Dreiklänge aufbauen - riesige Risiken << Seite
Das richtige Aufbauen von Dreiklängen ist weder einfach zu erklären noch zu bewerkstelligen. Diese Abschnitte gehören zu denen, die ich immer wieder anschaue mit der Frage "Kannst du das nicht besser darstellen?" im Hinterkopf. Das momentane Ergebnis ist sicher so unübersichtlich, wie die Thematik komplex ist - tut mir leid!
Wie lauten die Töne des Fis-Moll Akkordes? Wie geht noch mal der Des-Dur Dreiklang? Typische Fragen aus fröhlichen Musikarbeiten, die man gerne schnell beantworten können möchte. Es gibt verschiedene Wege, den Akkkordaufbau für Lernende verständlich zu machen, die teilweise mit Eselsbrücken arbeiten, damit die Sache nicht wirklich erklären und schnell zu falschen Ergebnissen führen.
Im Prinzip sehe ich drei gescheite Wege, nicht zu scheitern:
a) Akkordaufbau mit Hilfe der Intervalle
b) Akkordaufbau mit Hilfe der Stammtonreihe oder
c) Akkordaufbau mit Hilfe der gleichnamigen Tonleiter.
Für mich ist ganz klar der Favorit die Variante mit der Stammtonreihe. Die Stammtonreihe sicher zu kennen setze ich als Grundlage voraus, und aus ihr kann man vieles ableiten (dazu sind Grundlagen da!). Also liegt für mich hier der Weg, die nächste Musikklausur zu überstehen...
Mit den Intervallen machen unerfahrene Menschen viele Fehler, weil Intervalle etwas sehr Kompliziertes sind. Das Kapitel über diese Methode ist lang, ungenießbar und enthält eine wilde Streitdebatte über die bessere Methode.
Einen Dreiklang aus der gleichnamigen Tonleiter abzuleiten ist sehr einfach, setzt aber voraus, dass man sich mit Tonleitern wirklich sehr gut auskennt - sonst muss man ja erstmal die Tonleiter mühsam zusammen buchstabieren. Dementsprechend ist diese Beschreibung kurz.
Dreiklänge aufbauen mit Intervallen Home Musiklehre Stichworte oben
Dreiklänge bestehen aus Intervallen - halt, stimmt das? Anderswo behaupte ich, dass der Durdreiklang in der Obertonreihe enthalten sei, aber das ändert ja nichts daran, dass man ihn mit Intervallen analysieren kann... also nochmal:
Dreiklänge kann man mit Intervallen aufbauen. Diese Methode birgt aber viele Gefahren - wer's nicht glaubt, möge die ersten Abschnitte der Intervalle - Seiten noch mal lesen.
Beim Aufbau eines Intervalls muss man immer beachten:
- ein Intervall hat zwei Größen: die eine führt dich zum Namen des Intervalls, z.B. "Terz" oder "Septime",
- die andere zur genauen Größe, z.B. "große Terz" oder "verminderte Septime"
- um den Zielton (Name des Intervalls) zu finden, zählt man den Ausgangspunkt mit.
- um den Abstand in Halbtonschritten (genaue Größe) zu ermitteln, zählt man den Ausgangspunkt nicht mit!
Die Begründung für diese beiden Forderungen findet sich hinter den Links.
Ich möchte wissen, wie die kleine Terz über c heißt, weil ich schlussendlich einen C-Moll-Akkord konstruieren möchte.
1 - 2 - 3
c - d - e
Ergebnis: der Zielton ist irgendein e
2. Schritt: ich zähle die Halbtonschritte ab (genaue Größe des Intervalls)
1 - 2 - 3
von c nach cis; von cis nach d; von d nach es.
Ergebnis: der Zielton ist es (und nicht etwa dis!)
3. Ergebnis: die kleine Terz über c ist es.
Es ist Zufall, dass bei dieser Rechnung in beiden Schritten bis 3 gezählt werden muss. Bei einer reinen Quinte (Name des Intervalls) zählt man für das Intervall bis 5, muss aber 7 Halbtonschritte (genaue Größe) abzählen.
Juchhu, damit habe ich den ersten Schritt getan, einen C-Moll-Dreiklang mit Hilfe der Intervallstruktur zu konstruieren! Aber werfen wir noch einen Blick auf die möglichen Fehlerquellen:
Fehler 1: Man kann sich immer verzählen beim Intervallabstand - irren ist menschlich! Deshalb empfehle ich übrigens, die Finger zum Zählen zu nehmen, bis man sicher ist.
