Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Bund 6 bis 12

Wenn du die Aufgaben der vorigen Seite gut bearbeitet hast, dürfte dich in den ersten sechs Bünden eigentlich nichts mehr schrecken. Wir motiviert man ist, auch die oberen Bünde zu lernen, hängt wohl von mehreren Faktoren ab: Spielst du Stücke, die zum Teil oben auf dem Griffbrett liegen? Improvisierst du, und brauchst deshalb mehr als die erste Lage? Bist du einfach selbst so strukturiert, dass du wissen willst, ob da oben Monster lauern, oder normale Töne?

Die Töne ab dem 7. Bund

Griffbrett Bund 7 bis 12

Im 5. Bund jeder Saite erklingt ja der Ton der nächst höheren Saite (mit Ausnahme der g-Saite: das h ist im 4. Bund); im 7. Bund findet sich die Oktave zur benachbarten tieferen Saite (mit Ausnahme der h-Saite: das g liegt in Bund 8). So ist auf der A-Saite im 7. Bund das e zu finden, das eine Oktave höher als die tiefe E-Saite ist (und damit genauso hoch wie der 12. Bund dieser Saite und das e im zweiten Bund der d-Saite). Außerdem dürfte es für dich leicht sein, vom 5. zum 7. Bund einen Ganzton hoch zu zählen.

Im 12. Bund findet sich die Oktave der Leersaite, auf der d - Saite also ein d, und für den zehnten Bund musst du dann nur einen Ganzton rückwärts rechnen. Auf der d - Saite ist im 10. Bund also das c. Die Bünde acht und neun kannst Du vom siebten hoch zählen oder vom zwölften abwärts.

Der siebte Bund und die Beziehung zur leeren Saite / 12. Bund

Diese Grafik zeigt die Töne vom Sattel bis zum achten Bund. Die gelben Linien verbinden das A im 5. Bund der E-Saite und die leere A-Saite, und - darauf kommt es mir hier vor allem an - das e im 7. Bund der A-Saite mit der leeren E-Saite: diese Töne sind eine Oktave auseinander.

Die Bünde 1-7

Die oberen Bünde

Das folgende Bild zeigt die Töne vom 4. bis zum 12. Bund. Vom e im 7. Bund der A-Saite ist eine gelbe Linie zum 12. Bund der E-Saite gezogen - die Töne sind gleich hoch, und eine zum nullten Bund der E-Saite angedeutet. Diese beiden Töne liegen eine Oktave auseinander.

Die Bünde 5-12

Ich habe hier in schüchternem Gelb die Stammtöne zwischen dem 7. und 12. Bund auf e- und d-Saite eingetragen - es ist gar nicht so viel, was man lernen muss!

Intervalle und Griffbrett

Falls du dich mit Intervallen auskennst oder diese gerade in der Schule durchnimmst: im 5. Bund findest du die Quarte des Saitengrundtones, im 7. die Quinte, im zwölften wie gesagt die Oktave. Bund 11 bringt die große, Bund 10 die kleine Septime (die du für Dominantseptakkorde brauchst); Bund 8 und 9 enthalten die kleine bzw. große Sexte (Umkehrung der großen und kleinen Terz).
Kurz: wenn du schon immer mal wissen wolltest, aus wie vielen Halbtonschritten eigentlich die Quinte besteht: Sieben. Deshalb liegt sie im siebten Bund. Nicht nur Klavierspieler haben Vorteile bei Klassenarbeiten in Musik...

Bund 7 - 12

Aufgabe:
Griffbrett

In der folgenden Aufgabe werden die Bünde auf den Saiten 7 bis 12 abgefragt. Wenn du mit der Maus auf den Bund zeigst, erscheint die Antwort.

