Ulrich Meyer, Gitarre

Gitarristen

Jedes Instrument hat Charaktereigenschaften, die zu solchen seiner Spieler passen. Abgesehen von der Attraktivität der Gitarre durch die Popmusik fühlen sich bestimmte Menschen zu ihr hingezogen. Der direkte Kontakt zwischen Fingern und Saiten, die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten machen die Gitarre einfach liebenswert für viele Menschen. Man kann Gitarrenspieler als introvertierte Menschen oder Tüftler charakterisieren; die Gitarre ist auf alle Fälle auch eine intellektuelle Herausforderung!

Auf jeder Saite kann man immer höhere Töne spielen, und dadurch viele Töne mehrfach an unterschiedlichen Stellen des Griffbretts erzeugen. Das ist auch auf Streichinstrumenten so, aber da man auf der Gitarre viel häufiger und deutlich früher im Lernprozess mehrstimmig spielt, ist das Finden möglicher und guter Fingersatzkombinationen ein ständiges Thema. Wer weit auf der Gitarre kommen will, sollte Denken und Überlegen nicht scheuen!

Die Greifhand wird ständig vor „gymnastische“ Probleme gestellt. Ein Ton muss gehalten werden, während neue dazukommen oder losgelassen werden. Und die Akkorde, die im Fernsehen immer so leicht aussehen, wollen erst mal gelernt und dann die Griffwechsel geübt werden.

Schließlich ist die Arbeit der Anschlagshand ein Feld für sensibles und durchdachtes Anwenden unterschiedlichster Techniken.

 

Die Gitarre gehört zu den Instrumenten, die viele Leute „irgendwie so nebenbei“ zu spielen erlernen. Oft merken sie dann später, dass sie manches nicht wirklich richtig können, dass ihnen Grundlagen fehlen, und dass Umlernen eine schwierige Sache ist.

Guter Unterricht sollte sich dadurch auszeichnen, dass der Lehrende einen Plan hat, und dass Wege nicht verbaut, sondern offen gehalten werden. Besonders Spieltechnik und Haltung sollten so vermittelt werden, dass der Lernende möglichst weit kommen kann. Wenn der Lehrer viel Unterrichtsmaterial kennt, und nicht nur die Stücke vermittelt, nach denen er selbst (meist eher flott) gelernt hat, sind die Chancen höher, dass seine Eleven nicht im Dickicht zu schwierigen Materials frustriert stecken bleiben. Hier zeigt sich der Wert eines ordentlichen Studiums und der Bereitschaft, immer weiter neue Literatur kennen zu lernen und sinnvoll einzusetzen. Ein fleißiger Schüler, der aufnimmt, was der Lehrer anzubieten hat, kann selber irgendwann Musik studieren oder professionell ausüben.

Jeder Lehrer unterrichtet anders, jeder verwendet unterschiedliche Materialien. Nicht jeder Schüler möchte das machen, was der Lehrer gerne hätte. Wenn jemand partout nicht nach Noten spielen möchte, aber musikalisch begabt ist und Dinge anders lernt, sollte man sich als Lehrer darauf einstellen können. Wenn aber ein neuer Schüler zu mir kommt, mir erst mal vertraut und den Weg zu gehen versucht, den ich für gut halte, passiert in groben Zügen Folgendes:

- Vor dem Unterricht lade ich Interessenten immer ein, bei ähnlich alten Schülern vorab mal zuzuschauen. Und einige Fragen sind vor Unterrichtsbeginn abzuklären: wie alt ist der Interessent, was für Vorerfahrungen mit Gitarre oder allgemein Musikinstrumenten gibt es, welche Vorstellungen bezüglich des Unterrichts haben der Schüler und die Eltern, ist er vielleicht Linkshänder...

- Mit einer passenden Konzertgitarre (Gitarren mit Stahlsaiten sind anfangs sehr gewöhnungsbedürftig; siehe Kindergitarren) und Gruppenpartnern, die idealer Weise gleich alt und interessiert sind geht es los, die richtige Haltung wird besprochen.

- Alles beginnt mit einstimmigem Spiel nach Noten. Die Notenschrift ist einfach zu verstehen und zu erlernen, wobei man einige Dinge auswendig lernen muss. Mit Daumenanschlag und angelegtem Wechselschlag lernt man einfache Melodien mit den Stammtönen spielen.

- Die Versetzungszeichen – Kreuz zum Erhöhen und b zum Erniedrigen der Stammtöne - werden eingeführt.