Fehler 2: Man kann sich nochmal verzählen - bei den Halbtonschritten!
Fehler 3: Wenn man vergisst, dass man beim Abzählen des Intervalls den Anfangston mitzählen muss, bekommt man f als Zielton der Terz über c.
Fehler 4: Wenn man vergisst, dass man beim Abzählen der Halbtonschritte den Anfangspunkt nicht mitzählen darf, bekommt man d als Zielton und beginnt hoffentlich zu zweifeln, weil das ja offenkundig keine Terz sein kann (bei größeren Intervallen ist schnell nichts mehr "offenkundig")!
Fehler 5: Siegesgewiss vergesse ich den ersten Schritt, zähle brav die Halbtonschritte und lande bei dis, der enharmonischen Verwechslung von es. Dann habe ich die Halbtonschritte richtig gezählt, aber ein falsches Ergebnis, denn c - dis ist eine übermäßige Sekunde, keine kleine Terz, und der Akkord wird auch in Noten nicht gut aussehen. Auch hier gilt wieder: je größer das Intervall oder je ungewohnter der Ausgangspunkt, desto leichter tappt man in diese Falle!
Fehler 6: Nein, niemand wird hoffentlich den zweiten Schritt vergessen, und behaupten, dass e das richtige Ergebnis sei. Aber technisch möglich ist es wohl...
Exkurs 1:
Das Risiko, einer dieser Fehlerquellen zum Opfer zu fallen wird enorm vergrößert, wenn man tückische Hilfsmittel benutzt. Das tückische Hilfsmittel Nr. 1 ist die Klaviertastatur, egal, ob man sie vor dem inneren Auge sieht, oder oben auf der Musikklausur gedruckt angeboten bekommt. Die Tasten sind schwarz und weiß, aber es steht nicht drauf, wie der Ton heißt!
Wenn ich von der Gis-Taste (die auch As-Taste sein kann) eine große Terz abzählen möchte, lande ich hoffentlich auf der weißen Taste, die normalerweise als c identifiziert wird, nur leider muss sie diesmal his heißen, den gis - c ist nun mal eine verminderte Quarte! Ich verweise auch hier auch auf den Abschnitt über fröhliche Fehler, da ist dieser Spaß unter "5. Frage" behandelt.
Eine Bildgeschichte zur Suche nach der Quinte über ges:
Die Klaviertastatur links ist nicht eindeutig: das ges ist gegeben, aber wie heißt die gesuchte Quinte darüber? Wenn ich mich verzähle, lande ich beim cis...
Anders die Notenlinien: nachdem ich mein ges geschrieben habe, zähle ich munter 5 Linien / Zwischenräume nach oben und lande auf der Linie für d, dis, oder des. Soll ich jetzt wirklich noch lange überlegen, ob die Zielnote cis heißen könnte?
Notenlinien sind die sicherste Maßnahme für richtige Ergebnisse! Falsch benannte Akkordtöne sehen immer komisch aus!
Warum überhaupt sollte man eigentlich "grammatisch korrekt" Noten, also auch Intervalle und Akkorde schreiben können?
Es geht nicht nur um die gute Zensur in Musik auf dem Zeugnis, es ist eine Grundeinstellung dem "Handwerk" gegenüber. Geschriebene Musik ist für lesende Musiker gemacht, und Fehler im Akkordaufbau können diesen die Arbeit ganz schön erschweren! Orchestermusiker, die mehrstündige Opern begleiten und schwierige Sinfonien spielen sollten außer dem Recht auf eine gute Leselampe auch das auf ordentlichen Notentext haben!
Nach der Fehlerdiskussion rufen wir erleichtert aus: "Gefahr erkannt - Gefahr gebannt!" und beginnen hoffnugsfroh den Akkordaufbau, aber -
Die einen sagen:
Durdreiklang: Grundton - große Terz - kleine Terz
Molldreiklang: Grundton - kleine Terz - große Terz
Dur: 4 - 3 (in Halbtonschritten)
Moll: 3 - 4.
Die anderen sagen:
Durdreiklang: Grundton - große Terz + reine Quinte
Molldreiklang: Grundton - kleine Terz + reine Quinte
Dur: 4 - 7 (in Halbtonschritten)
Moll: 3 - 7.
Links: Auf dem Grundton steht die Terz, auf der Terz ist die Quinte (als weitere Terz) aufgebaut. Man muss sich merken, dass bei Dur und Moll unterschiedlich große Terzen oben und unten verteilt sind.
Rechts: Auf dem Grundton stehen Terz und Quinte. Bei Dur ist die Terz groß, bei Moll klein. Die Quinte bleibt rein.
