Ulrich Meyer, Gitarre


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Neben dem Dominantseptakkord und dem Molldreiklang mit kleiner Septime gibt es noch andere Septakkorde, die ich hier vorstellen möchte. Ich beginne mit dem größten, um dann zu den Vertretern mit den kleineren Intervallen fortzuschreiten. Keine Angst, es gibt noch mehr; ich beschränke mich hier auf die Exemplare, die in den Tonleitertypen Dur und harmonisch Moll entstehen. Als Beispieltonarten dienen C-Dur und A-Moll. Ich habe mir wieder den Spaß erlaubt, die Noten einzufärben: Die Grundtöne sind schwarz, kleine Terzen lila, große Terzen rot, reine Quinten blau, verminderte Quinten haben dieses Blau, die übermäßige Quinte ist violettstichig, die großen Septimen sind hellgrün, die kleine Septimen dunkelgrün, und die verminderte Septime depressivgrün. Hoffentlich sind mir keine Fehler unterlaufen!

Septakkorde

Der übermäßige Septakkord, also der übermäßige Dreiklang mit großer Septime, steht auf der 3. Stufe der harmonischen Molltonleiter. Man findet ihn an gleicher Stelle in der melodischen Molltonleiter. Anhören: (Die Klangbeispiele stehen alle auf C, damit man sie besser vergleichen kann.)

Der große Septakkord, der Durakkord mit großer Septime, steht in Dur auf den Stufen I und IV (VIII entspricht der 1. Stufe), in harmonisch Moll nur auf der 6. Stufe. Anhören:

Der Dominantseptakkord, Durdreiklang mit kleiner Septe, steht in Dur und harmonisch Moll auf der fünften Stufe. Dass dieses harmonische Gebilde in harmonisch Moll auf dieser Stufe steht, sorgt für die Existenz und den Namen dieser Skala. Anhören:

Der Molldreiklang mit großer Septime steht in harmonisch Moll auf der 1. Stufe. Anhören:

Der kleine Septakkord, Molldreiklang mit kleiner Septime, findet sich in Dur auf den Stufen II, III und VI. Das Exemplar auf der 2. Stufe ist eine Umkehrung der Subdominante mit sixte ajoutée, was manchmal für Schwierigkeiten bei der Interpretation sorgt.
In harmonisch Moll steht er nur auf der vierten Stufe, im reinen Moll käme er auf den Stufen I, IV und V vor. Anhören:

Der halbverminderte Septakkord, der verminderte Dreiklang mit kleiner Septe, steht in Dur auf der 7. Stufe; in harmonisch Moll auf der zweiten. Zumindest in Dur kann man diesen Vierklang interpretieren als Dominantseptnonakkord ohne Grundton. In C-Dur wäre der Grundton das g; der vollständige Akkord hieße dann g - h - d - f - a. Anhören:

Der verminderte Septakkord, der verminderte Dreiklang mit verminderter Septime, kommt in Dur so nicht vor, aber in der harmonischen Molltonleiter entsteht er auf der 7. Stufe zwischen gis und f. Er besteht ausschließlich aus kleinen Terzen (gis - h - d - f), und würde man auf dem f eine weitere kleine Terz aufbauen, wäre das ein as, also enharmonisch verwechselt wieder gis, der Ausgangspunkt. Ein symmetrisch aufgebautes Gebilde, dass man in harmonisch Moll als Dominantseptnonakkord mit kleiner None (D7b9) ohne Grundton auffassen kann: Der Fünfklang hieße komplett e - gis - h - d - f. Siehe auch nächster Abschnitt. Anhören:

Man kann natürlich das Vorkommen und die funktionale Bedeutung dieser Akkorde in allen denkbaren Skalen untersuchen. Damit, dass der übermäßige Septakkord in harmonisch Moll auf der dritten Stufe steht, ist ja noch nicht gesagt, wie man ihn hört oder aufzufassen hat. Immerhin ist hoffentlich klar: diese Akkorde sind keine reinen Konstrukte, sondern stehen in Wechselwirkung mit Skalen.