- Wie bei anderen Instrumenten ist es sinnvoll, möglichst bald mit mehrstimmigem Spiel zu beginnen. Im Gruppenunterricht lernt man dieses besonders gut, weil einer die bekannte Melodie eines Liedes spielen kann, und der andere eine Begleitstimme übernimmt. Diese ist oft schwieriger, aber man macht dabei die größten Fortschritte im Bereich „Notenwerte, Takt halten, Rhythmus“.

- Zweistimmiges Spiel auf einer Gitarre ist der nächste Lernbereich. Der Weg führt über Melodien, die mit den leeren Basssaiten begleitet werden können.

- Der nächste große Lernschritt: wenn gegriffene Bässe zur Melodie dazukommen, wird die Arbeit der Greifhand schwieriger.

- Parallel dazu führe ich gerne die ersten Akkorde ein. Griffwechsel – mehrere Finger müssen gleichzeitig umgesetzt werden – sind nicht einfach, und die Anschlagshand soll plötzlich mehrere Saiten anschlagen, wie wird aber nicht genau aufgeschrieben. Kreativität und Rhythmusgefühl sind gefragt. Wer nicht nur Akkorde schlägt, sondern dabei singt, lernt wesentlich schneller in Sachen Rhythmusgefühl. Eine Begleitung, die nichts begleitet ist ja auch komisch. Schüler, die an der Liedbegleitung Spaß haben, machen oft große Fortschritte in Sachen Griffsicherheit und damit auch bei den Solostücken!

- Im Prinzip beginnt jetzt der Weg in die Gitarrenliteratur. Man kann alles spielen! Der Name „Konzertgitarre“ oder „klassische Gitarre“ heißt ja nicht, dass man nur klassische Musik auf dem Instrument spielen kann oder darf.

- Popmusik zu spielen ist oft schwieriger, da rhythmisch mehr verlangt wird. Off-Beats, Synkopen, Überbindungen sind schwierig zu zählen und korrekt zu spielen.

- Ich versuche immer, fortgeschrittenen Schülern nahe zu bringen, dass die verschiedenen Epochen der Musikgeschichte sehr viel, unterschiedliche und wunderbare Musik für unser Instrument hervorgebracht haben. Man muss vielleicht nicht wissen, was ein Musikstück des Barock von einem aus der Renaissance unterscheidet, aber ein bisschen Bildung schadet auch nicht.

- Der Schwierigkeitsgrad von Solostücken steigt auf vielfache Weise. Komplexe Griffe, ausgedehntes Lagenspiel, schwierige Rhythmik bei modernen oder südamerikanischen Stücken, komplizierte Zerlegungen, lange und mehrsätzige Werke – es gibt viele Aspekte an Musik, die den Ausführenden fordern!

- Solostücke, Duos, Zusammenspiel mit anderen Instrumenten, Mitspielen im Gitarrenensemble, Westerngitarren, Gitarren mit Stromanschluss – viele Wege führen in viele Richtungen!

 

Gruppenunterricht Home Gitarre Stichworte oben

Die Gitarre gehört mittlerweile zu den klassischen Gruppenunterricht - Instrumenten an Musikschulen. Sie hat einige Eigenschaften, die sie dafür prädestinieren. Welche Vorteile hat Gruppenunterricht, was muss man beachten, damit er erfolgreich läuft?
Hier steht etwas über Einzelunterricht, und hier sind meine Regeln für Gitarrengruppen.

Die Gründe dafür, dass die Gitarre ein häufiges Gruppeninstrument ist, liegen auf der Hand: Gitarren sind vergleichsweise günstig, gut zu transportieren, brauchen zwar mehr Platz als Blockflöten, aber deutlich weniger als Klaviere oder Drumsets, sind nicht so laut, und geben erträgliche Töne von sich, wenn sie gut gestimmt sind.

Dass Gitarren für wenig Geld zu erwerben sind, man dabei aber gewisse Grenzen nicht unterschreiten sollte, habe ich an anderer Stelle breit diskutiert. Wenn man zu billige und damit schlechte Gitarren nimmt, ist die Sache mit der Stimmbarkeit ein ewiges Problem, und schräge Töne wirken sich auf die Motivation aus. Trotzdem muss der Geigenlehrer bei einer Vierergruppe wahrscheinlich mehr Dissonanzen ertragen als ich in gleicher Situation.
Leicht zu transportieren (im Vergleich zu Schlagzeug und Klavier) sind Gitarren allemal, wenn auch das Auspacken, Aufbauen von Stuhl, Fußbank, Notenständer und Noten sowie das Stimmen einiges an Zeit brauchen (je selbständiger die Schüler, desto flotter geht es), und für größere Gruppen braucht man auch ganz schön Platz - die Arbeit in Schulräumen ist ein ordentliches Training für den Lehrer mit Tische schieben und Stühle tragen!

