Wechsel zur E – Gitarre << Seite
Kann man von der Konzertgitarre zur E–Gitarre wechseln? Aber klar! Die Saiten sind gleich gestimmt, die Töne sind gleich – kein Problem! Auch ich als Lehrer mache den Wechsel gerne mit - ob auf Dauer oder nur für eine "Schnupperphase". Und ich bin auch völlig unerschrocken, wenn jemand mit der Stromgitarre beginnen möchte, ohne vorher "normale" Gitarre gespielt zu haben. Vorkenntnisse schaden zwar nicht, aber wenn man genau weiß, was man will...
Mögliche Probleme gibt es auf anderem Gebiet: E–Gitarrenschüler sollten für mich eine gewisse Körpergröße haben, da E–Gitarren schwer sind und bevorzugt im Stehen gespielt werden. Das muss natürlich kein Dogma sein. Kindergrößen bei Stromgitarren sind aber sehr unüblich. Die Anschlagstechnik ist anders: Auf der E–Gitarre schlägt man die Saiten meist mit dem Plektrum (Plectron, Plec, Pick) an. Mit Plektrum zu spielen ist aber genauso lernbar, wie einen Geigenbogen zu benutzen.
Mit der E-Gitarre tummelt man sich in den verschiedenen Stilrichtungen der Popmusik. Diese Musik ist nicht oder nur zum Teil aufgeschrieben. Wenn sie genau notiert ist, sollte man auf große Komplexität gefasst sein! Man braucht viel Fantasie, Kreativität, Willen zum Auswendiglernen und Vorstellungsvermögen.
Man muss früher als bei klassischer Musik seinen musikalischen Frei- schwimmer machen. Es ist nicht so einfach, vernünftiges Unterrichtsmaterial zu finden - auch wenn der Markt mit Lehrwerken für Stromgitarre geradezu überschwemmt wird.
Rhythmische Sicherheit ist besonders wichtig in der Popmusik. Wenn jemand von seinem Lehrer für klassische Gitarre genervt ist, weil der darauf besteht, dass die halben Noten länger sind als die Viertel, sollte er nicht erwarten, dass dies bei Rockmusik leichter wird!
E-Gitarre ist ein Band – Instrument. Das Ziel sollte also sein, so gut zu werden, dass man in eine Gruppe irgendeiner Art einsteigen kann.
Wenn man Rhythmusgitarrist werden will, braucht man „nur“ Akkorde spielen zu lernen. Für das Improvisieren toller Soli braucht man ein gutes Pfund Grundlagen, Mut, etwas Hang zur Selbstdarstellung, musiktheoretisches Wissen schadet nicht, und viel Fleiß. Der künftige Leadgitarrist sollte absolut schwindelfrei sein was das Spiel in den höheren Lagen angeht.
Viele Gitarristen entdecken übrigens nach einem Ausflug in die weite Welt der elektrisch verstärkten Musik den großen Charme der Konzertgitarre noch mal neu. Man muss nicht ständig einen neuen Schlagzeuger suchen, der das Tempo hält, stolpert nicht dauernd über Kabel und darf den Stecker wieder löten, und man kann alleine ein komplettes Stück mit Melodie und Bass und allem spielen – ein Vorzug, den die Gitarre ja mit Tasteninstrumenten teilt, während Streicher und Bläser ständig nach fähigen Begleitern suchen...