Exkurs 2:
Ich behaupte, dass die Methode im blauen Kasten links eine Vereinfachung ist, die den handwerklichen Regeln der Musiklehre nicht entspricht, und überdies eine ordentliche Fehlerquelle!
Es gibt im Handwerk den Begriff "nach den Regeln der Kunst", der besagt, dass eine Arbeit nach den Regeln eben dieser Handwerkskunst angefertigt wurde.
Für mich entspricht die Behauptung, der obere Dreiklangston sei auf dem mittleren aufgebaut, nicht den Regeln des Musiklehre - Handwerks. Ein Dreiklang hat einen Grundton, und über dem liegen eine Terz und eine Quinte.
Wenn man sagt, dass unterschiedliche Dreiklänge aus unterschiedlichen Terzen geschichtet sind wie Hamburger, muss man die Schichtungsstruktur für jeden Akkord auswendig lernen ("4-3; 3-4") statt einen bestimmten Begriff mit einer bestimmten Struktur zu verbinden und die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten zu wissen.
Aus "gewussten Strukturen" kann man Dinge ableiten: Septakkorde, Septnonakkorde und schlimmere Ungeheuer haben alle eine Grundlage, die hoffentlich leichter zu merken ist, als endlose Sequenzen wie "4-3-3-4" oder "3-4-3-4"!
Der Begriff "nach den Regeln der Kunst" ist mir durchaus wichtig. Er besagt, dass ein Werkstück zwar oberflächlich betrachtet gut gemacht und richtig aussehen kann, dass sich unter den Augen eines Meisters des Faches aber optische und funktionale Mängel zeigen können, die dem nicht kompetenten Betrachter entgehen. Diese Sichtweise fordert einen gewissen Respekt der Handwerkskunst gegenüber ein, und legt nahe, dass man besser mit einer bestimmten Wissens - Grundlage arbeitet.
Warum diese Vereinfachung gelehrt wird, oder zumindest das ist, was bei Schülern im Gedächtnis bleibt, ist mir nicht ganz klar. Meiner Ansicht ist die Musiklehre im Vergleich zu anderen Wissenschaften wie Physik oder Chemie einfacher zu verstehen. Man braucht aber sehr viel Aufmerksamkeit für die "eingebauten Ungerechtigkeiten" wie natürliche Halbtonschritte und für strukturelle Unterschiede zwischen augenscheinlich ähnlichen Dingen.
Möglicherweise stehen Themenbereiche der Musiktheorie so früh auf dem Lehrplan, dass ein Großteil der Schüler relativ deutlich scheitert, sodass nach Möglichkeiten gesucht wird, die Sache zu vereinfachen. Man muss ziemlich genau aufpassen, wenn man die Vertracktheiten des Intervallaufbaus verstehen will, und wer mit Kindern aller Altersstufen arbeitet ahnt vielleicht, dass diese Art "handwerklicher Genauigkeit" erst ab einem gewissen Alter vorausgesetzt werden kann. Musiklehre ist etwas ziemlich Abstraktes - man stellt ja nicht wie im Werkunterricht Gegenstände her. Und wer musikalisch nicht sonderlich begabt ist, könnte auch weniger motiviert sein, Dinge zu lernen die im täglichen Leben von Nichtmusikern keine große Bedeutung haben.
Zurück zum Thema!
Die Fehlerquellen der "Methode des Terzenstapelns" sind also:
Man kann sich wieder verzählen, man kann vergessen, ob man den Ausgangspunkt mitzählt oder nicht, aber vor allem ist die Faustregel "Dur: 4 - 3; Moll: 3 - 4" nicht sinnerfüllt, d.h. sie läßt sich schwer mit etwas verknüpfen und wird daher leicht vergessen. Oder im Stress wird schlicht beides verwechselt.
Aber selbstverständlich kann man, wenn man immer alles richtig macht, mit dem "Terzenstapeln" auch immer zu richtigen Ergebnissen kommen...
Die Vorteile des Aufbaus mit Terz und Quinte sind:
Wenn man sich merkt, dass ein Durakkord den Aufbau "Grundton - große Terz - reine Quinte" hat, der Mollakkord hingeben den Aufbau "Grundton - kleine Terz - reine Quinte", kann man daraus sinnvolle Zusammenhänge ableiten:
1. Gleichnamige Akkorde (C-Dur und C-Moll) haben die gleiche Quinte als "Rahmenintervall".
2. Die große Terz gehört zum Tongeschlecht Dur (auch die Durtonleiter hat eine große Terz!), die kleine zu Moll.
(3. Verminderte Dreiklänge kann man von Mollakkorden ableiten, indem man die Quinte um einen Halbton erniedrigt.)