Dynamik am Anfang

 

Ein großer Vorteil des Beginns in einer Gruppe: auch wenn es am Anfang mal etwas rumpelt, weil die Mitglieder unterschiedlich viel Interesse haben - es ist die beste Chance, Partner zu finden, mit denen man längere Zeit zusammen arbeiten kann!

Andererseits sollte man nicht vergessen und bedenken: es ist sehr wahrscheinlich, dass in einer großen Gruppe sowohl begabte Kinder, als auch Kinder angemeldet werden, deren Eltern einen quasi therapeutischen Nutzen erhoffen. Es heißt ja, ein Instrument zu lernen bringe einen in Sachen Koordination, Konzentration oder gar überhaupt Intelligenz weiter. Das ist hoffentlich zum großen Teil richtig, aber wenn ein Kind z.B. Koordinationsprobleme hat, sollte man das vorher thematisieren und eventuell Absprachen treffen. Niemand ist gerne längere Zeit in der Situation, mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die für andere normale Herausforderungen sind. Weder der Lehrer noch die anderen Kinder und Eltern rechnen damit, eine Art Ergänzung zur Ergotherapie zu machen, das sollte allen Beteiligten klar sein. Ein Musikinstrument zu erlernen ist nicht unbedingt einfacher, als sich Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten anzueignen. Unzufriedenheit kann man vorbeugen, indem der Unterricht als "Schnupperangebot" startet, bei dem nach einer Testphase überlegt wird, ob Instrument und Gruppe so passen.

Vorteile beim Lernen

 

Viele Dinge lassen sich sehr gut in einer Gruppe erlernen. Die grundlegenden Lernfelder am Beginn des Gitarrenunterrichts - wo finde ich die Töne auf der Gitarre, wie schlage ich richtig an, mit welchem Finger muss ich greifen, wie sieht die zugehörige Note aus, wie heißt der Ton, wie lang sind Viertel und Achtel - kann man mit aufmerksamen Kindern gut gemeinsam erarbeiten. Kinder, die anfangs nicht so sicher sind, "schwimmen in der Gruppe mit" und profitieren vom gemeinsamen Musizieren. Dadurch kann das Gefühl für Rhythmus vielleicht entspannter aufgebaut werden als im Einzelunterricht, wo der Lehrer eher dazu neigt, das Ganze zu "verintellektualisieren". Das Kind wird früher aufgefordert sich zu äußern - wie zählt man da, klopfe mal mit dem Fuß den Taktschlag - wo es in der Gruppe mehr Chancen bekommt, durch Beobachtung und Nachahmung zu lernen. Durch dosiertes "in-Ruhe-lassen" von leicht gestressten Kindern kann man diese vorsichtig in eine Situation hineinwachsen lassen, vor der sie sonst zu viel Angst gehabt hätten.

Um Erfolg mit dieser Unterrichtsform zu haben, müssen die Schüler aufmerksam sein und beobachten. Viele Kinder passen aber nur noch auf, wenn sie direkt angesprochen werden; sobald die Gruppe als Ganzes gefordert ist, oder eine Frage an ein anderes Kind gerichtet wird, schalten sie vollkommen ab und sind, wenn man nachfragt, was sie gerade gehört oder beobachtet haben nicht in der Lage sich zu äußern. Zu dieser Problematik steht einiges im Absatz über das Einstiegsalter weiter unten.

Rolle der Eltern

 

Nicht nur die Kinder sind für den Erfolg des Gruppenunterrichts wichtig, sondern in besonderem Maße die Eltern. Sie sind dafür verantwortlich, bei versäumtem Unterricht nach den Hausaufgaben zu fragen (Die Sitte, mitzuteilen, dass und warum ein Kind nicht kommen konnte ist trotz E-Mail-Kultur akut vom Aussterben bedroht - ich weiß immer gerne, ob es "meinen" Kindern gut geht!). Fehlen in einer Gruppe die Mitglieder über Wochen umschichtig, ist ein Weiterkommen sehr erschwert, wenn niemand bereit ist etwas nachzuarbeiten. Das macht dann den Unterricht schnell langweilig, besonders natürlich für die begabteren Kinder. Diese Mitverantwortung jedes Einzelnen für das Gruppentempo ist ein ganz entscheidender Faktor. Musikunterricht ist ein Hobby, und man sollte seine Freizeitvergnügen nicht mit der Schule vermengen, aber ein bisschen Einsatz ist trotzdem nicht schädlich, denn Gruppenunterricht ist nun mal ein "Mannschaftssport".