Tipps zur Anschaffung einer E-Gitarre Home Gitarre Stichworte oben
Pflicht für den künftigen Stromgitarristen ist, sich erst mal über die vielen verschiedenen Typen von E-Gitarren und ihre Eigenschaften zu informieren. Kriterien, die Entscheidungen verlangen sind:
| - Unterschiedliche Mensurlängen bei Fender und Gibson - Model- len und deren Kopien. | Wenn man nicht so große Hände hat, kann es angenehm sein, eine Gitarre zu spielen, die eine 3 cm kürzere Mensur hat. Andererseits sind Akkorde in hohen Lagen auf Gibson-Modellen manchmal ganz schön heikel: wohin mit den ganzen Fingern! |
| - Unterschiedliche Korpusformen und deren Vor- und Nachteile / ist die Gitarre bequem zu halten? | Um ein banales Beispiel zu geben: Eine ES 335 hat einen ziemlich großen Korpus, und der Steg ist recht weit vom unteren Rand entfernt. Dadurch ist die Greifhand deutlich weiter vom Körper weg als z.B. bei einer Strat oder Paula. Das ist natürlich kein Grund, die Gitarre nicht zu lieben, aber ein Kriterium beim Vergleichen. |
| - Wie schwer ist die Gitarre? | Lieblingsthema der Gitarrenphilosophen! Schweres Holz wird immer gleichgesetzt mit viel Sustain (die Töne klingen lange)! Kann schon möglich sein, aber ich würde einwenden: alte Saiten, billige, kleine Verstärker, noch nicht ausgereifte Greiftechnik und fehlendes Vibrato sorgen für kurzes Sustain. Aber der Anfänger hat wirklich einen Klotz am Hals! |
| - Ist das Instrument gut ausba- lanciert oder ist es kopflastig? | Vielleicht Geschmackssache. Ich mag Gitarren nicht, bei denen ich immer das Gefühl habe, den Kopf (der Gitarre) hoch halten zu müssen, weil er, wenn man das Instrument mal freihändig hängen hat sofort gen Erdmittelpunkt sinkt. Da muss für mich der Korpus schon schwer genug, bzw. die Gurtpins entsprechend angebracht sein. |
| - Wie anfällig ist der Korpus für Rückkopplungen? | Hohle Gitarren (Jazzgitarren etc.) sind rückkopplungsanfällig. Dafür wurde die Brettgitarre ja erfunden: richtig laut spielen zu können, ohne dass es pfeift. Wenn man also immer ganz verzerrt und ganz laut spielen will, ist eine Gitarre mit Resonanzraum nicht gut. |
| - Erreicht man die hohen Lagen gut? | Zwei Gitarren sehen sehr ähnlich aus, aber bei der einen ist der Cutaway so geschnitten, dass man nicht an die hohen Bünde kommt, und bei der andere geht es. Oder es geht für Jemanden mit schlankeren Händen... |
| - Wie viele Bünde hat der Hals? | Die Firma Fender hat eine Zeit lang die Stratocaster mit 21 Bünden gebaut; die meisten Strats haben aber 22 Bünde, wie auch viele Gibson Modelle wie die Les Paul oder die SG. Bekannte Soli, die man irgendwann mal nachspielen will, gehen gerne bis zum 22. Bund hoch (mit Ganzton-Bending erreicht man dann das hohe e) - dann ist man mit einem Nachbau der 21-Bund-Gitarre nicht gut bedient. Moderne Strats haben gerne 24 Bünde. Das führt nicht nur dazu, dass man höhere Töne spielen kann, sondern der Halstonabnehmer ist dadurch weiter am Steg, und dadurch wird dessen Klang etwas weniger weich... |
| - Welche Tonabnehmer mit wel- chen Klangeigenschaften sind eingebaut? | Single Coils oder Humbucker - hier muss man wirklich überlegen, was man will. Hat man nur die einen, ist der fette Sound der Humbucker kaum zu erreichen, und hat man nur die anderen, klingt es nie so fein wie bei Mark Knopfler... Probieren und Hören ist angesagt! Wenn man Humbucker hat, die man splitten kann (auf Single Coil umschalten) kommt garantiert jemand und sagt "zuviel komplizierte Technik ist auch nicht gut...". |
| - Welches Tremolosystem hat die Gitarre, oder hat sie eine feste Brücke? | Ein schlechtes Tremolo ist keine Freude, ein Floyd-Rose - Tremolo die sehr radikale Lösung, die einem zwar fast grenzenlose Freiheit bei wilden Klangexperimenten erlaubt, andererseits ein Umstimmen der Gitarre zu einem Halbstunden-Job macht. Kein Tremolo ist auch fein... dies ist eines der Themen, bei denen man schnell zu dem Schluß kommt "eine E-Gitarre ist eigentlich nicht genug"... |
Man sollte sich gründlich Gedanken darüber machen, mit welcher Gitarre man sich am ehesten identifizieren kann, dabei aber daran denken, dass man für die neonpinke Schönheit irgendwann einen Käufer findet muss, wenn man sich wegen einer anderen von ihr trennen möchte und das Geld braucht...
Beim Begutachten im Musikgeschäft sollte man nicht vergessen, dass man die Gitarre eventuell meistens im Stehen spielen will. Wie gut das Instrument ausbalanciert ist kann man nicht beurteilen, wenn man auf einem Schlagzeughocker zusammengekrümmt zu verhindern versucht, dass die Gute vom Oberschenkel rutscht. Ob die Mitarbeiter sich darauf einlassen, probehalber einen Gurt an der Gitarre zu befestigen ist doch ein schönes Kriterium für Kundenfreundlichkeit...
