreibt man im
Violinschlüssel mit einer "8" darüber; was man in
Wirklichkeit hört steht rechts daneben im
Violinschlüssel (Notengrafik unten).
Der Alt wird aufgeschrieben wie er klingt; wenn man Noten für
Blockflötenchor schreibt, setzt man ihn auch im nach oben
oktavierenden Violinschlüssel, weil die Stimme sonst
höher
als die Sopranstimme aussähe - das ist die
sogenannte
Chornotation für Altflöte.
Der Tenor wird geschrieben wie er klingt.
Der Bass wäre eigentlich im Violinschlüssel zu
notieren, aber
man nimmt einen Bassschlüssel mit "8" darüber, damit
es nach
Bass aussieht.
In der Grafik habe ich als Umfang immer eine Oktavsexte
angegeben - das ist Standard bei Ensemblemusik.

In
gedruckten Noten wird
teilweise einfach eine Oktave tiefer notiert, damit es andere
Instrumentalisten lesen und spielen können. Man kann sich ja
auch
bei gedruckten Gitarrennoten nicht darauf verlassen, dass der
Violinschlüssel nach unten oktaviert ist.
Die
Blockflöte ist was die Konstruktion betrifft ein
recht einfaches Instrument. Sie braucht in ihren kleineren Bauformen
keine Klappen, Die Stimmung hängt von der richtigen
Platzierung
der Grifflöcher ab und davon, wie sie "unterschnitten" sind.
Sie
ist schwierig zu stimmen, da jedes Wegnehmen von Holz immer alle
Töne beeinflusst. Außerdem hat der
Flötenbauer das
Problem, dass er die Registerwechsel noch heikler
macht, wenn er die Flöte zu gut stimmt. Einige Töne
sind dann
kaum noch aus der Flöte heraus zu locken. Also stimmen
Blockflöten so gut wie nie ganz perfekt - wobei perfekte
Stimmung
sowieso eine Illusion ist, siehe hier...
Über
Geschmack lässt
sich bekanntlich streiten, aber ich finde: Blockflöte klingt
schön! Auch wenn alle fasziniert sind von der silbern
glänzenden
Querflöte, die im Barock ja auch aus Holz gebaut wurde und
anfangs null, dann eine und dann immer mehr Klappen bekam - ich mag den
Klang der Blockflöte lieber.
Leider
bekommt man als
Blockflötenlehrer selten gut klingende Instrumente zu
hören,
denn für eine gut klingende Flöte muss man einiges
Geld
ausgeben, und die Schüler haben meist nur
Einsteigerflöten.
Die
bekannten, den Markt dominierenden Flötenhersteller haben alle
mehrere Modelle in ihrem
Programm, schon allein um den Mitbewerbern kein Marktsegment zu
überlassen. Das ist etwa so gestaffelt:
1.
Billigstversion, erhältlich mit Kunststoffkopf, wahlweise
deutsche oder barocke Griffweise (Nur als Sopran).
2.
Schulflöte, ein oder zwei verschiedene Holzarten, wahlweise deutsche
oder barocke
Griffweise (Nur als Sopran).
3.
Einsteigermodell,
ein oder zwei verschiedene Holzarten, teilweise noch deutsche
Griffweise, meist nur
noch barock, günstigste Variante ab Alt.
4.
"besseres" Modell, Vorbildern
aus Barock oder Renaissance zumindest äußerlich
nachempfunden, erhältlich in einem halben Dutzend
verschiedenen
Holzarten, wobei die teuerste Variante dreimal so viel kosten kann wie
die günstigste. Deutsche Griffweise gibt es hier nicht mehr.
5.
"Kopie" eines historischen
Vorbildes, soweit das bei Instrumenten aus einer Fabrik
möglich
ist - es ist sicher mehr Handarbeit dabei. Diverse Hölzer zur
Auswahl, die Preise variieren dementsprechend. Deutsche Griffweise gibt
es natürlich nicht.
Bei
Tenören und Bässen ist die Angebotspalette schmaler,
Groß- und Subbässe sind Unikate. Wie groß
Subbässe sind, kann man hier auf der
Homepage des Wardenburger
Blockflötenorchesters sehen.
"Moderne
Blockflöte" oder ähnlich
heißen Versuche, das
Instrument mittels
veränderter Bauweise, Austattung
mit Klappen etc. vom Tonumfang her zu erweitern. Solche Instrumente
sind etwas für experimentierfreudige
Zeitgenossen, die sich viel mit Neuer Musik beschäftigen und
sich nicht scheuen, eine Reihe neuer Griffe zu lernen.
Renaissanceflöten
sind weiter gebohrt, haben größere
Grifflöcher und
klingen deutlich anders als barocke Instrumente. Die tiefen
Töne
sind kräftiger, oben sind sie etwas weicher und mischen sich
daher
besonders gut im Flötenensemble. Häufig muss man
einige Töne anders greifen.
Plastikflöten
müssen für den Anfang nicht schlecht sein!
Blockflöten
aus Kunststoff werden ja in einer Form gegossen, d.h. die
Qualität
des Massenproduktes hängt von der Sorgfalt und den
Überlegungen bei der Herstellung der Form ab. Ein gute
Plastikflöte kann sehr viel näher an den barocken
Vorbildern
als eine billige Holzflöte sein, und sich deshalb vom Anblas-
und
überhaupt Spielverhalten eher wie eine ordentliche
Flöte
anfühlen. Bei billigen Holzflöten müssen in
der
Produktion alle möglichen Kompromisse gemacht werden, der
Windkanal z.B. ist meist sehr groß und
deshalb
ist der Widerstand beim Anblasen eher untypisch.
Kunststoffflöten
saugen
aber keine Luftfeuchtigkeit auf. Alles Wasser, das beim Spielen in den
Flötenkopf gelangt, läuft innen in der Flöte
weiter und
kommt irgendwann zum Daumenloch heraus. Den einen ekelt das, den
anderen stört nur, dass die Flöte plötzlich
so glitschig
ist. Das passiert zwar auch bei Holzflöten, aber wesentlich
später. Dafür geht die Plastikflöte vom
Wasser nicht
kaputt, während gerade die erste Holzflöte bei
kleinen
Kindern meist ziemlich bald hin ist.
Deshalb beginne ich im Anfängerunterricht gerne mit guten
Kunststoffflöten, um dann nach einiger Zeit auf eine
"besseres"
Holzflöte umzusteigen. Wenn man nicht die teuerste
Holzvariante
wählt, hält sich der Preis im Rahmen.
Flöten
in tiefer
Stimmung sind ein weiteres Thema: alte Musik mit
Instrumenten der Zeit
gespielt wird häufig mit einem tieferen Kammerton
aufgeführt.
Die meisten Gruppen arbeiten mit dem Stimmton a = 415 Hertz, also
müssen Flötisten entsprechende Instrumente haben.
Manche
Flötenbauer bieten an, ein zweites Mittelstück
anzufertigen,
sodass man die Flöte auf 440 oder 415 Hertz spielen kann.
Französische Barockmusik wird teilweise auf 392 Hertz
gespielt,
Renaissanceconsorts laufen manchmal auf 466 Hertz - ein herrliches
Durcheinander und eine fröhliche Geldquelle für
Flötenbauer! Da lächelt der Lautenist, der für
den Ernstfall nur einen anderen Saitensatz aufziehen muss...