Selbstverständlich sollte sein, dass man sich in der Gruppe verträgt. Niemand muss niemanden heiraten, aber Rivalitäten und Ablehnung, weil jemand aus dem anderen Ortsteil kommt, eine Schulklasse tiefer besucht, beim Fußball ruppt oder dergleichen haben im Musikunterricht für mich nichts zu suchen.

Wenn alles gut funktioniert, kann man mit Gruppen viel erreichen und viel Spaß haben (und mit Spaß erreicht man mehr!). Gesunder Ehrgeiz und Hilfsbereitschaft und gegenseitiges Unterstützen bringen gute Lernfortschritte und gute Ergebnisse bei Vorspielen.

Dynamik am Schluss

 

Dann muss man aber auch merken, wann die Geschichte vorbei ist. Wenn ein Kind besonders begabt ist und schneller vorankommen könnte als die Gruppenkollegen, muss der Lehrer die Eltern alarmieren, und die Eltern ihrerseits den Lehrer anrufen, wenn sie beginnende Unlust wegen Unterforderung bemerken. Dann ist Unterricht in kleineren Gruppen oder Einzelunterricht angezeigt, und die Diskussion über die Kosten des Musikunterrichts - siehe unten - kann beginnen.
Und man braucht natürlich - je älter und fortgeschrittener die Schüler sind - mehr Zeit für den Einzelnen, für die Hausaufgabe, für das Erarbeiten des neuen Stückes, für die Kreativität beim Austüfteln des besten Fingersatzes. Irgendwann ist die Form des Gruppenunterrichts nicht mehr die beste.


Die Geldfrage

 

Obwohl ich überzeugt davon bin, dass Gruppenunterricht in bestimmten Situationen eine sehr gute Unterrichtsform ist, hängt seine Verbreitung natürlich daran, dass er preisgünstiger zu machen ist. Wobei folgende Fragen kritisch zu beleuchten wären:

Kostet Musikunterricht heute im Verhältnis mehr Geld als etwa in den Siebzigern (in denen viele Musikschulen entstanden)?
Haben die Leute heute wirklich weniger Geld?
Haben sie mehr Kinder, also weniger Geld pro Kind zur Verfügung?
Geben wir alle mehr Geld für andere Dinge aus?
Gehen vielleicht mehr Kinder als früher zum Gitarrenunterricht?

Dass Instrumentalunterricht in den letzten Jahrzehnten unmäßig teurer wurde als Zigaretten, Kino oder die Dienstleistung an der KFZ- Zulassungsstelle bezweifle ich. Allerdings müssen Musikschulen mit öffentlicher Förderung, bei der die Angestellten von Kommunen oder Landkreisen bezahlt werden zum Teil mehr Geld für Personalkosten aufwenden. Die Lehrer werden schon mal älter und verheirateter und bekommen Kinder. Dadurch steigen die Bezüge; erst wenn jemand in Rente geht und dafür eine neue Lehrkraft eingestellt wird, die jung, ledig und kinderlos ist, beginnt dieser Zyklus von vorne. Wenn ich mein Auto anmelde oder mein Kind in die Schule schicke ist dort vielleicht auch jemand tätig, der 58 Jahre alt ist und drei Kinder hat, aber das wirkt sich auf die Gebühr für den Führerschein nicht so aus. Hier werden diese Kosten aufgefangen. An der Musikschule fließen sie zumindest teilweise in die Entgelte ein. Essen zu gehen und die Markenjeans sind aber auch nicht wirklich billiger geworden.
Ob wir alle weniger Geld haben, führt direkt in eine politische Diskussion über Lohnzuwachs und Umverteilung - dafür ist hier nicht der Ort.

Mehr Kinder als vor 30 Jahren haben wir im Schnitt nicht, also müßte pro Kind mehr Geld da sein, aber daran schließt sich subito presto die Erörterung an, ob wir nicht auch mehr nach Mallorca fliegen, höherwertige Autos fahren, mehr Geld für (Unterhaltungs-) Elektronik ausgeben, mehr für angesagte Kleidung anlegen u.s.w. Wir haben definitiv einen anderen Lebensstil, und der ist so selbstverständlich, dass er gar nicht mehr hinterfragt wird. Wir haben mehr Freizeit, die muss gefüllt werden, und wer füllt die schon mit Gitarre lernen, Yoga üben oder gar mit dem Erlernen einer Fremdsprache, um vielleicht ein Buch in der Originalsprache lesen zu können - alles Dinge, die in erster Linie Zeit und Mühe kosten, nicht Geld...
Trotzdem probieren derzeit viel mehr Kinder als früher, ein Instrument zu erlernen (und das ist gut so!). Natürlich hören manche davon nach einiger Zeit wieder auf, weil Begabung, Lust oder Motivation nicht reichen. Ich meine auch, dass heute viel mehr Kinder Hobbies wie Reiten, Tennis und dergleichen (die früher als teuer galten) ausprobieren dürfen.

