Saiten aufziehen << Seite
Sicher schwierig, aber: hier kommt ein Versuch, in Wort und Bild zu beschreiben, wie man Saiten aufzieht. Vorab drei generelle Tipps:
- Wenn die Saiten auf der Gitarre von einem Fachmann aufgezogen worden sind, ist es eine gute Idee, genau zu schauen, wie’s gemacht war, und dies zu imitieren.
- Wenn man beim Drehen der Wirbel merkt, dass einige sich nur schwer bewegen, ist das Saitenaufziehen die Chance, einen Tropfen Nähmaschinenöl oder Silikonöl auf Welle und Zahnrad zu geben. Da man gerade vorhat viel zu drehen, wird das Öl gründlich verteilt.
- Ich ziehe fast immer die Saiten eine nach der anderen auf. Dann ist das Stimmen leichter, und die Gitarre wird nicht völlig entspannt – immerhin ziehen Tag und Nacht etwa 40 Kilo am Steg! Nur wenn ich vorhabe, meine Gitarre zu reinigen, nehme ich alle Saiten herunter.
1. Das Ende der Plastiksaiten, das am Steg landet, halte ich an eine Flamme, schmelze es so an und mache einen Knoten. (Bild 6) Plastiksaiten sind glatt und ziehen sich schlimmstenfalls ganz aus der Befestigung.
Die Basssaiten brauchen keine Knoten am Steg. Sie haben häufig ein Ende, das „lückenhaft“ (in Bild 4 die dickste Saite) umsponnen ist. Dieser Teil legt sich leichter um die engen Kurven im Steg und hält sich gut an sich selbst fest. Man sollte aber darauf achten, dass auf der Stegeinlage schon die „richtige“ Umspinnung liegt.

2. Die Saite wird durch die Bohrung im Steg über die Stegeinlage Richtung Kopf geführt. Vor dem Steg lässt man ca. 3 – 4 cm überstehen (Bild 1). Dieses Ende (bei den Plastiksaiten mit dem Knoten) wird zwischen Steg und Stegeinlage unter der Saite durchgeführt (Bild 2), dann umschlingt man die Saite damit noch ein oder zwei Mal, und achtet darauf, dass die letzte Überschneidung (wichtig!) hinter der Stegkante zu liegen kommt (Bild 3 und 4). Wenn diese letzte Überschneidung oben auf dem Saitenhalter liegt, wird sich die Saite lange verstimmen, weil sie viel Platz zum Nachgeben hat.


3. Bitte die Saitenenden nicht so lang lassen, dass sie auf der Decke liegen! Sonst darf man sich über Surrgeräusche nicht wundern. Die Saitenenden unter den Schlingen der Nachbarsaiten zu verweben (Bild 5) ist auch nicht toll, das merkt man spätestens, wenn man eine einzelne Saite austauschen muss!
Wer hier die d-Saite wechseln muss, hat viel Spaß!
Der Vorsichtige: Knoten und angeschmolzene Saitenenden!
4. Oben am Kopf führt man die Saite durch die Bohrung in der Walze, holt einige Zentimeter wieder nach vorne (Bild 7) und umschlingt diese mit der Saite (Bild 8). Dann fängt man an aufzuspulen. Bei A, d, g und h - Saite spule ich zuerst nach außen (Bild 9), dann lege ich die Saite über das bereits Aufgespulte und spule innen den Rest auf (Bild 10). Bei den E – Saiten mache ich es umgekehrt. Dabei achte ich darauf, dass die Saite sich nicht in die Holzwange drücken kann (Bild 11). Dann kann nämlich die Saite schnell durchscheuern, oder im Extremfall das Holz gesprengt werden. Also: erst in die „falsche“ Richtung spulen, dann wechseln und zum Schluss möglichst gerade auf die Rille im Sattel zulaufen lassen.






5. Man spult so, dass die Saite oben über die Walze läuft – sonst gibt es scharfe Knicke und Scheuerstellen.
Bild 13: Die Diskantsaiten sind von unten aufgespult - die g-Saite scheuert an der mittleren Walze, die h-Saite an der e-Saitenwalze, und die e-Saite scheuert an der Holzkante. Wer stimmen will dreht garantiert erst in die falsche Richtung...
6. Kurz bevor die Saite „Spannung“ bekommt, schaue ich noch mal nach der „letzten Überschneidung“ (siehe Punkt 2 und Bild 4)!
7. Man kann natürlich oben möglichst wenig aufspulen und kurz abschneiden. Allerdings reißen Saiten schon mal am Steg, und dann freut man sich, wenn oben noch die entscheidenden fünf Zentimeter vorhanden sind.
8. Wenn die Saiten drauf sind, merkt man bald, dass sich die Gitarre ständig verstimmt. Es gibt viele Kurven und Schlingen, die sich recken und strecken. Um diesen wochenlangen Spaß abzukürzen, nimmt man Saite für Saite zwischen Daumen und Zeigefinger, und „kneift“ die Saite ein wenig, indem man die Saite entlang fährt und dabei immer vorsichtig dehnt (Bild 14). Das tut zwar ein bisschen an den Fingern weh, lohnt aber die Mühe. Über das Stimmen der Gitarre geht es auf einer eigenen Seite, Stimmtöne erklingen hier:
9. Vielleicht zieht man die ersten Male die Saiten kurz vor der nächsten Gitarrenstunde auf, damit der Lehrer nachkontrollieren kann. Aber auf alle Fälle sollte man seine Gitarre selber besaiten können!
Das Saitenaufziehen auf E-Gitarren ist ein durchaus anderer Job. Eine Beschreibung dazu und vielem mehr gibt es auf der gut gemachten und informativen Seite der Firma Rockinger.