Von
den anderen Stimmtönen
weiß man natürlich vor allem durch Blasinstrumente
oder
Orgeln. Logischerweise sind "Kopien" von Instrumenten aus Museen in 440
Hertz immer umgerechnet, also nicht eins zu eins kopiert.
"Handgebaute Flöten",
also Instrumente, die von einem Flötenbauer oder einer kleinen
Manufaktur weitgehend in Handarbeit (natürlich benutzen die
Leute
auch Maschinen, aber sie stellen diese nicht für
große
Serienproduktionen ein und arbeiten nicht arbeitsteilig) hergestellt
werden, sind oft genau vermessene Kopien von historischen
Flöten
aus Museen und Sammlungen. Sie kosten entsprechend mehr, haben -
hoffentlich - Charakter, und man ist nicht davor gefeit, dass sie sich
wie zickige Diven benehmen.
Die besten
Hölzer sind
schwere Tropenhölzer wie Palisander oder Ebenholz, und vor
allem
europäischer Buchsbaum (buxus sempervirens), der aber
inzwischen
sehr selten (in der nötigen Größe!) und
dementsprechend
teuer ist. Sehr grobfaserige Palisanderarten wie Bubinga sehen
vielleicht gut aus, aber die Holzfasern stehen (im Windkanal) gerne auf
und machen die Flöte leicht heiser. Wer einen älteren
Obstbaum
(Pflaumenholz ist toll!) abholzt, sollte vielleicht einen
Flötenbauer fragen, ob Interesse besteht.
Eine
Blockflöte oder eine
Traversflöte aus Elfenbein klingt märchenhaft... wenn
man
etwas aus Elefantenzähnen herstellen sollte, dann bitte nicht
Schnickschnack wie Briefbeschwerer, sondern Flöten oder
Sättel für Saiteninstrumente...
| Qualität
oder: die Suche nach einer guten Flöte |
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Es
gibt - große Überraschung - billige und teure Blockflöten, und man hat
bei der Anschaffung beste Chancen, viel falsch zu machen. Ob man eine
Anfängerflöte für den ersten Unterricht kauft oder "etwas Besseres"
sucht - Flöten kaufen ist ebenso schwierig, wie es einfach aussieht.
Selbstverständlich werde ich hier nicht aufschreiben, welche Flöten ich
bevorzuge, aber ein paar allgemeine Tipps möchte ich formulieren:
Wenn
Sie ein Instrument für den Unterricht besorgen möchten, sprechen Sie
immer vorher
mit dem Lehrer! Versuchen
Sie vorher, etwas über die
beste Möglichkeit für Blockflötenunterricht herauszufinden! Kein
Instrument wird von so vielen Leuten "unterrichtet", die keine
Ausbildung dafür haben, Blockflöte nur mal nebenbei gelernt haben,
keine Ausbildung für Instrumentalunterricht haben usw. Falls Sie durch
Herumfragen bei einer Lehrkraft landen, die tatsächlich Blockflöte
studiert hat, sind Sie möglicherweise an der teuersten Stelle gelandet,
aber wenn Sie Flöte nicht weniger Ernst nehmen als Klavier
(es geht bei jedem Instrumentalunterricht darum, dass ein Mensch etwas
über Musik mit einem Instrument lernt), und etwas bei der
Sache herauskommen soll lohnt sich die Investition!
Wenn
der Unterrichtende also Ahnung von der Sache hat, wird er mehr oder
weniger konkrete Vorschläge für ein Instrument machen, oder bei der
Auswahl helfen. Auf alle Fälle kaufen Sie, wenn Sie vorher mit dem
Lehrer sprechen, nicht etwas völlig Falsches, oder ihr Kind hat als
einziges in einer Gruppe eine Flöte von der anderen Firma, oder...
Der erste Fehler, den man machen
kann, ist eine Flöte in deutscher
Griffweise
zu kaufen, wenn der Unterricht auf barocker Griffweise läuft
(Falls der Unterricht in deutscher Griffweise erteilt wird, und Sie
noch gar nicht darüber informiert sind, was das eigentlich heißt, lesen
Sie bitte hier...). Mit
einer Flöte in
dieser Griffweise kann man im Unterricht mitmachen, bis die untere
Hand ins Geschehen eingreift, dann muss man sich entscheiden.
Der
zweite Punkt ist, dass man für mehr Geld in der Regel eine bessere
Flöte bekommt. Seien Sie hellhörig, wenn Sie danach fragen, was Sie
denn so anlegen sollten: die Menschen, die Sie um Rat bitten, sind
schüchtern! Der Flötenlehrer, weil er denkt "wenn ich mit zu hohen
Ansprüchen komme, denken die Leute mir geht es nicht
gut..."; der
Inhaber des Musikgeschäfts möchte Ihnen zwar gerne das teurste Modell
verkaufen, hat aber natürlich auch das billigste da: wenn er nur das
Teurere vorschlägt, oder gar vorrätig hat, laufen die meisten Kunden
zur Konkurrenz...
Wie
geht man vor? Setzt man sich ein preisliches
Limit, dann darf man nur
bestimmte Modelle probieren. Das hat den Vorteil, dass man schnell
fertig ist mit dem Aussuchen, aber den Nachteil, dass man um schlappe
50 Euro ein deutlich besseres Instrument "verpasst". Also informiert
man sich am besten, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt.
Die Frage nach der
Qualität stellt sich auf drei Ebenen:
der Hersteller,
das Modell,
die Holzart
sind die Kriterien. Ob ich eine
teure Flöte aus Palisander kaufe oder die einfache aus Ahorn ist
eigentlich die letzte Frage, nachdem ich herausgefunden habe, dass mir
das Modell Dingens von Hersteller XY am besten gefällt, denn das
grundsätzliche Spielgefühl entscheidet sich eher bei Modell und
Hersteller. Man kann natürlich auch ein günstiges Modell in der
kostbarsten Holzart mit einem teuren Modell in der einfachsten
Holzvariante vergleichen...
Die
bekanntesten Flötenfabriken liegen preislich immer wieder dicht bei
einander, ich persönlich habe keine grundsätzlichen Vorlieben.
Wenn ich Instrumente durchprobiere, gefallen mir mal die einen, mal die
anderen besser, das ändert sich. Die Hersteller versuchen ständig, sich
und ihre Instrumente zu verbessern, und das merkt man auch: es gilt
jedes Mal wieder neu zu probieren.
Was probiert man an einer
Blockflöte?
- wie sie klingt
-
ob alle Töne leicht
ansprechen
- ob sie Grifflöcher so gebohrt sind,
dass sie angenehm
zu greifen ist
- ob sie gut
gestimmt ist und ob sie mit anderen Instrumenten zu
stimmen ist
- wie sie sich im Alltag verhalten wird, besonders
ob sie schnell
verstopft / heiser wird
- ob die Wicklungen,
egal ob Kork oder Seide, gut sitzen und ordentlich gemacht sind
-
wie die Flöte aussieht
Es
ist leicht zu zeigen, dass man für Überprüfung vieler dieser Kriterien
eigentlich die Hilfe eines Menschen braucht, der gut Blockflöte
spielt.
- Ob ein Instrument klingt,
merkt man, wenn es jemand
richtig ausprobiert, derjenige muss also spielen können. Die
Unterschiede zwischen ganz billigen und sehr teuren Flöten sind eine
Sache, die schönste von drei Altflöten für über 1000 Euro heraus zu
hören ein ganz anderer Job.