Wie man mit dieser Problematik umgeht ist jedermanns Privatsache. Der eine sucht sich die günstigste Unterrichtsmöglichkeit (immer wieder mit dem Ergebnis, dass die Geschichte in einer Sackgasse endet, das Kind vieles um- und neu lernen und sich an einen neuen Lehrer gewöhnen muss, damit emotional überfordert ist etc.), der andere kann's bezahlen oder sagt sich "das ist es mir wert". Zu hinterfragen, was die Dinge, die man so tut und kauft für einen Wert für das eigene Leben haben, ist sicher nicht schlecht. Eine gute Alternative ist der Start in einer Gruppe allemal. Wenn der Lehrer dem auch positiv gegenübersteht und im Gespräch mit den Eltern bleibt (bleiben kann) und aktiv an der Umstellung von Gruppen dran ist, kann man im Fach Gitarre durchaus weit kommen, bis irgendwann die Entscheidung über den klassischen Einzelunterricht ansteht.

 

Einzelunterricht Home Gitarre Stichworte oben

Im Gegensatz zum Gruppenunterricht hat der Schüler im Einzelunterricht den Lehrer für sich allein. Von Anfang an wird ein Mensch bestmöglich gefördert. Wenn Begabung, Intelligenz, Fleiß und Lernwille vorhanden sind, stellt nur das Können des Lehrers eine Grenze dar, auf langsamere Unterrichtspartner braucht man keine Rücksicht zu nehmen.
Aber auch der andere Fall sollte idealerweise Raum finden: Wenn ein Kind Begabung zur Musik hat, aber nicht so schnell begreift wie andere, sollte eine Einzelförderung ins Auge gefasst werden, weil sich Musikunterricht auf den Menschen insgesamt auswirkt.

Als Lehrer steckt man sofort in dem Dilemma, wie genau man sein will oder wie viel Spielraum man läßt. Das Kind hält die Gitarre nicht schräg genug, der Gitarrenkopf ist zu weit unten, dadurch wird die Greifhand beeinflusst. Oder die Beine stehen zu eng zusammen, die Gitarre wird deshalb nicht gerade vor dem Körper gehalten, dadurch wird die Wirbelsäule zwischen Becken und Schultergürtel in sich verdreht. Bemerkungen dazu kommen aber nicht an, der Schüler bleibt genau so sitzen - was tun?

Ein ständiger Belanceakt zwischen Strenge und Laissez-faire beginnt, der Versuch, den Schüler auf die Seite des Lehrers zu ziehen, der denkt "das und das müssen wir noch verbessern, da müssen wir noch dran arbeiten..."
Man muss also aufpassen, dass die Sache nicht zu stressig wird und ganz entschieden von Freundlichkeit geprägt ist. Nicht immer einfach, gerade bei jugendlichen Schülern, die häufig mit der Attitüde "Wieso soll ich das denn SO machen?" in den Unterricht kommen.

Alles geht schneller im Einzelunterricht, oder jedenfalls im richtigen Tempo für den individuellen Schüler. Nun habe ich oben ausführlich zu beschreiben versucht, dass der Gruppenunterricht in der Anfangsphase durchaus angemessen sein kann und vielleicht auch schlicht mehr Spaß macht, und Spaß beim Lernen ist ein wichtiger Faktor! Trotzdem kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo die Gruppe sich vom Lerntempo her auseinander lebt, oder, vielleicht noch später, wo das Besprechen der Interpretation des Schülers so viel Raum einnehmen muss, dass es in der Gruppe nicht mehr zu machen ist.

Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem auch die Lernenden der "klassichen Gruppenunterrichtsinstrumente" (Gitarre, Blockflöte, Akkordeon, Keyboard) ein Recht auf individuelle Förderung anmelden sollten.
Sichtbare Lernfortschritte, Leistungen bei Vorspielen, großes Interesse an der Sache (lieber Gitarre üben als immer nur an der Spielkonsole sitzen gehört durchaus zum Thema!) - das sind Dinge, die Eltern und Lehrer wahrnehmen müssen, und die auch die Politiker in Betracht ziehen müssen, wenn sie wieder über Zuschüsse für öffentliche Einrichtungen wie Musikschulen zu entscheiden haben.

