Parallele und Gegenklang << Seite
Das Konzept mit den Hauptfunktionen und ihren Parallelen ist noch zu erweitern um den Begriff "Gegenklang".
Die Parallele eines Dreiklanges steht in Dur immer auf der kleinen Terz unterhalb des Dreiklanges, in Moll auf der kleinen Terz oberhalb des Dreiklanges. Der Parallele in der Tonleiter gegenüber liegt der Gegenklang! Eine leitereigene Terz unter C findet sich das A, der Grundton der Parallele a-c-e. Gegenüber, also eine leitereigene Terz über C findet sich das E, Grundton des Gegenklanges e-g-h. Die Parallele ist immer eine kleine Terz entfernt, der Gegenklang hingegen eine große Terz. Das Ganze funktioniert genauso in Moll; hier ist die Parallele eine kleine Terz über dem Bezugsklang, der Gegenklang eine große Terz unter dem Bezugsklang zu finden.

Die Grafik für die Funktionen Dominante und Subdominante sähe entsprechend aus.
Wozu braucht man den Begriff, sorgt er nicht nur für Verwirrung? Wir hatten doch gesagt, der A-Moll-Dreiklang sei in C-Dur als Tonikaparallele (Tp) zu bezeichnen, aber offensichtlich kann man ihn auch Subdominantgegenklang (Sg) nennen! Wann nennt man ihn wie?
Das klassische Beispiel für die korrekte Bezeichnung eines Dreiklanges als Gegenklang ist eine Trugschlusskadenz. Hier folgt auf die Dominante anders als in der "normalen" Kadenz nicht die Tonika, sondern jeweils der Klang, der eine Stufe über der Dominante steht. Das ist in Dur die Tonikaparallele, in Moll der Tonikagegenklang. Im Notenbeispiel unten folgt in der Kadenz in C - Dur auf die Dominate G-Dur ein A-Moll-Akkord. Da er an Stelle der Tonika kommt, heißt er Tonikaparallele (nicht Subdominantgegenklang), und die Kadenz ist ein Trugschluss. In der A-Moll-Kadenz folgt auf die Dominante E-Dur F-Dur. Da F-Dur an Stelle der Tonika steht, bezeichnet man den Dreiklang als Tonikagegenklang, nicht als Subdominantparallele. Allgemein könnte man formulieren: Wenn zum Beispiel F-Dur in A-Moll eher als Vertreter der Tonika zu sehen ist, und nicht subdominantisch, dann bezeichnet man ihn korrekt mit "tG".
Die Stimmführung in den Beispielen erfolgt am Schluss in dieser Form, um Quint- und Oktavparallelen zu vermeiden. Die Terz des Zielklanges (c in C-Dur, a in A-Moll), die dem Grundton der eigentlich erwarteten Tonika entspricht, wird dabei verdoppelt. Anhören der beiden Trugschlüsse:
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Bei komplizierteren Liedern kommen noch einige andere Akkorde zu den direkt zur Tonart gehörenden hinzu. Wenn das Lied moduliert, d.h. vorübergehend in eine andere Tonart ausweicht, wird der Weg dahin gerne mit einer Zwischendominante vorbereitet. Man erkennt sie in der Analyse daran, dass sie eingeklammert und mit einem Bogen mit dem Klang verbunden ist, auf den sie sich bezieht. In C-Dur taucht plötzlich die Note "fis" auf, die ja zu G-Dur gehört, und ihr wird als Harmonie der D-Dur-Dreiklang zugeordnet. Ein Molldreiklang auf "d" ist in C-Dur ja als Subdominantparallele bekannt; der D-Dur-Akkord heißt "Doppeldominante" (es handelt sich um die Dominante der Dominante). Wegen des Bezuges zur Subdominantparallele wird er auch manchmal "Wechseldominante" genannt. Allzu überrascht sollte man auch nicht sein, wenn statt E-Moll plötzlich E-Dur als Zwischendominante zur Tonikaparallele auftaucht...
Unten also die etwas "erweiterte Familie" der Dreiklänge, die mit der Tonika C-Dur in freundlichen verwandtschaftlichen Beziehungen stehen:

Der dritte Akkord, B-Dur, ist in C die doppelte Subdominante. Darauf folgt F-Moll, die Mollsubdominante, zugegeben ein eher seltener Gast, der aber immer als besondere Farbe wahrgenommen wird. Die Doppeldominante D-Dur führt zur Dominante hin - ein häufiges Manöver. Die Zwischendominanten zur Tp und zur Sp schreibt man als "D" in Klammern und einem Bogen zum Bezugsklang. Alle diese Dinge kommen in etwas abwechslungsreicherer Musik vor, und man sollte sie kennen, dann kommt man beim Heraussuchen einer Begleitung eher auf solche Tricks! Eines meiner Lieblingsbeispiele für ungewöhnliche Akkordauswahl / schwierige Tonart- bestimmung ist ein Song von Cat Stevens.
Weiter unten habe ich versucht, über das Finden möglicher und wahrscheinlicher Akkorde zur Liedbegleitung nachzudenken.
Quintenzirkel vertikal und tonales Zentrum Home Musiklehre Stichworte oben
Im unten stehenden Quintenzirkel sind die Akkorde eingerahmt, die in C-Dur am wichtigsten sind. Die eingeklammerten Buchstaben stellen die Akkorde dar, die gerne als Zwischendominanten ins Spiel kommen. Einen solchen Rahmen kannst du dir um jedes tonale Zentrum denken, und schon weißt du, welche Akkorde zur Begleitung eines Stückes wahrscheinlich Verwendung finden. Der Quintenzirkel hat definitiv einen Bezug zur Praxis!
Die Parallelen stehen sich gegenüber. Den Gegenklang eines Durakkordes findest du eine Stelle nach rechts innen, Beispiel: C-Dur und E-Moll) den Gegenklang eines Mollakkordes eine Stelle nach links und außen (Beispiel: A-Moll und F-Dur).
Links siehst du den Quintenzirkel in vertikaler Form. (Eine Idee, die ich bei dem Theorielehrer an der HKM Bremen, Prof. H. J. Feilke kennen lernte.) Suche das "C" in der Mitte. Darunter siehst du ein kleines "a", also die Tp, darunter wiederum "F", die Subdominante. Über dem "C" steht "e", die Dp, und darüber die Domi- nante "G".
Wenn du "C" und die beiden Ak- kordbuchstaben darüber liest, hast du die Töne des C-Dur - Dreiklangs: C - e - G. Bei "c", dem Symbol für C-Moll, findest du "c - Es - g", die Töne dieses Dreiklangs. Das klappt überall!
Wie gefällt dir die folgende Version von "Der Kuckuck und der Esel"?

Übung 6: Schreibe unter die folgende Zeilen die Funktionsbezeichnungen und die tatsächlichen Akkorde! Zur Lösung