(4. Übermäßige Dreiklänge leitet man aus Durakkorden ab, und erhöht dazu die Quinte um einen Halbton.)
Das stiftet also Sinn, und etwas Sinnvolles kann man sich merken, wobei die deutsche Sprache hier keine große Hilfe ist. Trotzdem kann man mit diesem Wissen etwas anders an die Sache herangehen: Man braucht nicht mehr zu zittern: "Uh, ich muss einen B-Moll-Akkord konstruieren, das wird sicher grässlich schwierig, weil der so viele bs haben wird!" - man sagt sich statt dessen "Ich konstruiere mal einen B-Dur-Akkord, und erniedrige dann die Terz um einen Halbton, dann habe ich B-Moll. Grundton und Quinte sind ja gleich!".
Natürlich kann man sich beim Aufbau von Akkorden nach dieser Methode genauso verzählen oder vergessen, den Ausgangston mitzuzählen oder eben nicht - vor Flüchtigkeitsfehlern ist man nie gefeit, aber mit den "Regeln der Kunst" zu arbeiten bedeutet ja, dass man versucht, eine gewisse Meisterschaft zu erlangen. Dafür gibt es Grundbedingungen, wie das korrekte Abzählen von Intervallen und vielleicht das auswendig Wissen bestimmter Sachen, die man immer wieder braucht.
Wenn man etwas in der Musiklehre immer wieder braucht, ist es die Quinte. Die Quinte wird auf vielen meiner Seiten gefeiert als grundlegendes, physikalisch wichtiges, Zusammenhänge stiftendes Intervall - Quinten sollte man spontan wissen!
Also üben wir mal Quinten nennen, denn Übung macht den Meister!
1: c
2: d
3: e
4: f
5: g
1: d
2: e
3: f
4: g
5: a
1: e
2: f
3: g
4: a
5: h
1: f
2: g
3: a
4: h
5: c
1: g
2: a
3: h
4: c
5: d
1: a
2: h
3: c
4: d
5: e
1: h
2: c
3: d
4: e
5: fis!!!
1: cis
2: dis
3: eis
4: fis
5: gis
Das ist ja so banal, aber es ist genau das, was den Leuten fehlt: etwas Grundlegendes sicher fehlerfrei aufsagen zu können! Und man übe das bitte laut und mit den Fingern zählend, denn eine körperliche Aktion (laut aufsagen ist sehr viel körperlicher als im Kopf denken) wird anders wahrgenommen und gespeichert!
Nachdem wir die Quinten geübt haben, schauen wir uns ein paar (komplizierte) Beispiele an, um unser Wissen zu erproben. Eigentlich habe ich mit den letzten Absätzen schon die Grenze zum folgenden Kapitel, dem Dreiklangsaufbau mit der Stammtonreihe, massiv überschritten, aber egal: wir tun mal so, als würden wir nur die Intervalle benutzen, also jede Terz und jede Quinte brav abzählen!
Gesucht wird ein Gis-Moll-Dreiklang.
Die Terz über gis muss gis (1) - a (2) - h (3) sein. Ich brauche eine kleine Terz, also zähle ich:
Von gis nach a (1), von a nach ais (2), von ais nach h (3) - nach 3 Halbtonschritten lande ich tatsächlich bei h.
Die Quinte über gis muss etwas mit d zu tun haben. Um ehrlich zu sein, weiß ich schon, dass es dis sein wird, weil ich Quinten geübt habe, aber wir wollen dem nächsten Kapitel nicht vorgreifen. Also zählen wir brav:
Von gis nach a (1), von a nach ais (2), von ais nach h (3), Von h nach c (4), von c nach cis (5), von cis nach d (6), und von d nach dis (7) - wie erwartet lande ich nach sieben Halbtonschritten bei dis als Quinte. Mein Gis-Moll-Dreiklang heißt also gis - h - dis.
In der Grafik oben rechts habe ich unter die zu denkenden Zwischentöne die Intervall-Abzähl-Ziffern geschrieben, oben für die kleine Terz, und unten für die reine Quinte. Unter dem Grundton steht "Start" weil ich nicht vergessen darf, den Ausgangspunkt nicht mitzuzählen.
Ach, es ist so mühselig und unübersichtlich, das alles aufzuschreiben! Fast so schlimm, wie es auszurechnen! Noch ein kleines Beispielchen - konstruieren wir Fes-Moll:
Das ist nun wirklich bösartig, Fes-Moll! Das ist doch dasselbe wie E-Moll! Egal, wir machen das mal, und sei es, um zu beweisen, dass das System funktioniert.