 

Die Rolle der Eltern Home Gitarre Stichworte oben

Bei erwachsenen Schülern kein Thema, aber bei Kindern und Jugendlichen durchaus eines, über das sich nachzudenken lohnt: welche Rolle haben eigentlich die Eltern bei der ganzen Sache?
Es gibt wohl keinen Aspekt im pädagogischen Bereich, bei dem mir nicht "ah, ein heikles Thema" in irgendeiner Form in den Einleitungssätzen herausrutscht, aber - es ist doch so: Wo und wieviel Eltern sich einmischen sollen oder dürfen ist in jeder Hinsicht und für alle Beteiligten eine heikle Sache. Darf ich überhaupt darüber schreiben?

Na klar! Erstens gehöre ich zu einer Ecke des Dreiecks "Schüler - Eltern - Lehrer", zweitens habe ich reichlich Erfahrung als Vater musizierender Kinder (ist für Musikschullehrer nicht immer einfach), und was mit dem eigenen Musikunterricht als Kind zusammen hängt habe ich schon noch gut in Erinnerung.

Was tun Eltern im Allgemeinen?

 

1. Eltern finanzieren in der Regel den Unterricht
2. Eltern suchen meist den Lehrer und die Unterrichtsstätte aus
3. Eltern organisieren Ort und Zeit des Unterrichtes und die Wege
4. Eltern sind eventuell während des Unterrichtes anwesend
5. Eltern bekommen das häusliche Üben mit
6. Eltern kommen zu Vorspielen und sonstigen Veranstaltungen
7. Eltern melden sich, wenn ihr Kind fehlt und fragen nach den Hausaufgaben
8. Eltern verbinden Vorstellungen und Wünsche mit dem Instrumentalunterricht der Kinder

Nicht alle Punkte brauchen lange Kommentare - am meisten zu sagen gibt es sicher zum Üben zu Hause.

Wenn die Eltern bezahlen können, und dies gerne tun in dem Sinne, dass ein Kind kein schlechtes Gewissen bekommt, ist das natürlich toll. Wenn sie sich vor der Lehrersuche gründlich informieren ebenfalls. Und die Frage, ob Einzel- oder Gruppenunterricht angezeigt ist, ist ein weiterer Grund, vorher ein bisschen zu grübeln.

Wenn das Kind zum Unterricht gebracht werden muss, haben hoffentlich Eltern oder Verwandte Zeit dafür. Geht es darum, den Gitarrenschüler rechtzeitig los zu schicken, sieht die Sache etwas komplizierter aus: Zu spät kommen ist natürlich nicht gut, weil es viel Unruhe in die bereits begonnene (Gruppen-) Stunde bringt. Gerade bei jüngeren Kindern ist das zu frühe Erscheinen genauso wenig produktiv: Kinder, die schon 20 Minuten auf dem Schulhof getobt oder sich auf dem Flur gelangweilt haben, können sich in der Stunde nur noch schlecht konzentrieren.

Wer sein Kind zum Unterricht bringt, und dann warten muss, weil sich die Heimfahrt nicht lohnt, sollte eher nicht regelmässig im Unterricht dabei sein. Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn gelegentlich mal Eltern hospitieren; besonders am Anfang sehen vier Augen mehr als die zwei des Kindes, aber auf Dauer sollten Schüler und Lehrer ungestört interagieren können - das ist in der Schule auch so, und es ist ein Teil des Ablöseprozesses vom Elternhaus.

Dass die Eltern Vorspiele und andere Veranstaltungen mit dem Kind besuchen, halte ich für sehr wichtig. Nicht nur, weil sie dann die Entwicklung besser verfolgen können und abschätzen können, wie ihr Kind sich im Gruppengefüge macht, sondern weil sie damit dem Kind das Gefühl vermitteln, dass sie das Unternehmen Musikunterricht wichtig finden. Die Dinge, für die Eltern Interesse signalisieren, bewertet ein Kind automatisch höher.

 

Eltern und Üben

 

Genau, man darf die Eltern keinesfalls zu Nachhilfelehrern machen (ältere Geschwister noch viel weniger)! Schriebe ich hier etwas anderes, würde jeder zu Recht sofort aufhören zu lesen.

Nun bekommen die Eltern das häusliche Üben (oder Nicht-üben) aber ja mit, und sie verhalten sich ständig dazu. Es glaube doch niemand, dass konsequente Nichteinmischung kein Signal aussenden würde. Also: was darf man, was sollte man, was keinesfalls?

Halten wir doch erstmal das Offensichtliche fest: unsere Kinder brauchen uns! Sie brauchen uns beim Reparieren des platten Reifens, bei der Bewertung des blöden Verhaltens eines Freundes, oder wenn das olle Zahnrad nicht von dem Legoauto abgeht. Nach erhaltener Hilfe wollen sie in Ruhe weiterspielen, jedenfalls wenn sie uns nicht für den Schaukel - Anschwung oder als geduldigen Elfmeter-Torhüter brauchen.