- Bei einem Anfänger kommt das
hohe cis
(Alt) vielleicht nicht heraus, während der geübte Spieler probiert, und
sagt "Ja, bisschen heikel, aber mit etwas Übung geht das
schon". Die hohe siebte Stufe in der zweiten Oktave und die doppelte
Oktave (e und f auf dem Alt) sollten schon leicht
ansprechen.
- Die Lage der
Grifflöcher muss der künftige Besitzer für
sich probieren! Man kann zwar sagen, dass Abstände groß oder klein
sind, aber ob es passt, muss der Besitzer erfühlen.
-
Die Intonation
der Flöte muss man
sehr gründlich prüfen! Erstens stimmen Blockflöten nie, und zweitens
hängt sehr viel vom Blasdruck, verschiedenen Griffen und überhaupt
Erfahrung ab, sodass auch hier der erfahrene Spieler gefragt ist (Der
erfahrende Spieler! Nicht jemand, der zwei Jahre Unterricht hatte und
immer nachschauen muss, wie das gis noch mal ging...). Man kann
natürlich auch ein Stimmgerät zu Rate ziehen, aber wenn eine Flöte sehr
schlecht stimmt, sollte man das merken, und sonst muss man die
Unsauberkeiten ausgleichen können (Dieser Satzteil bezieht sich auf
zwei Dinge: der Spieler muss es können,
und die Unsauberkeiten müssen sich in dem Rahmen halten, der ausgleichbar ist!).
Wenn die Flöte insgesamt
so tief
ist, dass 440 Hertz (oder gar 442 oder 443, falls man mal mit
Orchestermusikern musiziert) nicht mal zu erreichen sind, wenn man die
Flöte grillt (Anwärmen des Instrumentes sorgt dafür, dass es etwas
höher wird), sollte man weiter probieren.
- Ob das Instrument, das mir im
Laden am besten gefällt hinterher Probleme macht, weil es nach fünf
Minuten hartnäckig verstopft
ist, kann man in den seltensten Fällen
ausprobieren. Wohl dem, der einen Laden findet, in dem man wenigstens
bei teuren Instrumenten die Möglichkeit hat, eine Weile zu spielen!
- Die Korkverbindungen
sollten ordentlich aufgeleimt und in sich nicht brüchig sein
(Negativbeispiele habe ich durchaus schon bei neuen Instrumenten
gesehen). Eine richtige Wicklung
steht
eigentlich dafür, dass das Instrument individuell gefertigt wurde, und
der Bauer wird das schon ordentlich gemacht haben.
- Das Aussehen
der Flöte ist durchaus ein Faktor: günstige Ahornflöten gibt es normal
(eher bleich) und dunkel gebeizt. Ein Alt kann im nobel strukturarmen
Grenadill daherkommen oder im lebhaft gestreiften Olivenholz. Der
Besitzer muss sich mit dem Instrument identifizieren können (immer
wieder verdeckte Hinweise darauf, dass Musikinstrumente keine
Geburtstagsüberraschung sind...)!
Ein entscheidender
Punkt dafür, ob ich eine gute Flöte für mein Geld und meine Pläne
bekomme, ist der
Laden!
Ein "Musikgeschäft für
alles" verkauft immer auch Blockflöten. Ob die Menschen im Laden viel
von Blockflöten verstehen ist damit noch nicht geklärt. Man kann vorher
(wieder den Lehrer oder andere Kunden) fragen, man kann das
Angebot überprüfen
(gibt es auch teure Flöten, wie viele Hersteller sind vertreten), man
kann einfach nachfragen (vielleicht hat der Verkäufer ein ausführliches
Praktikum bei einer Flötenmanufaktur gemacht), man kann beobachten
(falls fraglos nur
deutsche Griffweise angeboten wird, eventuell fliehen...). In einem
Fachgeschäft für Blocklöten, Blasinstrumente oder historische
Instrumente kann es einem passieren, dass der Mensch, der einen bedient
auch an einer Musikschule arbeitet und Blockflöte studiert hat und
jemand in der Werkstatt hervorragende Blockflöten selber baut. Auch in
so einem Geschäft wird es die Einstiegsmodelle geben, aber vielleicht
trifft der Besitzer eine Vorauswahl, findet bestimmte Anbieter
grundsätzlich nicht gut etc.
Kann
man eine Flöte im Internet
kaufen? Aber klar! Wenn man sich für ein
bestimmtes Modell entschieden hat, und denkt, dass die Instrumente der
Baureihe eh alle gleich sind, geht das. Wenn man probieren
möchte, und
aus fünf äußerlich gleichen Instrumenten für sich das beste auswählen
möchte, ist das schnelle Internet eher langsam: Bestellen,
zurückschicken, bestellen... und vor allem: wie
vergleichen?
Kommen denn jetzt gar
keine konkreten Tipps?
Für den Anfangsunterricht
nehme ich gerne gute Kunststoffflöten,
da Anfänger im Allgemeinen viel Wasser in die Flöte befördern und
Wasser und Holz keine Freunde sind. Modelle, bei denen ein
Kunststoffkopf auf ein Holzfußstück gehört fand ich bisher immer
grauslich, weil sie von der Intonation nicht zu anderen Flöten passten.
Und mir gefällt
die Philosophie nicht, ein extrem günstiges Instrument zu kaufen, dann
nach der Zeit, in der allzuviel Wasser in die Flöte gelangt dieses
durch Austausch des Plastikkopfes durch ein vermeintlich besseres
Holzkopfstück "aufzuwerten" und dann zu glauben, man habe da schon ein
ganz gutes Instrument.
Bei den einfachen
Modellen habe ich einige Vorurteile:
die Einstiegsmodelle
aus Holz gefallen mir regelmäßig
nicht, vor allem sind sie meiner Erfahrung nach schneller verstopft als
die nächst besseren Instrumente, zu denen ich eher rate. Ansonsten
gilt: probieren und
vergleichen. Nicht mit der Vorgabe "mehr als X Euro werden aber nicht
ausgegeben" an die Sache herangehen! Man gibt für so viele Dinge Geld
aus, die zwar einen Gebrauchswert haben und gerne Qualität besitzen
sollten - nehmen wir als Beispiel den Feind aller Musiklehrer, den
Fernseher. Aber ein Musikinstrument, wenn man es denn liebt, ist doch
so viel wertvoller: man wächst damit, man übt sich damit, man lebt doch
seine Krativität anders aus, als mit manch anderm Besitz. Soll man sich
wirklich in zwanzig Jahren fragen "Warum habe ich eigentlich damals
nicht die Flöte gekauft, die mir so viel besser gefallen hatte?"? Bei
Blockflöten gibt es ein Phänomen, dass für viele andere Gegenstände
weniger gilt: Bei vielen Hobbies wird die Erstaustattung irgendwann
durch etwas Besseres ersetzt, egal ob es die Kamera, der Tennisschläger
oder die Skibindung ist. Wenn man die Sache länger und intensiver
betreibt, will man irgendwann eine ordentliche Ausrüstung. Aber die
alte Sopranflöte, die geht doch noch, oder...