Die Terz über fes...
(Name / richtiger Zielton)
1: fes
2: g
3: a
muss etwas mit a zu tun haben.
Die kleine Terz...
(genaue Größe des Intervalls)
1: von fes nach f
2: von f nach ges
3: von ges nach ases!!!
...muss ases heißen. Das ist enharmonisch verwechselt g, aber das wäre keine Terz!
Die Quinte über fes...
1: von fes nach f
2: von f nach ges
3: von ges nach g
4: von g nach as
5: von as nach a
6: von a nach b
7: von b nach ces!!!
Der Fes-Moll-Dreiklang heißt also fes - ases - ces. Das war zwar anstrengend, aber erfolgreich. Wie schön wäre es, wenn man ein einfaches Rezept... nein, das gibt es nicht. Ich halte den Dreiklangsaufbau mit der Stammtonleiter zwar für einfacher, aber er beruht ebenso auf Wissen, und auch dabei muss man die ganze Zeit hell wach sein!
Dreiklänge aufbauen mit der Stammtonreihe Home Musiklehre Stichworte oben
Dass ich es falsch finde, den oberen Ton des Dreiklangs als weitere Terz über der Terz zu konstruieren, weil die beiden oberen Töne eines Dreiklangs auf dem Grundton basieren (und nicht der dritte auf dem zweiten), habe ich mehrfach geschrieben und im vorigen Kapitel streitsüchtig begründet. Diese Methode ist eine tolle Fehlerquelle, und sie verschleiert die Gemeinsamkeiten der Tongeschlechter Dur und Moll.
Natürlich kann man von jedem Ton sieben Halbtonschritte aufwärts zählen, um die Quinte zu finden, aber das ist umständlich! Und auch hier macht man leicht Fehler, denn sieben Halbtonschritte über dis liegt nun mal ais oder b, und was braucht man doch gerade für den Dis-Dur-Dreiklang? Bestimmt b, denn ais ist doch etwas ganz Seltenes? - Selbstverständlich braucht man ein ais, denn dis - b ist keine Quinte, sondern eine Sexte!
Hier möchte ich versuchen, einen praxisnahen Weg aufzuzeigen, der darauf beruht, dass man sich mit den Stammtönen auskennt.

Jede Quinte, die einen der natürlichen Halbtonschritte enthält, ist rein. Untersuchen wir also die Quinten:
Die Quinte
c - g
d - a
e - h
f - c
g - d
a - e
h - f
cis - gis
ces - ges
enthält den Halbtonschritt
e - f
e - f
e - f
h - c
h - c
h - c
h - c und e - f
e - f
e - f
und ist deshalb
eine reine Quinte.
eine reine Quinte.
eine reine Quinte.
eine reine Quinte.
eine reine Quinte.
eine reine Quinte.
eine verminderte Quinte! Dur- und Molldreiklänge auf h haben die Quinte fis!
und funktioniert genauso wie die Quinte c - g.
und funktioniert genauso wie die Quinte c - g.
Das Ganze ist eigentlich recht unspektakulär: jede Quinte enthält entweder den natürlichen Halbtonschritt e - f oder h - c zwischen den beiden Tönen. Sie bestehen alle aus 3 Ganztonschritten und einem Halbtonschritt oder sieben Halbtonschritten.
Nur die Quinte h - f ist etwas Besonderes, sie enthält nämlich beide natürlichen Halbtonschritte, ist also zu klein, man nennt sie "vermindert". Dur- und Mollakkorde auf h müssen als oberen Ton ein fis haben, weil die reine Quinte über h fis heißt!
2. Wenn c - g eine reine Quinte ist, dann muss die reine Quinte über cis gis heißen, und die über ces heißt ges. Wenn du Intervalle auf alterierten (durch # oder b veränderten) Tönen auf diese Weise ableitest, kannst du zwei Hauptfehler vermeiden: einmal den des schlichten Verzählens (7 Halbtonschritte über dis war doch a, oder?) und dann den der enharmonischen Verwechslung (die Quinte über dis ist doch b, oder? Nein, dis - b ist und bleibt eine Sexte!).
3. Wenden wir uns der Frage "Dur oder Moll?" zu: jede Terz der Stammtonreihe ist groß oder klein. Die Terzen, die keinen der natürlichen Halbtonschritte enthalten, sind groß: c - e, f - a und g - h. Die Terzen, die einen der Halbtonschritte enthalten, sind die kleinen Exemplare: d - f, e - g, a - c und h - d. Es gibt also zwischen den Stammtönen drei große und vier kleine Terzen. Das ist lernbar! Vergleiche wieder die Tabelle mit der Stammtonreihe!