Vom Gitarre spielen hat Mama vielleicht keine Ahnung, aber - wie ging noch mal der Ton? Denken Sie jetzt nicht, dass ihr Kind Sie als Lehrer braucht, sondern wie in den vorigen Beispielen als den Menschen, der mehr Kraft hat, der besser lesen, technische Zeichnungen deuten und die Stelle im Buch schneller finden kann, weil er ja schon groß und erfahrener ist.

Zu Beginn des Gitarrenunterrichts geht es wesentlich darum, die Noten zu lernen, und zu verstehen, wo man sie auf der Gitarre findet. Das wird im Lehrbuch in Griffbildern erklärt, die ein Erwachsener, auch wenn er nichts von Musik versteht, lesen und interpretieren kann. "Da ist oben, das muss links sein - wie hälst du die Gitarre noch mal? Also, ich glaube, du musst da drücken!" "Zeig noch mal, wie heißt der Ton? Wir suchen mal gemeinsam, der muss doch irgendwo erklärt sein..."

Die Gitarrenschule ist wie ein Bilderbuch, in dem man mit dem Kind blättern kann. Und dann ist sie ein Lexikon, und von welchem Vorbild soll ein Kind denn lernen, dass man in Büchern nachschauen kann, was man nicht weiß, vergessen hat oder nicht versteht? Der Vorgang des Überprüfens anhand unterschiedlicher Quellen wird von Kindern genauso übernommen, wie Papas charakteristische Art zu fluchen, wenn der Computer nicht so will wie er soll.

Und wenn die Lösung gemeinsam gefunden wird, besonders wenn das Kind nach dem Auffinden der Stelle im Buch den Eltern erklären kann, was die merkwürdigen Anweisungen, Fingersätze und Zeichen alle bedeuten, wird das Kind zum Fachmann, und die Großen dürfen staunen! Das wäre eine gelungene Interaktion.

Wenn Erwachsene bemerken, dass die halben und die viertel Noten gleich lang gespielt werden ist das natürlich gut, aber zu solchen Dingen zu viel zu sagen, ist weniger angebracht. Man weiß ja nicht, wie genau das Thema im Unterricht besprochen wurde, ob auf einer intuitiven Ebene, oder intellektuell - analysierend (mit Kindern vor dem "Bruchrechenalter" in Rhythmus-Fragen kaum möglich).
Woher soll das Kind denn wissen, wie "Ein Männlein steht im Walde" geht, wenn man nie mit ihm gesungen hat, und Kindergarten und Schule auch kein Liedrepertoire gepflegt haben? Folglich ist ein gelegentlicher Zwischenruf erlaubt, aber - bitte nicht zu viel.

Eventuell können Eltern am Anfang mal ein bisschen helfen, indem sie beim Spielen mit dem Zeigefinger auf die jeweils zu spielende Note zeigen. Kleine Kinder haben oft Schwierigkeiten, die Noten zu verfolgen und auf die vielen anderen Dinge zu achten - man muss ja auch noch anschlagen und greifen. Das ist aber nur eine Starthilfe, die ich mal für erlaubt erkläre, so wie man mit ABC-Schützen auch lesen übt. Wenn der Vorgang - Zeichen anschauen, Information entnehmen, umsetzen, weiter zum nächsten Zeichen - verinnerlicht ist, ist diese Hilfestellung nicht mehr nötig.

Übezeit

 

 

Bleibt noch die (schwierigste) Frage der Übezeit. Wie leicht hat man das Gefühl, das eigene Kind tut zu wenig!

Erstmal sei gesagt: junge Kinder, die wirklich von alleine üben, und das auch noch regelmässig, intensiv und vorbildlich, sind extrem selten. Auch bei musikalischer Begabung muss das durchaus nicht so sein.
Dann sollte man sich immer mal wieder fragen, was man sich eigentlich vorstellt oder wünscht, was bei dem Unterricht herauskommen soll. Das können sehr verschiedene Dinge sein, und Kind und Eltern können verschiedene Ziele erträumen. Ob man sich bei sehr begabten Schülern freut, wenn sie auf Vorspielen brillieren oder denkt "Mensch, ein 1. Preis im Bundeswettbewerb jugend musiziert wäre jetzt aber auch mal nett!" sind ja sehr verschiedene Herangehensweisen. Andere Eltern denken vielleicht, dass die Musikzensur in der Schule beeinflusst wird, oder dass musizieren überhaupt Einfluss auf kognitive Fähigkeiten, Sozialverhalten und Benehmen hat. In jedem dieser Szenarien wird der häusliche Übefleiß unterschiedlich bewertet.