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Grundtöne zum verminderten Septakkord

Der verminderte Septakkord gis - h - d - f besteht aus drei kleinen Terzen, ist also total symmetrisch aufgebaut. Man kann jeden der vier Töne als Terz eines Dominant- septnonakkordes mit kleiner None ohne Grundton auffassen. Dieser Vierklang entsteht leitereigen auf der siebten Stufe der harmonischen Molltonleiter. Es gibt also vier potenzielle Grundtöne, die als Quinte unter der Terz bzw. als große Terz unter dem tiefsten Ton zu konstruieren sind.

Der Grundton zu 1.) gis - h - d - f ist das e (als Rhombus gedruckt),
unter 2.) h - d - f - as gehört g als Grundton.
Nimmt man 3.) das d als Terz, ist es eine Dominante auf b, und schließlich kann
4.) der Akkord f - as - ces - eses kann mit des als Grundton, oder enharmonisch verwechselt eis - gis - h - d mit cis als Grundton interpretiert werden. (Man kann natürlich auch bei den drei anderen den Grundton verwechselt als fes, ases und ais lesen, aber das ergibt dann recht vorzeichengetränkte Akkorde!)

Die Auflösung wäre primär natürlich die zur entsprechenden Molltonika wie in der folgenden Grafik, aber man kann natürlich gis - h - d - f auch in einen A-Dur-Akkord auflösen. Da der verminderte Septakkord so einfach umzudeuten ist, kann man von ihm aus schnell in eine andere Tonart modulieren.
Um Quintparallelen zu vermeiden, habe ich die Septakkorde nie mit der Septime oberhalb der Terz gesetzt.

Auflösung verminderter Septakkord

Übung: Erweiterte Kadenzen Home Musiklehre Stichworte oben

Übung 11a: Die erweiterten Kadenzen in C - Dur kannst du erst mal auf der Gitarre durchspielen und dann in den angezeigten Tonarten aufschreiben und spielen. Selbstverständlich kann man die Noten auch im Violin/Bassschlüsselsystem aufschreiben und auf einem Tasteninstrument spielen.

Der Dominantseptakkord ist in der ersten Akkordfolge unvollständig (die Quinte fehlt) und löst sich in eine vollständige Tonika auf: der Grundton im Bass geht zum Grundton, die Septime im Tenor wird zur Terz der Tonika geführt, der Grundton im Alt bleibt liegen und wird zur Quinte des Zielklanges, und der Leitton im Sopran wird selbstverständlich in den Grundton aufgelöst.
Die Subdominantparallele in Takt 2 ist im Beispiel besonders unspielbar auf der Gitarre; das ist in anderen Tonarten anders.

Im zweiten Beispiel ist es zunächst umgekehrt: die vollständige Zwischendominante (D7) löst sich in einen vierstimmigen Akkord ohne Quinte auf (die Dominante G). Der Grundton im Bass geht wieder zum Grundton, die Quinte im Tenor geht abwärts zum Grundton, die Septime (Gegenleitton) im Alt wird nach unten in die Terz des Zielklanges geführt, und weil der Leitton fis nach oben in den Grundton aufgelöst werden muss fehlt dem G-dur-Akkord die Quinte d. Darauf folgt noch einmal der unvollständige Dominantseptakkord, der sich in die vollständige Tonika auflöst. Zur Lösung

Aufgabe schreiben und spielen

Übung 11b: Die folgenden Kadenzen in A-Moll und E-Moll sind genauso gedacht wie die vorigen: erst spielen, dann schreiben, dann auf Zur Lösung klicken!

Besonderheiten: In der A-Moll-Kadenz ist die erste Zwischendominante ein vollständiger Dominantseptakkord, der sich entsprechend in einen unvollständigen Zielklang auflöst. Die zweite ist unvollständig, also gibt es eine tP mit Quinte.

In der zweiten Akkordfolge steht am Anfang des zweiten Taktes wieder ein vollständiger D7 als Zwischendominante. Hier habe ich vollständig aufgelöst, indem der Leitton im Alt zur Quinte des Zielklanges "abspringt" - in Mittelstimmen eine gängige Praxis.

Aufgabe schreiben und spielen 2

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