Du kannst die Aufgabe auch schriftlich machen, indem du die Ergebnisse in 6 Notenreihen à 6 Takten notierst und mit derLösung vergleichst:

Lösung 02 Griffbrett
  • E-Saite
  • 7. Bund
  • 11. Bund
  • 9. Bund
  • 12. Bund
  • 8. Bund
  • 10. Bund
  • A-Saite
  • 9. Bund
  • 12. Bund
  • 7. Bund
  • 10. Bund
  • 8. Bund
  • 11. Bund
  • d-Saite
  • 11. Bund
  • 9. Bund
  • 7. Bund
  • 12. Bund
  • 8. Bund
  • 10. Bund
  • g-Saite
  • 10. Bund
  • 7. Bund
  • 11. Bund
  • 8. Bund
  • 12. Bund
  • 9. Bund
  • h-Saite
  • 11. Bund
  • 9. Bund
  • 12. Bund
  • 7. Bund
  • 10. Bund
  • 8. Bund
  • e¹-Saite
  • 8. Bund
  • 10. Bund
  • 12. Bund
  • 9. Bund
  • 11. Bund
  • 7. Bund

Das gesamte Griffbrett

Es folgen wieder Übungen, die du mit Würfeln machst, wenn du keinen Kollegen hast, der dich abfragt.

Aufgabe:

Würfele wie auf der vorigen Seite, nur das die "1" beim "Bundwürfel" für Bund 7 steht, die "2" für Bund 8 etc. Schreibe wieder, was du gewürfelt hast, und spiele später, was du geschrieben hast.
Nimm zwei Würfel für die Bünde, dann hast du Fragen zum ganzen Griffbrett.

Aufgabe:

Suche auf der Gitarre alle "c", die du finden kannst; pro Saite eins oder zwei.
Wenn du dir klarmachst, dass im 13. Bund wieder der Ton des ersten Bundes auftaucht, findest du genug. Auf einer E - Gitarre darfst du das ganze Griffbrett beackern! Nach dem "c" kommt das "g" an die Reihe, und dann der ganze Quintenzirkel:
fis - h - e - a - d - g - c - f - b - es - as - des - ges.

Im Anschluss daran könntest du auch die Übung "Stammtöne denken" von der Seite zu den unteren Bünden hier auf die oberen Bünde oder das ganze Griffbrett anwenden.

Aufgabe:

Wo findest du diese Noten auf den sechs Saiten? Zeige mit der Maus auf den Ton, und du siehst die Antwort.

  • E-Saite
  • Fis / Ges
  • e
  • A
  • c
  •  
  • G
  • Ais / B
  • dis / es
  • F
  •  
  • Gis / As
  • cis / des
  • d
  • H
  • A-Saite
  • e
  • H
  • gis / as
  • dis / es
  •  
  • fis / ges
  • Ais / B
  • d
  • g
  •  
  • cis / des
  • a
  • c
  • f
  • d-Saite
  • f
  • cis¹ / des¹
  • g
  • h
  •  
  • dis / es
  • a
  • e
  •  
  • fis/ ges
  • ais / b
  • gis / as
  • g-Saite
  • cis¹ / des¹
  • gis / as
  •  
  • a
  • fis¹ / ges¹
  • dis¹ / es¹
  •  
  • h
  • ais / b
  • h-Saite
  • ais¹ / b¹
  • dis¹ / es¹
  • gis¹ / as¹
  •  
  • cis¹ / des¹
  •  
  • fis¹ / ges¹
  • e¹-Saite
  • fis¹ / ges¹
  •  
  • ais¹ / b¹
  • cis² / des²
  •  
  • gis¹ / as¹
  • dis² / es²

Blattspiel

Natürlich solltest du so viel Gitarrennoten wie möglich durchspielen (vom Blatt spielen), wie du in die Finger bekommen kannst, aber Blockflöten- oder Geigennoten sind auch sehr interessant. Besonders Stücke für Altblockflöte gehen bis zum d, e oder gar f auf der hohen e-Saite hinauf, sind also sehr schön zum Trainieren des Lagenspiels.

Um dein Verständnis von Griffbildern, von Abläufen, die auf dem Gitarrenhals immer wieder gleich aussehen, zu verbessern, gebe ich Dir abschließend noch einige Folgen aus zwei oder drei Tönen. Ansonsten hoffe ich, dass die Zeiten mühsamen Töne Suchens für dich der Vergangenheit angehören!

Tonfolgen finden

Spiele diese Tonfolgen an allen möglichen Orten des Griffbretts. Spiele die Zweitonfolgen erst auf einer, dann auf zwei Saiten. Benutze für die Dreitonfolgen diese Möglichkeiten: a) auf einer Saite; b) erster Ton auf einer Saite, die beiden anderen auf der zweiten Saite; c) zwei Töne auf Saite Nummer eins und den dritten auf einer zweiten Saite; d) wenn möglich auf drei Saiten. Merke dir Intervallstrukturen und Griffbilder!
Diese Übung ist "Stammtöne denken" ähnlich, funktioniert aber eben über Noten.

