Ulrich Meyer, Gitarre

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Natürlich gibt es eine optimale Haltung mit einem Instrument. Es wird über Jahrhunderte gespielt, Stücke mit immer neuen technischen Problemen werden dafür komponiert, und die Spieler versuchen die Handhabung so zu verbessern, dass auch die schwierigsten Passagen zu schaffen sind. Ausserdem sollte es die Haltung ermöglichen, längere Zeit zu spielen ohne zu ermüden oder einen Arzt zu brauchen.
Geiger spielen mit Kinn- und Schulterstütze, Saxophonisten mit Haltegurt, da das Instrument schlicht zu schwer ist, Cellisten mit Stachel, und Pianisten sitzen, und zwar gerne in der richtigen Höhe, wozu der höhenverstellbare Klavierhocker erfunden wurde. Bei kaum einem Instrument aber hat die „korrekte“ Haltung so wenig Akzeptanz wie bei der Gitarre. Deshalb steht die Gitarre immer wieder in der Ecke der „volkstümlichen“ oder „nicht so seriösen“ Instrumente.

Nachwuchsgitarristen suchen sich ihre Vorbilder unter Leuten aus dem Pop- oder Folkbereich. Eric Clapton spielt in der MTV – Unplugged – Show seine Akustik lässig auf dem rechten Oberschenkel, die Erzieherin im Kindergarten und der Grundschullehrer spielten die einfache Liedbegleitung irgendwie.
"Muss ich echt mit Fußbank?" jammern also die Schüler, und der brave Gitarrenlehrer seufzt wegen der vertanen Zeit und träumt von Kindern, die einfach durch Nachahmung etwas lernen möchten. Stellt sich heraus, dass jemand begabt genug ist, um sich an "Asturias" oder Bachsuiten zu wagen, beginnt das große Umlernen, und der Fortgeschrittene merkt doch, dass er vielleicht von Anfang an...

Geradezu ein Rechtfertigungsdruck lastet auf dem Verfasser. Musst du denn so konservativ sein? Nun lass die Kids doch spielen, wie sie das cool finden!
Abgelehnt! Gezwungen wird niemand - aber ein normal engagierter Lehrer darf doch das Angebot machen, eine erprobte Technik zu vermitteln, gerichtet an Menschen, die sich interessieren, viel Spielen möchten oder gar irgendwie "musikbesessen" sind? Wer alle drei Tage seine Gitarre für fünf Minuten hervorholt, braucht sich um so etwas natürlich nicht zu kümmern, und motorische Hochbegabungen spielen eben auf dem Einrad...

Hier ein Versuch, die „anerkannt richtige“ Haltung für die Gitarre zu zeigen:

Haltung im Sitzen 2




>> Man stellt das linke Bein (Linkshänder bitte immer das Gegenstück einsetzen) auf eine Fußbank, legt die Gitarre darauf, stellt das rechte Bein so weit zur Seite, dass die untere Ausbuchtung des Gitarrenkörpers gut zwischen die Oberschenkel passt und hält die Gitarre so schräg, dass ihr Kopf sich ungefähr auf Augenhöhe befindet. Durch die Fußbank wird die Gitarre höher vor dem Körper platziert. Den gleichen Zweck erfüllen Stützen, die mit Saugnäpfen an der Gitarre befestigt und auf den Oberschenkel gestellt werden - im rechten Foto zu sehen.

Oberschenkel waagerecht

>> Der Stuhl sollte so hoch sein, dass die Oberschenkel ungefähr parallel zum Boden sind. Dann verläuft wegen der Fußbank das linke Bein leicht bergauf, so dass die Gitarre nicht rutscht und der Spieler keine Energie zum Festhalten braucht. Ein ganz normaler Küchenstuhl ist gut; Barhocker sind nicht wirklich geeignet. Und man lehnt sich natürlich nicht an, weil die Gitarre sonst gegen die Sitzfläche stößt. Ich könnte auch schreiben, dass Musizieren ein aktiver geistiger Vorgang ist, dem allzu viel Gemütlichkeit widerspricht...

Die Höhe des Stuhles ist im Gruppenunterricht oft ein echtes Konfliktthema. Kinder, die auf kleineren Stühlen sitzen sollen als Gruppenkollegen, fühlen sich oft "herabgesetzt" im Wortsinne, und es kostet viel Überzeugungsarbeit, für die "Richtigkeit" der Haltung zu werben. Lieber sitzen die Schüler viel zu hoch, und benutzen die Fußbank, um das linke Bein gerade mal auf die Höhe zu bringen, die das rechte Bein haben sollte. Wie zu Hause geübt wird, weiß der Lehrer natürlich nicht, und was er nicht weiß... sollte ihn doch interessieren!

>> Der rechte Fuss sollte fest auf dem Boden stehen. Wird der Fuss zurückgezogen und auf die Zehenspitzen gestellt, ist immer Spannung in der Beinmuskulatur, die bis in die Muskulatur der gegenüber liegenden Schulter ausstrahlen und dort zu erheblichen Verspannungen führen kann (eigene Erfahrung).
Ich gehe davon aus, dass man mit fest auf dem Boden stehenden Füßen besser geerdet ist. "Geerdet sein" hat im Zusammenhang mit Musik für mich nichts Mystisches, sondern ist die Vorraussetzung für Beweglichkeit. Empfinden und ausleben rhythmischer Bewegung haben ihren Gegenpol in Ruhe und Zentriertheit.

>> Man sitzt mit geradem Rücken, macht sich also nicht unnötig klein, und die Gitarre wird etwa senkrecht zum Boden gehalten, nicht mehr oder weniger flach auf den Schoß gelegt. Dadurch sieht man die Finger der Greifhand leider nur, wenn man sich etwas vorbeugt, aber man braucht sein Handgelenk nicht unnatürlich zu knicken, um ordentlich greifen zu können. Man muss auch nicht immer alles mit den Augen kontrollieren - den Tastsinn zu entwickeln ist sehr wichtig!


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