Die Terz
c - e
d - f
e - g
f - a
g - h
a - c
h - d
cis - eis
ces - es
enthält den Halbtonschritt
keinen
e - f
e - f
keinen
keinen
h - c
h - c
keinen
keinen
und ist deshalb
eine große Terz.
eine kleine Terz.
eine kleine Terz.
eine große Terz.
eine große Terz.
eine kleine Terz.
eine kleine Terz.
und funktioniert genauso wie die Terz c - e, ist also eine große Terz.
und funktioniert genauso wie die Terz c - e, ist also eine große Terz.
4. Benutze das Ableiten auch für sicheres Erkennen komplizierterer Abstände: Wenn d - f eine kleine Terz ist, dann muss die kleine Terz über dis fis sein. Brauchst du eine große Terz über d, dann muss das f zum fis erhöht werden.
Oder allgemeiner ausgedrückt: Wenn du die große Terz c - e enger machst, indem du entweder das c zum cis erhöhst, oder das e zum es erniedrigst, bekommst du eine kleine Terz. Machst du das Intervall d - f weiter, indem du das d zum des erniedrigst, oder das f zum fis erhöhst, wird aus der kleinen Terz ein große.
5. Beispiele: Du brauchst einen C - Dur - Akkord? Einfach! c - g ist eine reine Quinte, c - e ist eine große Terz... Antwort: c - e - g!
Ein C-Moll-Dreiklang ist gefragt? Auch einfach! c - g ist immer noch eine reine Quinte, das e muss zum es erniedrigt werden, damit du eine kleine Terz erhälst... Antwort: c - es - g.
Beachte, dass beim Verändern der Terz der Stammtonname erhalten bleibt! Wenn du aus dem e ein dis machst, hast du gar keine Terz mehr, sondern eine übermäßige Sekunde!

Aber Ces-Moll ist doch bestimmt schwierig zu konstruieren?! Hier kommt das Prinzip des Ableitens zum Einsatz. Vom C-Dur-Dreiklang leitest du C-Moll ab, und dann folgt: wenn man das c von C-Moll zum ces erniedrigt, müssen die anderen beiden Töne auch ein b bekommen: ces - eses - ges.
Natürlich darfst du keinen Allergieschock wegen des eses erleiden. "Das ist doch dasselbe wie ein d, da kommt man doch durcheinander", sagen alle, aber - wenn du den Akkord in Noten aufschreibst, und statt des eses ein d malst, erkennst du hoffentlich: so sieht der Dreiklang gar nicht mehr wie ein Dreiklang aus!

Wenn F-Dur f - a - c heißt, muss Fis-Dur fis - ais - cis sein. F-Moll und Fis-Moll sind f - as - c und fis - a - cis.

H-Dur ist etwas spezieller: du brauchst die reine Quinte h - fis, und da die Terz h - d klein ist, muss auch das d erhöht werden, der Dreiklang heisst also h - dis - fis.
6. Beispiele als Übersicht:
gesucht:
C - Dur
C - Moll
Ces - Moll
F - Dur
F - Moll
Fis - Dur
Fis - Moll
H - Dur
B - Dur
überlegt:
c - g: reine Quinte, c - e: große Terz
c - g: reine Quinte; e muss zu es erniedrigt werden. Kleine Terz: c - es
Wie C-Moll, alle Töne werden um einen Halbton erniedrigt.
f - c: reine Quinte; f - a: große Terz
Die Quinte bleibt f - c wie bei F-Dur; das a wird zur kleinen Terz as erniedrigt.
Wie F-Dur, aber alle Töne werden um einen Halbton erhöht.
Wie F-Moll, aber alle Töne werden um einen Halbton erhöht.
h - fis (nicht f!) ist die reine Quinte; h - dis die große Terz.
b - f: reine Quinte, b - d: große Terz. Alles ein Halbton tiefer als H-Dur.
gefunden:
c - e - g
c - es - g
ces - eses - ges
f - a - c
f - as - c
fis - ais - cis
fis - a - cis
h - dis - fis
b - d - f
7. Zusammenfassung des "Praxisrezeptes": erst die Quinte wissen, da beide Tongeschlechter, Dur und Moll, eine reine Quinte als Rahmenintervall haben, und dann die Terz auf den Grundton. Einfach mit der Stammtonreihe operieren, bekannte Dreiklänge zum Ableiten benutzen und fertig.