Tonfolgen finden

Post Scriptum:

Andere Saiten sind auch nur Menschen! Auf Lauten gibt es z. B. f-Saiten, und auch auf denen befindet sich im 5. Bund die Quarte b, im siebten die Quinte c und so weiter. Solide Kenntnisse in Intervalllehre sind immer eine große Hilfe!

Töne entlang der Saiten

Meistens geht man das Lernen der Töne auf dem Gitarrenhals in Richtung "quer über die Saiten" an. Man lernt ja zuerst Stücke in den tiefen Lagen, die hohen Lagen kommen später dazu.

Hier kommt also der Tipp, sich die Noten mal "längs der Saiten" anzuschauen. Da staunt man!

Um die nahe Verwandschaft jeweils dreier Saiten zu zeigen, habe ich ein bisschen gebastelt und fotografiert. Ich bin kein großer Bastler, aber ich hoffe, die Idee kommt 'rüber!

Stammtöne

Die Töne auf den Saiten tauchen immer in der gleichen Reihenfolge auf, nämlich in der Abfolge der Stammtonreihe. Dass die Grundtöne der e-Saite, der d-Saite und der E-Saite nicht weit von einander entfernt sind, und die der h-Saite, a-Saite und der g-Saite ebenfalls nicht, erleichtert die Aufgabe noch mehr.

Die Saiten e', d und E

Die hohe e'-Saite
Die e-Saite

Das sind die Stammtöne auf der hohen e-Saite, auf einem Papierstreifen notiert und ausgeschnitten.
Nach dem e der leeren Saite kommt im 1. Bund im Abstand eines natürlichen Halbtonschrittes der Ton f, dann im dritten Bund, also einen Ganztonschritt weiter, das g und dann die anderen Töne der Stammtonreihe.

Die d-Saite
Die d-Saite

Für die d-Saite habe ich vor den himmelblauen Streifen, den ich für die e-Saite verwendet hatte, ein Stück hellblau angeklebt um deutlich zu machen: auf der vierten Saite kommt zuerst das d, aber dann folgen dieselben Töne wie auf der e-Saite. Überraschung!

Die tiefe E-Saite
Die E-Saite

Die tiefe E-Saite hat natürlich dieselben Töne wie die hohe e-Saite, und wenn man sie für ein Gitarrenstück auf D umstimmen muss, findet man auf der 6. Saite die gleichen Noten wie auf der d-Saite, die man schon länger kannte.

Die Saiten h, A und g

Die h-Saite
Die h-Saite

Auf der h-Saite folgt ab dem 1. Bund die C-Dur-Tonleiter (im 13. Bund wäre das hohe c). Das ist vielleicht am einfachsten zu lernen, obwohl man ja üben sollte, die Stammtonreihe von jedem Ton aus vorwärts und rückwärts aufzusagen.

Die A-Saite
Die A-Saite

Vor dem fadenscheinigen Beige der h-Saite klebt ein Stück orangenes Papier für das A der leeren A-Saite. Dann folgen ab dem 2. Bund die gleichen Noten wie auf der h-Saite, natürlich eine Oktave tiefer, aber die Notennamen stimmen.

Die g-Saite
Die g-Saite

Zum Schluss die g-Saite: ein Stück rotes Papier mit dem g, dann folgt der orangene Schnipsel mit dem a, mit dem die Tonfolge der A-Saite beginnt, und der Rest ist wieder die Abfolge der h-Saite in Beige.

So einfach ist das! Eine Saite ist eine Saite ist eine Saite... die Dinger funktionieren immer gleich! Auch auf der C-Saite eines Violoncellos oder einer Laute oder Gambe findet sich nur die Stammtonreihe, natürlich mit den alterierten Tönen zwischen den Ganztonschritten. Wie schnell man die Töne auf einem Saiteninstrument findet, ist eine Frage der Übung und der Denkgeschwindigkeit, aber im Prinzip kann man auch auf einem bundlosen Hals ganz gut raten, wo eine Note auf einer bestimmten Saite sein wird!