Also
grundsätzlich und ganz ohne Schüchternheit der Tipp: kaufen Sie eine
gute Blockflöte! Wenn jemand lange und intensiv und gut spielt, sollte
man mal shoppen gehen und fröhlich Flöten der oberen
Preisklasse
probieren. Wenn Ihr Kind ein Streichinstrument spielt und begabt ist,
redet der Lehrer irgendwann über Summen mit fünf Stellen, da sind
Blockflöten doch günstig!
Eine
teure Altflöte, für die ich heute 1200 € auf den Tisch lege, wird mich
in 10 Jahren pro Monat 10 Euro gekostet haben. Aber erstens lebt sie
dann ja noch und hat noch viele Dekaden vor sich, zweitens kostet sie
in 10 Jahren wahrscheinlich deutlich mehr und wäre bei guter Pflege
durchaus gebraucht zu verkaufen, und drittens hat sie wenig Benzin und
Strom verbraucht, und die Zeit, die ich mit ihr verbraucht habe anders
aufgewertet als der veraltete Computer, die antike Kommode oder der
Designeranzug, der nach 10 Jahren nicht mehr so richtig sitzt...
Sind
Blockflöten eigentlich teuer? Was auch immer man über Globalisierung,
Outsourcing und dergleichen denkt, man sollte immer mal wieder
innehalten und überlegen: was braucht man eigentlich, um vernünftige
Musikinstrumente herzustellen? Auch etwas so "einfaches", wie ein Stock
mit Löchern braucht die Löcher an der richtigen Stelle (und zwar
genau!), abgelagertes Holz, ein paar Maschinchen (bei den großen Firmen
ein paar mehr), ein Dach überm Kopf und vor allem Menschen mit
Ausbildung und Können, für die Top - Instrumente einem Schuß
Genialität, die dafür ordentlich bezahlt werden.
Beim Spielen kommt
immer Feuchtigkeit in die Flöte, und Holz
und Wasser sind nun mal natürliche Feinde. (Siehe auch unter Verstopfen...) Wer seine
Flöte liebt, steckt den Flötenkopf mit dem Labium
(Aufschnitt) zum Körper vor dem Spielen z. B. in den
Hosenbund, um ihn anzuwärmen. Dann beschlägt das Holz
von innen nicht so schnell, d.h. die Flöte verstopft nicht
sofort. Wenn man gegen eine Fensterscheibe im Sommer haucht, passiert
so gut wie nichts, während die kalte Scheibe im Winter
beschlägt. Das Problem des Verstopfens ist also bei kaltem und
sehr feuchten Wetter größer. Wer seine
Flöte so liebt,
dass er sie
anwärmt, kommt natürlich auch 5 Minuten eher zum
Flötenunterricht...
Wer seine
Flöte so lieb hat, dass er richtig viel darauf
spielt, also so viel, dass die Flöte irgendwann verstopft sein
muss (irgendwann kommt dann Wasser aus dem Daumenloch) hat
natürlich eine zweite Flöte...
Natürlich
putzen wir uns alle immer brav die Zähne!
Wer mit Essensresten im Mund flötet, muss mit
Müsli im Windkanal rechnen (das kann wirklich eklig
werden...). Selbstverständlich wird dadurch der Ton
beeinträchtigt.
Direkt nach dem
Essen - auch nach Orangensaft, zuckerfreiem Kaugummi
und nach dem Zähne putzen – hat man mehr Speichel im
Mund, und der kommt in die Flöte. Wenn man ein
bisschen darauf achtet und vielleicht zehn Minuten wartet, ist
das nicht verkehrt. Schließlich geht man auch nicht mit
vollem Magen joggen oder schwimmen.
Trotz aller
Sorgfalt kommt die Flöte beim Spielen immer mit Feuchtigkeit
in Kontakt, und es gibt Ablagerungen. Es ist
etwas völlig Normales, seine Flöte nach einer
gewissen Zeit zum Nachschauen beim Flötenbauer
vorbei zu bringen. Geigenbögen werden neu bezogen, Saiten
werden
neu aufgezogen, Gitarren müssen irgendwann neu bebundet
werden, und Holzblasinstrumente werden überarbeitet. Bei einer
richtig teuren Flöte macht man das vielleicht mit mehr
Selbstverständlichkeit, aber auch einfache Flöten
verdienen diesen Service, wenn man meint, der Klang ist nicht mehr so,
das Holz im Windkanal ist vielleicht ein bisschen aufgequollen
etc.
Für
eine Reihe von Dingen ist jedenfalls nur (nur!) jemand
zuständig, der etwas davon versteht. Das ist bei
Blockflöten jemand, der Blockflötenbau gelernt hat,
der Hersteller, oder jemand, der sich sehr genau mit Flöten
und ihrer Behandlung auskennt. Die Mitarbeiter eines durchschnittlichen
Musikgeschäftes, das alles von der Mundharmonika bis zum
Keyboard verkauft, sind nicht unbedingt Fachleute für jedes
dieser Instrumente!
| Behandlung
2: Nach dem Spielen |
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Zum Auswischen der
Flöten legen inzwischen die meisten
Flötenbauer ein Stöcklein mit einer Öse (wie
eine große Stopfnadel) bei. Man braucht dann noch ein nicht
fusselndes, Feuchtigkeit aufsaugendes Tuch, und dann wischt man Kopf,
Mittelstück und Fußstück aus. Achtung:
nicht beim Labium (Schneide!) herum prokeln! Und das Tuch
dünner nehmen beim Fuß, weil der sonst zuviel Druck
kriegt.
Man muss die
Flöte nicht klinisch rein machen! Aber
das Auswischen ist doch nett der Flöte gegenüber.
Dann
lässt man die Flöte noch ein
bisschen offen liegen (eventuell zu Hause wieder auspacken).
Sie muss nicht übertrieben voll stauben, aber
ausdünsten sollte sie schon dürfen, sonst freuen sich
Schimmelpilzsporen eventuell über das fruchtbare Klima!
Das Auswischen
hat gar nichts mit dem Verstopfen
oder heiser werden der Flöte
zu tun. Was verstopft, ist der Windkanal, und da wird nicht
gewischt oder geprokelt!
Wenn
die Flöte verstopft
ist, hält man den Aufschnitt zu, und bläst einmal
(fünfmal lang anhaltend ist wirklich nicht nötig)
kräftig durch. Ist der Aufschnitt nicht ordentlich abgedeckt,
freuen sich alle Umstehenden über sehr hohe und sehr laute
Pfeifgeräusche, die nicht gut für die Ohren und
Nerven sind!
Wenn mitten im Stück kein Ton mehr kommt, muss man halt einmal
kräftig rückwärts atmen, also den Windkanal
aussaugen.
Die absolut effektivste Methode: Flötenkopf abnehmen, unten
mit
der Hand zuhalten, ins Labium blasen - dann kommt alles Wasser vorne
wie aus einer
Düse heraus. Bitte vorher den Nachbarn warnen!
Viele
Fabrikflöten
werden mit Ölrezepturen so imprägniert, dass ihnen
Feuchtigkeit
nicht mehr so viel ausmacht, aber sie nehmen dann auch kein Öl
mehr auf. Manche Flöten sind außen auch lackiert.
Ansonsten
sollte
man seine Flöte ölen! Anfangs
öfter, dann seltener – feste Regeln gibt es nicht.
Ich öle meine Flöten meist zum Jahreszeitenwechsel.