Die Gitarren der etablierten Hersteller kosten Geld, aber es gibt ja Firmen, die gute Nachbauten für weniger anbieten. Ich formuliere mal vorsichtig so: während man sich über eine richtig billige E-Gitarre nach kurzer Zeit ärgern dürfte, kann man im Mittelklasse- bereich durchaus ein sehr brauchbares Instrument erwerben.
Hoffen wir mal, dass die Instrumente, die im Herzen der USA angefertigt werden aus besseren Materialien und sorgfältiger gemacht sind als die lizensierten Nachbauten. Ich habe jedenfalls z.B. schon deutliche Unterschiede in der Stärke des Kontaktblechs in der Steckerbuchse gesehen. Bei einer Kopie aus Korea war es ungefähr doppelt so dick wie bei einer Kopie einer chinesischen Tochterfirma, das dann beim Nachbiegen (um den Wackelkontakt zu beheben) auch prompt brach.
Eine gute Gebrauchte kann für den Einstieg und darüber hinaus ausreichend sein. E-Gitarren haben meist einen hohen Preisverfall, was den Käufer freut. Die Gitarre sollte natürlich funktionieren! Wenn die Regler für Lautstärke und Ton knacken und rascheln heißt das meist nur, dass sie lange nicht benutzt wurden und gerne ein bisschen Kontaktspray und Bewegung hätten.
Unbedingt achten sollte man auf den Zustand der Bünde! Wenn diese schon ordentliche Dellen haben und man die Gitarre bald bebunden lassen muss, ist man locker 150 Euro los.
Unter deckendem Hochglanzlack (schwarz ist am unverfänglichsten) kann sich alles mögliche an Holz verbergen, Massivholz, aber auch Sperrholz oder Tischlerplatte welcher Güte auch immer. Über die Qualität und den Einfluss auf Klangfarbe und Sustain kann man viel philosophieren, aber auch so etwas Banales wie die Schrauben für die Gurtpins sollten möglichst lange sicheren Halt finden... Hier kann man nur hoffen, dass mehr investierte Euros für mehr Lebensdauer und Spielfreude stehen.
Ein stabiler Gurt ist eine wichtige Investition, aber ebenso wichtig ist die Befestigung an der Gitarre. Wenn die Gurtpins ungünstig positioniert sind und die "Knopflöcher" des Gurtes zu weit, kann die Gitarre beim ersten auf - der - Stelle - Hüpfen schnell mal am Boden landen. Straplocks sind eine Erfindung, die für mehr Sicherheit sorgen. Die Position der Gurtpins ist natürlich auch Geschmackssache. Eine Paula hängt eben fast waagerecht, wenn man die Gurtpins so nimmt, wie sie sind (ich persönlich mag dann nicht darauf spielen).
Ein ordentliches Kabel kostet leider auch Geld. Man kann für das gute alte 6-Meter-Kabel 4, aber auch über 30 Euro ausgeben. Das eine bekommt einen Wackelkontakt, wenn man es streng anguckt, das andere hält etwas mehr aus und transportiert mehr Klang und weniger Nebengeräusche.
Ein guter kleiner Übeverstärker ist fein für den Einstieg, aber auch hier gibt es große Qualitätsunterschiede, die man nur durch Probieren und Anhören herausfinden kann. Und wenn man dann etwas gelernt hat und die erste Probe mit Schlagzeug und allem angesagt ist hört man schnell, dass man die Gitarre nicht hört. Aber dann ist man vielleicht schon so weit, dass man weiß "ich will das wirklich und gebe jetzt auch das Geld aus für einen ordentlichen Amp" oder... eben nicht.
Sogenannte Starterpacks oder Gitarrensets sind mit Vorsicht zu genießen. Man bekommt für wenig Geld eine Gitarre, die nicht wirklich toll ist (Klang, Verarbeitung, Saitenlage, Mechaniken und Stimmstabilität etc.), einen Verstärker, der nicht wirklich klingt, ein Kabel, das nicht viel aushält, diverse Plecs und eine Tasche, die erstaunlich schnell ein Loch hat, wo der untere Gurtpin drückt. Und wie immer gilt: man sollte die Grenze zwischen "wenig Geld ausgeben" und "zu wenig Geld ausgeben" beachten, denn letzteres ist manchmal eine echte Fehlinvestition.
Informationen zum Saitenaufziehen auf E-Gitarren gibt es auf der Seite der Firma Rockinger. Auf dieser Seite finden sich sehr nützliche Tipps zum Einstellen des Halses und zur Bundreinheit der Gitarre, die von vielen Faktoren abhängt: von der richtigen Position der Bundstäbchen, der korrekten Einstellung der Saitenreiter auf dem Steg, einem ordentlichen Sattel und Saiten, die in sich stimmen.