Die Kadenz << Seite
Die Kadenz, auf der Seite über Akkorde ausführlicher behandelt, ist ein ganz wichtiger Aufhänger für die Gehörbildung. Oft gespielt und bewußt mit der richtigen Stimmführung wahrgenommen ermöglicht sie dir zu erkennen, welche Stufe einer Tonleiter du hörst. Damit ist sie ebenfalls ein wichtiger Ausgangspunkt für das Blattsingen.
Man kann jeden der drei Töne der Tonika in die Oberstimme legen. Beginnt man mit dem Grundton, spricht man von der Oktavlage, und bei Terz oder Quinte im Diskant jeweils von Terz- bzw. Quintlage. Jede Stimme bewegt sich aber in allen drei Lagen gleich.
Unten steht eine Kadenz in C-Dur, darunter die in C-Moll, jeweils in der Reihenfolge Oktavlage, Terzlage, Quintlage und Oktavlage.
Wenn du dir die Oberstimmen der Kadenzlagen gut eingeprägt hast, kannst du immer schnell heraushören, mit welchem Ton ein Lied anfängt. Außerdem ist dieses Wissen eine wichtige Grundlage für das Blattsingen.
Singe bekannte Lieder auf Stufenziffern (so wie das oben notierte "Der Mai, der Mai..."), schreibe die Stufen auf und vergleiche mit der Wirklichkeit im Liederbuch. Versuche eigene Ideen aufzuschreiben, und probiere hinterher mit dem Instrument aus, ob du innerlich das Richtige gehört hast. Hier findest du eine Reihe Hörexperimente zum Thema Kadenz und Tonleiterstufen.
Was versteht man unter dem absoluten Gehör? Home Musiklehre Stichworte oben
Die Frage beantwortet man, indem man den Wortsinn von "absolut" übersetzt: losgelöst. Losgelöst von äußeren Bezugspunkten kann ein Absoluthörer sagen, welchen Ton er hört, wenn man ihm etwas vorspielt. Man schlägt ein zweigestrichenes a auf dem Klavier an, und der Absoluthörer sagt: das ist ein a''. Der Mensch mit relativem Gehör sagt erst mal gar nichts. Diesem muss man erst einen Ton als Bezug geben. Man spielt also ein c', sagt ihm, dass er gerade ein c' hört, und dann spielt man das a''. Wenn er in der Lage ist, eine große Sexte über eine Oktave zu identifizieren, kann er dann sagen, dass der gefragte Ton ein a'' ist.
Ob es ein großer Vorteil ist, die Begabung des absoluten Gehörs zu haben, sei mal dahingestellt. Leute mit relativem Gehör sind gezwungen zu denken, Absoluthörer wissen einfach. Das führt aber leicht zu Fehlern, wenn sie nicht lernen wie ein "normaler" Lehrling der Musik Sinnzusammenhänge zu erkennen und zu benennen. Die drei Töne es - ges - b wird ein Mensch mit relativem Gehör sicher so benennen, weil er einen Mollakkord erkennt. Ein Absoluthörer wird möglicherweise sagen "ich höre es - fis - b", weil die Note fis geläufiger ist als ges, und weil er die Töne eben absolut erkennt, also der Zusammenhang "Molldreiklang" für ihn zum Erkennen nicht notwendig ist.
Der verminderte Septakkord cis - e - g - b kann auch als cis - e - g - ais benannt werden, aber es gibt Situationen, wo nur die eine oder andere Benennung als richtig gelten kann. Löst der Vierklang sich in d - f - a auf, wäre die Variante mit dem ais einfach falsch, denn die muss sich in h - d - fis - h auflösen (Auflösung in Durdreiklänge ist natürlich möglich). Hier muss ein Absoluthörer genauso wie ein "Normalo" über den Zusammenhang nachdenken, auch wenn er sofort erkannt hat, dass er die Töne des - fes - ases - b hört...