Dann habe ich zur Hand: Mandelöl (Apotheke), einen Wischerstab
und ein Läppchen (nicht das Werkzeug, dass ich sonst
zum Wischen nehme), alte Werbungszettel aus der Tageszeitung
(Hochglanzpapier, das nicht durchfettet) und genug Platz, um die
Flöten einen Tag lang hinzustellen ohne dass sie jemand
umstößt.
Ich gebe ein bisschen Öl
auf den Lappen, und damit wird die Flöte nach Gefühl
innen und außen geölt. Mit dem
„Gefühl“ versuche ich zu merken, wie viel
Öl ein bestimmtes Holz will oder nicht will.
Grifflöcher,
Schneide und Windkanal werden nicht
geölt, weil Ablagerungen
Klang und Intonation beeinflussen
könnten. Bei den Fußstücken von kleinen
Flöten drehe ich den Lappen zu einem Zipfel.
Dann
werden
die Flöten eine Nacht in Ruhe stehen gelassen, und am
nächsten Tag wird über- schüssiges Öl
weggewischt
(mit Küchenpapier). |

Bei einigen Flötenköpfen kann
man deutlich den Block erkennen.
|
Eine
neue Flöte muss sich erst an die Feuchtigkeit
gewöhnen. Also spielt man die ersten Tage nur kurze Zeit.
Außerdem lernt das Holz noch ein bisschen schwingen.
Gabelgriffe klingen anfangs oft deutlich matter als relativ offene
Griffe, und daran kann man etwas tun.
Vor
allem aber lernt der Spieler
seine neue Flöte und sich selber beim Einspielen kennen. Jeder
Ton einer Blockflöte braucht eine bestimmte Menge Luft, und
eine bestimmte
Windgeschwindigkeit. Bläst man zu stark, klingt die
Flöte überanstrengt, der Ton droht nach oben weg zu kippen, klingt
heiser und rauschig. Unterbläst man einen Ton klingt er dünn, zittrig
bis jammernd,die Flöte wird mit Luft unterernährt. Die richtige
Bandbreite zu finden ist ein wichtiger Aspekt beim Einspielen. Jede
Flöte hat heikle
Töne, die vielleicht nur mit einem ganz weichen
„dhhü“ oder gerade mit einem ziemlich
knackigem „tü“ ansprechen. Diese Dinge
speichert das Gehirn des Spielers beim konzentrierten Einspielen ab,
und dann macht man später mehr richtig und spielt
schöner, als wenn man einfach so in die Flöte
hinein pustet.
Ich
habe ein bestimmtes Einspielritual: Ich beginne am ersten Tag mit
wenigen Tönen in der Mittellage, etwa h – c
– cis – d – dis – e –
f (bezogen auf F-Flöten wie Alt - beim Sopran wäre
das fis
bis c) . Ich spiele jeden Ton zweimal, und zwar genau so lang, wie ich
überhaupt Atem habe (Wer nicht so viel Luft hat, spielt jeden
Ton dreimal...). Dabei höre ich genau zu, ob
der Ton richtig klingt, das heißt, nicht zuviel oder zuwenig
Luft bekommt. Dann packe ich die Flöte weg.
Am
zweiten Tag nehme ich unten das b und oben das fis dazu, am dritten
das tiefe a und das hohe g, und so weiter. So spiele ich jeden Tag mehr
Töne und ein bisschen länger.
Nach
einigen Tagen bin ich dann beim tiefen f und bei den
höheren Tönen angekommen. Dann nehme ich ein
langsames Lied (etwas wie „Der Mond ist
aufgegangen“ oder "Come, heavy sleep")) und spiele es in ein
paar verschiedenen
Tonarten, ausserdem kriegen die etwas mauen Töne schon eine
Sonderbehandlung. Und dann kenne ich irgendwann die neue Flöte
gut genug, und sie kennt mich, und wir sind hoffentlich gute Freunde
für lange Zeit.
| Behandlung
der Flöte 5: Holzverletzungen |
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Man
kann einer Flöte viel zumuten, ohne dass sie
gleich kaputt geht. Aber manches, was man ihr immer wieder zumutet,
führt dazu, dass sie irgendwann nicht mehr so
schön klingt und ist.
Selbst robuste
Instrumente wie Klaviere werden mit der Zeit
altersschwach. Saiten müssen ausgetauscht, Dämpfer
erneuert, Mechanikteile überholt werden. An einer
Blockflöte ist nicht viel Technik dran – sie selbst
ist die Technik. Deshalb führen unachtsame Gewohnheiten dazu,
dass das ganze Instrument unbrauchbar wird. Wenn man vorsichtig und
behutsam mit seiner Flöte umgeht, kann sie aber ziemlich lange
leben!
Natürlich
sollte man mit einer Blockflöte genauso
vorsichtig hantieren wie mit einer Gitarre oder einer Geige, auch wenn
sie an sich stabiler ist. Aber wenn eine schwungvolle Bewegung an der
Tischkante endet, kriegt die Flöte natürlich Macken,
und wenn man sie fallen lässt, muss man mit
einem Riss oder Bruch rechnen.
Wer
nervös ist und an Gegenständen kaut, sollte einen
Bleistift bevorzugen, denn der ist billiger.
Der
linke Daumen ist für die überblasenen
Töne zuständig. Wenn man die Technik bevorzugt, die
Daumenspitze einzuknicken (die bessere Technik, weil die Nagelkante die
Töne besser ansprechen lässt), sollte man seinen
linken Daumennagel immer sehr kurz halten. Sonst schabt der Nagel das
Daumenloch aus (je weicher das Holz, desto schneller), und dann kommen
irgendwann die hohen Töne nicht mehr. Dann muss das
Daumenloch ausbuchst werden. Der Flötenbauer fräst
einen Ring
um das
Daumenloch aus, und setzt einen Ring aus Hartplastik (früher
Elfenbein)
ein.
Die absolut
heilige Stelle einer Blockflöte ist die Schneide.
Das ist die spitze Kante, die man im Aufschnitt sieht. Auf diese Kante
trifft die Luft, die aus dem Windkanal kommt, und dadurch entsteht der
Ton. Beim Auspusten, beim Sauberwischen und beim Ölen der
Flöte sollte man immer darauf achten die Schneide nicht zu
verletzen, denn sonst ist die Flöte hin. Reparieren ist hier
nicht mehr möglich.
Die Wicklungen
(bei Fabrikflöten meist aus Kork) sollten immer
gut gefettet sein. Kork ist ja ein Material, das Feuchtigkeit oder Fett
aufnimmt und dadurch geschmeidig oder spröder wird. Wenn der
Kork selten gefettet wird, aber sehr stramm sitzt, wird er irgendwann
kaputtgehen. Dann muss man mit
Nähseide mühsam (mühsam!) eine
richtige Wicklung machen, oder die Flöte einschicken.
Wenn
ich eine
Wicklung mache, nehme ich zunächst ein wenig Bienenwachs von
einer
Kerze, knete es weich und verteile es dünn auf dem Holz, von
dem
sich der Kork verabschiedet hat. Dann wickele ich Runde für
Runde
farbige Nähseide Schicht für Schicht
auf. Das ist
anstrengend, aber nicht schlecht: man kann am Ende genau dosieren, wie
fest die Wicklung wird, und man kann bei Witterungswechsel etwas
abspulen oder dazu wickeln. Am Ende arbeite ich wieder ein
bisschen Bienenwachs ein, ansonsten wird die Wicklung genauso gefettet
wie Kork.