P.S.: Mit "Quinte wissen" meine ich: WISSEN! Wenn du dich ernsthaft mit Musik beschäftigst, der Quintenzirkel dein Freund ist, Akkorde dein täglich Brot als Klavierspieler oder Gitarrist sind, deine Klarinette in die Duodezime überbläst, du deine Bratsche in Quinten stimmst und dich von keiner Dominante dominieren lässt, dann solltest du die Dinger auswendig können. Das ist wie das "Seepferdchen" beim Schwimmen! Man kann natürlich immer etwas Grundlegendes vor sich her schieben, aber...
Übung 1: Schreibe folgende Dreiklänge:
d - D - Des - F - fis - g - gis - B - b - es - E
cis - A - as - ais - Gis - As - Cis - e - f - G - H. Zur Lösung
8. Nachbemerkungen: Ein Ces-Moll-Akkord ist natürlich etwas weltfremd. Er wäre die Tonikaparallele in Eses Dur, einer Tonart mit zehn bs als Vorzeichen - so etwas nutzt man nicht im Ernst. Er dient als Beispiel dafür, dass das System immer funktioniert, und dass man es verstehen kann.
Andererseits... wenn ich in G-Dur eine Mollsubdominante habe (Doch, das klingt enorm hübsch! Aguilera, "the voice within"...), ist das der C-Moll-Dreiklang. Die Mollsubdominante von Ges-Dur ( nur sechs bs als Vorzeichen) wäre ein ...Ces-Moll-Akkord! So undenkbar ist er also doch nicht!
Popmusiker oder jedenfalls die Herausgeber solcher Noten würden hier allerdings gnadenlos H-Moll schreiben. Das verunklart zwar alles, ist aber letztlich lesbar. Mir macht es allerdings Magenschmerzen, in einer "reinen Kreuz-Umgebung" immer ein oder zwei Akkorde enharmonisch verwechselt mit bs geschrieben zu sehen. Bei im Internet publizierten Songtexten mit Akkorden ist das unheimlich verbreitet.
9. Zweite Nachbemerkung: Ist noch unklar, dass man verminderte und übermäßige Dreiklänge genauso erarbeiten kann? Septakkorde und schlimmere Dinge gehen sowieso fast von alleine, wenn man mit normalen Dreiklängen genug Übung hat. Hier gibt es ein entsprechendes Kapitel zum Finden von Intervallen mit Hilfe der Stammtonreihe...
Dreiklänge aufbauen mit der gleichnamigen Tonleiter Home Musiklehre Stichworte oben
Mit der Stammtonreihe kann man sich also beim Aufbau der Dur- und Mollakkorde helfen. Wer aber schon über solide Kenntnisse bei den Dur- und Molltonleitern verfügt, kann auch mit deren Unterstützung leicht zu richtigen Ergebnissen kommen.
Jede Tonleiter hat einen Grundton, und auf diesem steht die Tonika der Tonart. Wenn es eine Durtonart ist, ist die Tonika ein Durakkord, bei Moll eben ein Molldreiklang. Es gibt zu jeder Tonleiter einen gleichnamigen Dreiklang und umgekehrt.
Zu den "soliden Kenntnissen" über den Tonleiteraufbau gehört natürlich, dass man stante pede die Vorzeichen jeder Skala nennen kann! E-Dur hat als Vorzeichen fis, cis, gis, dis, E-Moll braucht ein Kreuz, nämlich fis, Es-Dur sollte b, es, as hinter dem Notenschlüssel stehen haben, und Es-Moll als Paralleltonart von Ges-Dur b, es, as, des, ges, ces.
Indem man den ersten, dritten und fünften Ton jeder Tonleiter nennt, folgert man messerscharf, dass der E-Dur Dreiklang e - gis - h heißt, E-Moll e - g - h, Es-Dur aus den Tönen es - g - b besteht und Es-Moll aus es - ges - b.
Jetzt hat aber E-Dur doch vier Kreuze, und man braucht für den Dreiklang davon nur eines... Ja, so ist das Leben!
Die anderen Kreuze betreffen Tonleiterstufen, die nicht zur Tonika gehören. Das cis braucht man zum Beispiel als Terz der Subdominante, und das letzte Kreuz, das dis, ist der Leitton der Tonart und damit die Terz der Dominante. Darüber gibt es ein eigenes Kapitel. Bei Es-Moll braucht man für jeden Dreiklangston eines der Vorzeichen, hier findet also keine "Verschwendung" statt!