Zunächst wäre mit dem Lehrer zu sprechen. Passt sich das Kind dem Gruppentempo an, oder hinkt es hinterher? Hoffen Sie, dass ihr Kind in der Gruppe mitkommt, überhaupt dabei bleibt, oder warten Sie ungeduldig darauf, dass der Lehrer Sie anspricht und den Wechsel in den Einzelunterricht anmahnt? Alles wirkt sich darauf aus, wieviel Sie ins Üben eingreifen.

"Also, unsere Tochter, wenn wir sie nicht daran erinnern, dann vergisst sie das Üben völlig." - Auf so eine (ziemlich normale) Beobachtung sind mehrere Reaktionen vorstellbar:

a) Man wartet geduldig und erinnert immer mal wieder zwischendurch. Das birgt die Gefahr, dass die Geduld abnimmt, und man sich mehr und mehr streitet.
b) Man handelt einen regelmässigen Zeitpunkt im Tagesablauf aus. Ob Gitarre üben nach den Hausaufgaben günstig ist, muss man probieren - wenn die Luft raus ist, bringt es wenig, einfach das nächste Pensum dran zu hängen. Mitten am Nachmittag üben müssen, wenn man eigentlich spielen will ist grässlich. Also vielleicht abends nach dem Zähne putzen...
c) Sicher gut wäre, die Übesituation zu analysieren. Im Wohnzimmer, bei Mama, oder im Kinderzimmer alleine - wie ein Kind sich wohlfühlt ist Temperamentsache.
d) Wie gut zugänglich sind Gitarre und Noten? Wenn der Notenständer aufgebaut ist, und die Gitarre nicht umständlich ausgepackt und die Fußbank hervorgekramt werden muss, man also jeder Zeit eben schnell mal zwei Minuten dudeln kann, wird meist automatisch mehr geübt!
e) Dinge einmal zu organisieren, einen Gitarrenständer oder einen Aufhänger für Wand oder Regal zu kaufen, das Üben abends zu verabreden, schont die Nerven aller! Trotzdem werden Sie immer mal wieder ermahnen dürfen...
f) Etwas zu tun, was regelmässige Anstrengung erfordert, aber nicht mit der Schulpflicht zusammen hängt, verlangt immer wieder die Entscheidung dafür und gegen die "Konkurrenzunternehmen" Fernseher, Spielkonsole, Computerspiel. Hier dürfen Eltern Vorbild sein (im eigenen Konsum und der bewussten Entscheidung dagegen) und Grenzen setzen. Die Diskussion der Veränderung unseres Lebens in den letzten 15 (Windows 3.11), 20 Jahren ist ein weites Feld, die Veränderung von Erziehungsstilen ein anderes. Wenn ich diese hier nicht beackern möchte, steht hier doch zumindest: dies sind die größten Probleme für Dinge wie Musikunterricht!

Mit Kindern spielen

 

Kinder, die viel Zeit draußen verbringen und "mit dem ganzen Körper" spielen, sind sowohl grob- als auch feinmotorisch besser koordiniert, während solche, die sehr viel nur bestimmte Tasten auf Geräten drücken, manchmal erschreckend unbeholfen sind. Natürlich geht uns allen das Gerede davon, dass die Kinder früher geschickter mit den Händen gewesen seien auf die Nerven, aber wenn man über Jahrzehnte diesen Aspekt von Aufwachsen an ähnlichen Problemstellungen aus nächster Nähe beobachtet, ist der Verlauf der Entwicklung wirklich sichtbar.
Was erstaunt, sind nicht nur die Schwierigkeiten beim Einsatz der Hände und Finger, sondern der Mangel an Beobachtungs- und Nachahmungsfähigkeit. Es gab schon immer Kinder, die erstmal mit der Greifhand über den Hals langten oder bei der Blockflöte ständig die falsche Hand oben am Instrument hatten, aber ich glaube, man kann sagen, dass diese Dinge zunehmen. Auch wenn ich darüber nie eine Statistik geführt habe, behaupte ich: was Pädagogen landauf, landab beklagen ist keine Einbildung!

Für den Erfolg im Gitarrenunterricht oder allgemein gesprochen dafür, dass ihre Kinder gut koordiniert und geschickt mit den Händen werden, können Eltern am meisten tun, indem sie mit ihrem Nachwuchs draußen Ball spielen, Bauklötze stapeln, basteln und bauen, kuscheln und Bücher (vor)lesen. Wer mit seinen Kindern "richtig gespielt" hat, darf später den Gebrauch der "künstlichen Spielpartner" hoffentlich eher einschränken, und gerät bei Ermahnungen wie "Wolltest du nicht auch noch Gitarre üben?" nicht gleich in eine Krisensituation!

 

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