Ordentliche handgebaute
Flöten haben immer eine "echte" Wicklung
Wenn der Kork
die Flötenteile nicht fest genug verbindet,
besteht die Gefahr, dass ein Teil der Flöte sich löst
und auf den Boden fällt.
Beim
Zusammendrehen der Flöte bitte drehen, nicht einfach
draufdrücken!
"Meine Flöte ist total heiser!"
"Da kam eben gar kein Ton mehr 'raus!" "Mein Alt ist sowas von schnell
verstopft."
Jeder
hat diese Sätze schon so ähnlich gehört, und jeder kennt das Phänomen,
aber woran liegt das, und vor allem - kann man etwas dagegen tun?
Erstens: in Atemluft befindet
sich immer Feuchtigkeit. Man kann
schlicht nicht "trocken" blasen. Wenn Sie im Winter auf eine kalte
Glasscheibe hauchen, können Sie das sehen. Die Feuchtigkeit in der
Atemluft kondensiert auf der kalten Fläche. (Ich hatte als Student mal
eine Souterrainwohnung, in der es im Hochsommer plötzlich regnete: die
Wassertropfen, die an den kühlen Heizungs- rohren unter der Decke
kondensiert waren, wurden zu schwer und regneten gen Teppich...)
Andererseits gilt: wenn die Fläche, auf welche die Luft trifft, recht
warm
ist,
kondensiert weniger.
Also ist es hilfreich, die
Flöte vor dem
Spielen anzuwärmen. Dazu stecke ich den Flötenkopf mit dem Windkanal
zum Körper in den Hosenbund. Der Flötenkopf ist ein ziemlich dickes
Stück Holz, also viel Material, dass es anzuwärmen gilt, und der
Windkanal ist ja der neuralgische Punkt. Genau hier wird die Flöte
heiser, hier sammelt sich das Wasser. Also fünf oder zehn Minuten vor
dem Flöten dran denken, und das Verstopfen der Flöte läßt sich
herauszögern.
Zweitens:
Man kann beim Flöten ein Bonbon lutschen, sich die Zähne nicht putzen,
gerade die Zähne geputzt haben oder sehr hungrig sein und an Essen
denken - es gibt viele Möglichkeiten, besonders viel Speichel im Mund
zu haben, der dann auch in den Windkanal kommt, von Essensresten ganz
zu schweigen. Wenn tatsächlich Fremdkörper in den Windkanal gelangen
und sich dort häuslich niederlassen, ist der natürlich einmal
tatsächlich enger geworden, und darüber hinaus gibt es eine Stelle, an
der sich Wasser anheftet, sammelt und noch breiter macht als
ohnehin.
Ölreste vom Ölen
der Flöte haben
im Windkanal auch nichts zu suchen. Das Öl härtet aus und macht die
gleichen Probleme wie Müslireste. Bitte beim Ölen einen Bogen um
Windkanal und Labium machen!
Wenn man seine Flöte, z.B. nach
dem
Unterricht, immer feucht einpackt, und zu Hause im geschlossenen
Koffer, Tasche oder Karton läßt, die Flöte also nicht gut trocknen
kann, kann sich im Windkanal Schimmel bilden, der wiederum eine
Angriffsfläche für Wassertröpfchen bildet.
Die
Flöte an sich kann auch zum Problem beitragen: Das Holz wird
auch
von innen bearbeitet, die Fasern angeschliffen, dann
saugen sich diese Holzfasern im Kontakt mit der Feuchtigkeit voll,
stehen je
nach Holzart auf,
bleiben so und bilden eine weitere Angriffsfläche, an der sich
Wassertröpfchen sammeln. Sehr
grobporige Holzarten können hier mehr Probleme machen.
Wasser
hat bekanntlich eine Oberflächenspannung. Man kann einen Teelöffel bis
über die Kante des Löffelrandes füllen. Diese Oberflächenspannung war
ein Hauptziel der Werbung von Spülmitteln in den Siebzigern: "Spül
entspannt das Wasser" hieß der Spruch zu der Tatsache, dass im
Spülmittel enthaltende Detergentien die Oberflächenspannung des Wassers
herabsetzten, damit Wasser und Spülmittelreste besser von den in einem
Gestell abgestellten Tellern nach dem Abwasch abliefen, und man sich
die Arbeit des Abtocknens sparen konnte.
Den
gleichen Effekt
bewirken "Antiheiser" oder "Antikondens"-Mittel, die man in den
Windkanal tropft: das kondensierte Wasser fließt besser aus dem
Windkanal ab, die Flöte bleibt länger klar. Ein gleichmäßiger
Wasserfilm im Windkanal, der immer so nach und nach abläuft, ist
durchaus wünschenswert.
Ist
das die ultimative Rettung? Nun, man hilft sich selbst, wenn man Krümel
und Öldeponien im Windkanal vermeidet, aber es gibt noch einen anderen
Faktor: die Luftgeschwindigkeit!
Viele (besonders Anfänger)
spielen ihre Blockflöte deutlich unter der optimalen Luftstromstärke,
oder schlicht ausgedrückt: zu leise! Dann klingt die Flöte nicht nur
unterspielt, zu dünn und jammernd, sondern das im Windkanal vorhandene
Wasser wird nicht abtransportiert! Man hat Angst vor unschönen Tönen,
spielt deshalb besonders leise, und was bekommt man? Unschöne Töne die
Menge, die Flöte wird insgesamt zu tief, und im Handumdrehen ist die
Flöte sauber verstopft!
Gerade bei Anfängern gibt
es auch
das Gegenteil: jemand, der ständig zu laut spielt (damit die Flöte
tonlich überfordert und überdies ständig zu hoch ist) hat häufig wenig
Kontrolle über die Feuchtigkeit, gerne das Mundstück zu weit im Mund,
und dadurch Probleme mit zuviel Wasser im Windkanal. Die richtige
Blasstärke ist halt das Lernziel!
Wenn
dann kein Ton mehr kommt, muss man sich irgendwie helfen: am Ende eines
Stückes kann man den Windkanal durchpusten, indem man einen Finger quer
über das Labium legt (keinesfalls auf die Schneide drücken, die für die
Tonproduktion verantwortlich ist und absolut unbeschädigt sein muss!),
sauber abdeckt um ohrenbetäubende Quietschgeräusche zu vermeiden, und
einmal kurz und kräftig in die Flöte bläst. Einmal gründlich ist besser
als fünfmal halbherzig.
Die
Sofortrettung mitten im Stück ist, einmal kräftig rückwärts zu atmen,
also den Windkanal abzusaugen. Ekel ist dabei nicht nötig, es geht um
Kondenswasser, nicht um Spucke (und die wäre ja auch die eigene).
Allerdings wird dadurch der gleichmässige Wasserfluß nach unten
unterbrochen und muss sich erst wieder aufbauen; die Lage
kann
also
dadurch mittelfristig
verschlechtert werden.
Die
ultimative Technik ist: Flötenkopf abnehmen, Ausblasloch mit einer Hand
zuhalten, und dann kräftig in den Aufschnitt (Labium) blasen. Dann
fliegt das Wasser aus dem Mundstück.
Für
den Fall, dass die Flöte gar nicht mehr will, besitzt der fleißige
Blockflötist eine zweite Flöte! Wenn sie weniger schön klingt, als das
"Erstinstrument", kann man mit ihrer Hilfe der anderen Flöte wenigstens
eine Pause verschaffen, in der sie, ausgewischt und durchgepustet ein
halbes Stündchen trocknen kann, bevor weitergeübt wird! Im Konzert ist
das natürlich nur die B-Lösung, aber um eine Probe zu retten sehr
akzeptabel.
