Das Wort "Intervall" bedeutet "Abstand". Vielleicht hast du schon mal den Begriff "Zeitintervall" gehört. In der Musik benutzt man dieses Wort, wenn man Abstände zwischen Tönen untersucht, und zwar von Tönen, die gleichzeitig oder nacheinander erklingen.
Wenn du die Geschichte mit den Intervallen nicht gleich verstehst - das ist sehr normal! Vielen Menschen ist klar, dass gilt: 5 · 4 = 20 und 20 : 4 = 5. Viel schwieriger ist Folgendes zu verstehen:
Anderhalb Tonschritte über c liegt der Ton es, und man nennt das dann eine kleine Terz (kommt zum Beispiel im C-Moll-Akkord vor). Anderthalb Tonschritte über c liegt aber auch der Ton dis, und man nennt das dann eine übermäßige Sekunde (könnte im H7b9 vorkommen...). Es und dis sind nicht dasselbe (aber 20 ist und bleibt 20)!
Um dies zu kapieren, brauchst du viele Zusatzinformationen: Was bedeuten die Worte Tonschritt, Terz, Sekunde, klein, übermäßig...? Es hängt vom harmonischen Zusammenhang ab, welches Intervall vorliegt.
Hätte man dieses Durcheinander nicht vermeiden können? Wenn man die Intervalle einfach nach ihrer Größe in Halbtonschritten benennen würde, also z.B. eine "Vier" und eine "Drei" hätte statt großer und kleiner Terz; bis hin zur "Zwölf" für die Oktave, wäre dann nicht alles einfacher? Wenn es die blöde übermäßige Sekunde gar nicht gäbe?
Offenbar haben die beobachtbare Welt und die Gehirnstruktur ihrer Bewohner aber das bestehende System hervorgebracht. Es muss Vorteile haben, Terzen, so unterschiedlich sie auch sind, von Sekunden und Quarten zu trennen. Der Nachteil, dass noch - nicht - Eingeweihte sich das Verständnis erarbeiten müssen, wird billigend in Kauf genommen. Menschen finden es auch völlig normal, hellblau, dunkelblau, ultramarin- und graublau zu unterscheiden, aber eben durch den Wortteil "blau" zusammenzufassen und von rot oder grün zu trennen.
Folgende Begriffsfelder betreffen die Intervalllehre:
1. die Namen (Prime, Sekunde, Terz... )
2. die Intervallarten rein und groß/klein
3. die grundsätzliche Größe (wird durch den Namen ausgedrückt)
4. die genaue Größe in Halbtonschritten (sagt aus, ob die Terz vermindert, klein, groß oder übermäßig ist)
5. Komplementärintervalle oder Umkehrungen (sind hilfreich)
Diese Dinge sind alle miteinander verwoben und kaum ohne einander zu erklären. Immer, wenn ich diese Seite durchlese, denke ich, dass die Reihenfolge der Erläuterungen falsch ist, dass die Sache anders vielleicht besser zu erklären wäre... Jedenfalls musst du alles durcharbeiten, um es zu verstehen; halbe Sachen sind keine gute Idee.
Ich beginne mit der Erklärung, was grundsätzliche Größe und genaue Größe bedeuten, dann kommen die Namen, die von der grundsätzlichen Größe abgeleitet werden, und dazu direkt einige Übungen. Die Einteilung in die Intervallarten "rein" und "groß/klein", eine Tabelle der Intervallgrößen und die Umkehrungen folgen.
Weiter geht es mit Bemerkungen über Merkwürdigkeiten, und als Bonus ein Versuch, die beliebtesten Fehler im Zusammenhang mit Intervallen vorzustellen - und wie man sie vermeidet. Ein Abschnitt über Intervalle und die Stammtonreihe, sowie einige Übungen beschließen das Kapitel.
Hier gibt es Material zum Singen und Hören der Intervalle.
Eine Bezeichnung, mehrere Größen Home Musiklehre Stichworte oben
Intervalle haben eine grundsätzliche Größe, die mit dem Namen ausgedrückt wird: Eine Quinte heißt ein Abstand von 5 Tönen. Zum Beispiel c - g: du zählst "c, d, e, f, g: fünf". Oder ces - gis: "ces, d, e, f, gis: fünf". Oder auch cis - ges: "cis, d, e, f, ges: wieder fünf."
Es gibt unterschiedlich große Quinten, die trotzdem alle "Quinten" heißen. Natürlich kann eine enorm große Quinte schon mal so groß sein wie eine kleinwüchsige Sexte, aber eine Quinte ist eben eine Quinte, und keine Sexte. Das muss man erst Mal akzeptieren!
Merke: beim Ermitteln eines Intervalls zählt man erstmal nur die Stammtöne und
Merke: beim Abzählen eines Intervallnamens zählt man den Ausgangston mit!
Wenn man auf zwei Instrumenten ein c spielt, nennt man das eine Prime (nach der lateinischen Ordnungszahl für "der Erste" - da zählst du "c, c: eins!"). Wahrscheinlich kam den Entwicklern dieser Begriffe die Idee, das Intervall c -c "Null" zu nennen komisch vor. Der Abstand zwischen c und c beträgt zwar tatsächlich null Halbtonschritte, aber man hört mehr als "Null", nämlich zwei Töne! Ausserdem gibt es auch die Prime c - cis...