Trotzdem nochmal im Klartext: Wenn ich weiß, dass F-Moll die Paralleltonart von As-Dur ist, und damit die Vorzeichen b, es, as, des hat, und wenn ich mir dann vorstellen kann, dass die reine Molltonleiter auf f so aussieht: f - g - as - b - c - des - es - f, dann kann ich mir auch vorstellen, dass der F-Moll-Dreiklang aus den Tönen f - as - c besteht und fertig.
Daraus kann man nun wiederum getrost folgern: Je mehr man über "Musiktheorie" weiß, desto mehr wachsen die Bereiche zusammen und desto einfacher wird alles!
Dreiklänge spielen und singen Home Musiklehre Stichworte oben
Nachdem du Dur- und Molldreiklänge jetzt aufbauen kannst, solltest du sie unbedingt auf einem anschaulichen Instrument spielen! Auf einer Klaviertastatur oder dem Griffbrett eines Saiteninstrumentes, z. B. einer Gitarre, die ja Bünde hat, kann man die Unterschiede zwischen Dur und Moll sehr gut sehen. Auf Flöte, Saxofon oder Posaune ist der Unterschied zwar hörbar, aber nicht mit den Augen zu erkennen.


Links siehst du C-Dur, rechts C-Moll auf der Klaviertastatur. Die Far- ben sind wie im vorigen Abschnitt vergeben:
Grundton: schwarz, große Terz: rot, kleine Terz: lila, (reine) Quinte: blau.
Während Grundton und Quinte gleich bleiben, ist die große Terz im linken Bild eine Taste weiter vom Grundton entfernt als die kleine Terz im rechten Bild.


Oben links siehst du C-Dur auf einer Gitarrensaite. Der Grundton ist im 1. Bund, die Quinte im achten (Das macht sieben Halbtonschritte). Die große Terz greift man im 5. Bund, vier Halbtonschritte vom 1. Bund entfernt.
Unten links ist der C-Moll Dreiklang auf einer Saite zu sehen. Die kleine Terz ist im 4. Bund, also drei Halbton- schritte vom 1. Bund entfernt; Grundton und Quinte blei- ben gleich!
Oben rechts: der C-Dur Dreiklang auf drei Saiten. Hier ist nur noch für Fachleute zu verstehen, warum welcher Ton wo ist. Allerdings sieht man im Vergleich zum Bild unten rechts gut, dass die große Terz einen Bund höher als die kleine Terz gegriffen wird, also im fünften statt im vierten Bund. Grundton und Quinte befinden sich wieder am gleichen Platz!


Die Beschreibung "einen Bund höher gegriffen" klingt vielleicht zunächst einmal komisch, befindet sich doch der Finger beim Greifen des es offensichtlich weiter vom Erdboden entfernt als beim e. Mit "höher" meint man die Ordnungszahl des Bundes. "5. Bund" ist höher als "4. Bund", und wenn jemand auf der E-Gitarre oberhalb des zwölften Bundes herumturnt, befindet er sich definitiv in den oberen Lagen!
Musiktheorie ist eine feine Sache, aber - probiere die Dinge auch in der Praxis aus! Dreiklänge spielen ist ja schon gut, aber du solltest unbedingt probieren, Dur- und Molldreiklänge zu singen!
Spiele den Grundton in angenehmer Höhe, und singe die ersten drei Töne von "Alle Vögel sind schon da", "A, a, a, der Winter, der ist da", "Dat du mien Leevsten büst" oder "Wachet auf, es krähte der Hahn" - alles Lieder, die mit einem Durdreiklang aufwärts beginnen.
Um den Durdreiklang abwärts zu treffen, hilft vielleicht die amerikanische Nationalhymne, oder der Caffee-Kanon. Du beginnst dann natürlich mit der Quinte!
Unter diesen Links findest du Notenbeispiele für Intervalle aufwärts und abwärts.
Beispiele für Molldreiklänge habe ich nicht wirklich parat; ich singe einfach einen Molldreiklang... das Thema des "Musikalischen Opfer" von J.S. Bach beginnt mit einem Molldreiklang; für Moll abwärts stelle ich mir die amerikanische Nationalhymne als Trauermarsch vor.
Solche Versuche, etwas zu singen, was man bisher kaum theoretisch verstanden hatte, sind ein großer Schritt in die richtige Richtung. Der nächste Schritt wäre, sich generell mit Gehörbildung zu beschäftigen, also Dur- und Molldreiklänge zu unterscheiden, die Umkehrung zu bestimmen, und dabei die Töne wahlweise gleichzeitig oder nacheinander zu hören.