Für
den Fall, dass die Flöte überhaupt zu schnell und total streikt, sollte
der Besitzer erwägen sie mal zum
Nachschauen zu geben. Der Hersteller oder ein kompetenter Flötenbauer
kann hier am ehesten helfen, aber man sollte auch von allzu billig
erworbenen Instrumenten keine Wunderdinge erwarten.
Die
Blockflöte ist kein
einfach zu spielendes Instrument, auch wenn alle das gerne denken. Sie
ist leicht
und handlich (die kleinen...), überschaubar teuer, aber sie
hat
wie alle Instrumente ihre Tücken, die überwunden
werden
wollen, wenn man richtig gut werden will.
Trotzdem gilt sie
als
Instrument, mit dem man kleine Kinder besonders gut in die Welt der
Musik einführen kann.
Dabei vergessen wohlmeinende Menschen gerne folgendes:
Man
hält die Flöte mit
den selben Fingern, mit denen man darauf spielt. Da das bei einigen
Tönen ganz schön wenige sind, ist das nicht immer
einfach,
gerade für junge Menschen.
Man
muss die Finger -
häufig mehrere, häufig nicht direkt benachbarte -
genau
synchron mit der Zunge bewegen, die dafür sorgt, dass
die
Töne einen präzisen Anfang haben. Auch wenn die Zunge
nicht beteiligt ist, man also legato spielt, ist die Koordination der
Finger keine
Selbstverständlichkeit.
Im
Prinzip braucht jeder Ton
"seine" Menge Luft. Die tiefen Töne werden sanfter, die hohen
meist kräftiger angeblasen. Etwas zickige Töne - da
hat jede
Flöte ihre eigenen Mucken - erklingen nur, wenn man mit
besonders
sanftem "dhhhüü" anstößt, andere
brauchen ein
scharfes ttüh um sich zu bequemen. Das muss alles
abgespeichert
und jederzeit abrufbar sein.
Grundsätzlich
ist die
Anblasstärke zu lernen: manche Kinder blasen so
kräftig, dass
immer wieder Töne in die höhere Oktave
überkippen, und
die anderen klingen dann auch nicht hübsch. Andere spielen
chronisch leise und sanft, was die Flöte zu tief macht und
dann im
Zusammenspiel problematisch ist.
Andere
Blasinstrumente wie Querflöte, Klarinette, Saxophon oder Oboe wurden mit
Klappensystemen
ausgestattet, die Griffverbindungen erleichtern.
Die Blockflöte ist immer noch der alte Stock mit
Löchern, und
bestimmte Griffkombinationen sind furchtbar schwierig und brauchen sehr
viel Training, den der Hörer soll ja nicht merken, dass fis -
gis
- fis (auf C-Flöten) als Tonfolge sehr viel unbequemer zu
spielen
ist als a - g - a. Wenn man also die schwierigeren Werke der Literatur
ordentlich spielen möchte, muss man irgendwann sehr viel
üben! Dafür ist die Tonproduktion auf der
Blockflöte natürlich schon einfacher als auf anderen
Blasinstrumenten.
Eine Grifftabelle als pdf
-
Datei für Sopran und Altblockflöte, oder allgemein
für
C- und F-Flöte erscheint, wenn Sie hier klicken!
Der
weitaus größte
Teil der Musik für Blockflöte solo bzw. mit Basso
Continuo ist für die
Altflöte geschrieben, der Alt ist sozusagen "die Violine" der
Flötenfamilie. Originalstücke für Sopran
stellen nur
einen geringen Prozentsatz der Flötenliteratur. Hier handelt
es
sich häufig um Werke der Renaissance und des
Frühbarock, die
für Violine, ZInk oder C-Flöte komponiert
sind.
Stücke
für Tenor oder
Bass gibt es vor allem aus der Moderne; diese Flöten haben
selbstverständlich ihre Wichtigkeit beim Ensemblespiel. Wenn
man ernsthaft mit Blockflöten im Consort oder Ensemble
spielt
stellt sich irgendwann die Frage, ob man neben "normalen" barocken
Modellen für die frühe Musik
Renaissanceflöten
benutzt.
Die
viele Musik, die man im
Untericht auf der Sopranflöte verwendet, besteht
grösstenteils aus Bearbeitungen von Liedern, Folklore oder
Stücken, die ursprünglich für andere
Instrumente
geschrieben wurden. Wenn man mit einem Erwachsenen
Blockflötenunterricht beginnen würde, wäre
die
Altflöte das Instrument der Wahl.
In der
Popmusik gibt es einige
Beispiele für Blockflöten, die klanglich nicht
unbedingt ein
Leckerbissen sind für Leute, die Wert auf saubere Artikulation
und
Klang legen... "Fool on the Hill" von den Beatles hat derartig jaulende
Flöten dabei, dass man unweigerlich an Instrumente eines
namhaften
britischen Herstellers mit schaufenstergroßen
Windkanälen
denkt. Und im Intro eines der berühmtesten Stücke der
Rockgeschichte, "Stairway to heaven", gibt es ähnlich
klingende
Instrumente zu hören.
Ein
richtig scharfes
Bassflötensolo spielt kein geringerer als Keith Jarrett auf
der
Ein - Stück - LP "The Survivors' Suite".
Die
Blockflöte ist
im Übergang vom Barock zur Klassik so gut wie völlig
von der
Bildfläche verschwunden. Alle
anderen Instrumente machten eine Entwicklung durch, die Streicher
wurden durch bauliche Veränderungen lauter, die
Bläser
bekamen Klappen, um das Spiel in Tonarten mit vielen Vorzeichen zu
erleichtern und wurden kräftiger im Ton, das Hammerklavier
verdrängte das Cembalo, moderne Bauformen der Gitarre die
Lauteninstrumente. Die Haupttendenz der Zeit der "Mannheimer Rakete"
war: ein lauterer, kräftigerer Ton muss her. Die
Blockflöte blieb was sie war, und wurde damit als
Orchesterinstrument ausgebootet. Einzig in England scheint sich bei
Liebhabern eine dünne Tradition erhalten zu haben.
Zur
Zeit der Jugendbewegung, um 1920, entdeckte der deutsche Musiker
und Instrumentenbauer Peter Harlan die Blockflöte als ideales
Vehikel der gesuchten neuen Einfachheit. Ein so handliches,
kostengünstig herzustellendes Instrument passte den Leuten
hervorragend, die mit Klampfe und Liederbuch ins Grüne ziehen
wollten. Nur einen "Fehler" hatte die wiederentdeckte Flöte:
Der
Griff für die 4. Stufe, auf der C- Flöte das F, war
ein
"Gabelgriff". Auf vielen Flöten braucht man in der unteren Hand
Zeige- Ring- und kleinen Finger, auf anderen Exemplaren, die er in
Museen untersuchte immerhin den Zeige- und den Ringfinger. Also:
Tiefes
C: alle Löcher zu. Für das d macht hebt den
kleinen
Finger ab, für das e den Ringfinger, für das f den
Mittelfinger, aber man muss den Ringfinger, eventuell auch den kleinen
Finger wieder auf die
Flöte legen.
Harlan
probierte so lange herum, bis er eine funktionierende
Flöte
hatte, bei der man vom c bis zum h immer nur einen Finger anheben muss.
Diese Erfindung wurde als deutsche Griffweise bekannt.
Der
Mann hat sich später gewünscht, er hätte
die
Erfindung nie gemacht, denn durch die nötigen Anpassungen am
Innenleben der Flöte wurde das f zwar einfacher,
dafür wurden
andere Töne, besonders solche mit Vorzeichen, sehr viel
komplizierter zu greifen. Das hohe fis, beileibe kein Ton, den man nur
zu Ostern braucht, ist zum Beispiel ein ganz fieser Gabelgriff. Und da
alle Veränderungen an einem Ton
praktisch alle anderen Töne mit beeinflussen, klingen
Flöten
in deutscher Griffweise bei genauerem Hinhören immer
grässlich verstimmt. Man kann in Tonarten mit mehreren
Vorzeichen
kaum spielen. Deshalb gibt es auch heute noch nur die billigsten
Modelle in deutscher Griffweise: alle fortgeschritten Spieler nutzen
die barocke Griffweise.
Trotzdem
werden immer noch mehr Flöten in deutscher Griffweise
als
in der barocken oder englischen Griffweise produziert, denn in
Grundschulen und Volkshochschulen wird der Unterricht meist in
deutscher Griffweise gegeben. Sie hat ja auch einen bestechenden
Vorteil: Man kann mit dem Tonmaterial der C-Dur-Tonleiter, der
Tonleiter ohne Vorzeichen arbeiten.
Leider
bringt dieser Vorteil einen dramatischen Nachteil mit sich: man
arbeitet mit den Tönen der C-Dur-Tonleiter! Der Grundton der
C-Dur-Tonleiter ist das tiefe C, und dieser Griff - alle
Löcher zu
- ist nun mal der schwierigste Griff für kleine
Kinderhände!
Und: je tiefer die Töne, desto sanfter muss man blasen - auch
das
fällt vielen Kindern anfangs nicht unbedingt leicht.
Blockflötenschulen
für barocke Griffweise umgehen
diesen Ton,
so wie auch das tiefe f, indem sie über die G-Dur- und die
D-Dur-Tonleiter in die Musik einführen. Das tiefe c erst nach
ein
bis zwei Jahren spielen zu müssen ist eine große
Erleichterung!
Kinder, die mit
Blockflöte anfangen und nach kurzer Zeit
wieder
aufhören leiden sicher keinen großen Schaden. Aber
gerade
die begabteren Kinder, die die Sache länger betreiben,
müssen
alle irgendwann auf die barocke Griffweise umsteigen. Das ist keine
unlernbare Sache (obwohl es gemein sein kann, wenn Dinge auf sehr
ähnliche, aber eben doch verschiedene Weise getan werden
müssen), aber die Erfahrung lehrt, dass die Kinder noch lange,
und
besonders bei Vorspielen die Griffe verwechseln. Bei Aufregung wird
immer auf das zurück gegriffen, was man zuerst gelernt hat!
Nein,
ich musste nicht in der
Schule Blockflöte spielen. Als in der ersten Klasse der
katholischen Volksschule die Möglichkeit,
Blockflöte bei
Schwester Esther zu lernen angeboten wurde, dachte ich "das ist was
für Mädchen" und habe mich dagegen entschieden.
Auf
dem Gymnasium gab es eine
Flötengruppe, die mit Sopran, Alt, Tenor und Bass
vierstimmig
musizierte, und da wollte ich dabei sein. Also lieh ich mir
von
einer Neuntklässlerin eine Flötenschule, von meiner
Tante die
uralte Altflöte (deutsche Griffweise natürlich), und
übte vor mich hin, bis ich in die Gruppe einsteigen konnte.
Nach
einiger Zeit wollte ich dann Tenor spielen, und dann fing ich an, mir
selbst Continuostimmen für die Gitarre zu schreiben - ohne
jede
Ahnung von Stimmführung und allem. Undogmatische und
hilfsbereite
Musiklehrer (einmal durfte ich bei einem Satz aus einem Bach-Oratorium
E-Bass spielen) haben mir Wege ins Ensemblemusizieren
eröffnet,
wofür ich ihnen sehr dankbar bin, und die Blockflöte
hat eine
wichtige Rolle dabei gespielt.
Dass
ich die Lehrbefähigung für Blockflöte
erworben habe
war dann doch eher Zufall: Als ich mein Musikstudium in Bremen aufnahm,
hatten die Gitarristen im Semester davor gerade durchgesetzt, dass sie
- wegen der langen Fingernägel - Klavier nicht mehr als
Nebenfach
machen mussten. Daraus wurde dann die Regel, dass
Gitarristen Klavier als Zusatzfach nicht mehr machen durften,
und
so wurde mir nahe gelegt, auf die Blockflöte als zweites
Instrument
zurückzugreifen.
Ein
glücklicher Zufall,
denn so kam ich in Kontakt mit Professor Elisabeth Hahn, damals noch
nicht Prof und frische Absolventin aus Wien, einer der Hochburgen
für Blockflöte und alte Musik.
In der Blockflötenklasse wurde nicht nur geübt; es
gab
Sitzungen zu Ausgabenkritik, Aufführungspraxis, Methodik.
Aufnahmen wurden verglichen, man wurde zum Quellenstudium angeregt und
Atemtechnik erforscht. Konzerte wurden im Nachhinein besprochen, alles
wurde kritisiert und man wurde eher angeleitet,
Ansichten zu überdenken als vorbehaltlos alles zu
akzeptieren.
In dieser
Zeit
konkretisierte sich mein Interesse an alter Musik und
besonders an der Laute. Damals waren Gitarristen im allgemeinen
Ausgaben
gegenüber gutgläubig - zu entdecken, dass Karl
Scheidt in
seinen Übertragungen der Sechs Pavanen von Luys Milan (die
Tabulaturen waren in der Ausgabe als Faksimile abgedruckt) den
Notentext einfach verändert hatte fand ich schon spannend. Und
das
Lesen von Büchern wie J.J.Quantz' "Versuch einer Anweisung die
Flöte traversière zu spielen", Leopold Mozarts
"Versuch
einer gründlichen Violinschule“ oder Hotteteres
"Principes
de la flûte traversière..." bestärkte
mich darin,
dass es sehr interessant sein kann, Musik immer aus der Perspektive
ihrer Zeit zu sehen, da sie damals als "Neue Musik" erlebt wurde und
der Staub der Jahrhunderte eben nicht an ihr klebt.
Blockflöte
spiele ich momentan hauptsächlich in der Folkband TIREE
, und zwar meist auf zwei Renaissanceflöten. Tin-whistles, die
ja
auch ein blockflötenartiges Mundstück haben, klingen
grauenhaft schief - vielleicht ist das anders, wenn man jahrelang
übt und am besten in Irland geboren ist...
Das Wardenburger
Blockflötenorchester ist eine Institution an der
Musikschule des Landkreises Oldenburg. Hier geht's zur Homepage der Gruppe,
die unter der Leitung von Elmar Flore seit 1980 zusammenarbeitet.
Martina Bley ist
nicht nur Flötenlehrerin an der Musikschule des Landkreises
Oldenburg, sondern eine
Blockflötistin von Format. Ausserdem verlegt sie in der edition
baroque Alte Musik.

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