Den Abstand von c nach d nennt man eine Sekunde, nach dem lateinischen Wort für "der Zweite" - du zählst c (eins), d (zwei). Durch dieses Abzählen der Tonnamen findet man heraus, welches Intervall überhaupt vorliegt.
Da es aber verschiedene Quinten gibt, muss man zu jedem Intervall noch die genaue Größe in Halbtonschritten kennen. Um sie zu ermitteln, muss man die Halbtonschritte abzählen, die zwischen den Tönen liegen. Hierbei zählt man den ersten Ton nicht mit! Beispiel: c - g: Zähle "von c nach cis: 1, von cis nach d: 2, nach dis: 3, nach e: 4, nach f: 5, nach fis: 6, nach g: 7." Die Quinte c - g hat sieben Halbtonschritte.

Es ist wichtig, dieses Konzept der Interrvalllehre zu verstehen und akzeptieren: wenn man nach dem Namen eines Intervalls sucht, zählt man den Ausgangspunkt mit (weil es das Intervall Prime gibt). Wenn man die genaue Größe eines Intervalls sucht, zählt man den Ausgangspunkt nicht mit, denn man muss für den Schritt, der den Wert "eins" hat, den Ausgangspunkt verlassen! Eine Prime hat den Abstand null Halbtonschritte, weil man eben nirgendwo hin schreitet. Genauso überlegt man ja, wenn man feststellt: ein Kind ist ein Jahr alt, wenn es den Tag des ersten Geburtstags erreicht hat. Ein 10-Kilometerlauf ist zuende, wenn man den zehnten Kilometerstein passiert hat.
Die Intervallnamen sind sozusagen die Gattungsbezeichnung, während die Größe in Halbtonschritten ein technischer Wert sind. Einige Intervalle sind vom technischen Wert her gleich groß, haben aber jedes ihren eigenen Namen und sind im emotionalen Ausdruck total unterschiedlich! Musik spielt sich in Beziehungen und Spannungsfeldern ab.
Man gibt man den Intervallen Namen, die von lateinischen Ordnungszahlen abgeleitet sind, und man macht so viel Aufhebens von ihnen, weil man alles musikalische Geschehen außer Rhythmus als Intervall untersuchen kann (auch die Struktur der Akkorde). Wenn man die Intervalle nicht nur dem Namen nach, sondern auch vom Klang her kennt, bekommt man einen Zugang zum "inneren Ohr", zur Fähigkeit, sich Musik vorzustellen. Diese hat natürlich wieder einen direkten Bezug zur Praxis - nicht nur für Komponisten oder Chorsänger, die vom Blatt singen können sollten.
Prime = Eins
Sekunde = Zwei
Terz = Drei
Quarte = Vier
Quinte = Fünf
Sexte = Sechs
Septime (auch Septe) = Sieben
Oktave = Acht
None = Neun
Dezime = Zehn
Undezime = Elf
Duodezime = Zwölf
Tredezime = Dreizehn
Übungen zu den Intervallnamen Home Musiklehre Stichworte oben
Die Übungen zu den Intervallnamen sollen dir helfen, grundsätzlich schnell die Intervalle zu nennen und erkennen zu können. Dass man auf die Frage nach einer übermäßigen Sexte unter "es" etwas überlegen muss ist wohl klar, aber es hilft, wenn man ahnt, dass die Lösung mit g zu tun hat! Um deine Geschwindigkeit bei den Übungen zu erhöhen, kannst du vielleicht noch den Abschnitt über die Umkehrungen der Intervalle durchlesen und vor allem die Stammtonreihe vorwärts und rückwärts aufsagen üben (An wie vielen Stellen auf meiner Homepage steht dieser Tipp?!).
Vielleicht hilft dir dieses Grundlagen - Fitnesstraining, die im Abschnitt "Fröhliche Fehler" genannten Fallgruben zu vermeiden! Wenn dein Gehirn darauf gedrillt ist, bei der Frage "Sexte über c?" sofort mit "a!" zu reagieren, passiert dir der zweite Fehler hoffentlich seltener...
Weitere Übungen zu den Intervallen mit allem Schnickschnack finden sich unten. Bevor du diese angehst, solltest du aber vielleicht die folgenden Abschnitte durcharbeiten.
Wenn du die Aufgaben im Kopf machst und "nur" die Notennamen nennst, übst du etwas abstrakter als im Notenbild. Es ist toll, wenn man sich mit einem Freund gegenseitig abfragen kann! Beim Üben auf Notenpapier wird dir irgendwann klar, dass z.B. eine Terz immer von einer Note auf einer Linie zu einer Note auf der nächsten Linie reicht, oder eben von Zwischenraum zu Zwischenraum. Ebenso prägen sich mit der Zeit die grafischen Abstände anderer Intervalle auf Notenlinien ein.
1. Übung: Schreibe folgende Intervalle einfach, ohne zwischen groß, klein oder rein zu differenzieren, ohne Vorzeichen im Violinschlüssel in bequemer Lage, also ohne viele Hilfslinien. Jede Zeile ist ein Takt. Zur Lösung:
Terz (3) über c
Sexte über a
Sekunde unter f
Quinte unter e
Quarte unter g
Duodezime (12) über h
None unter d //
Oktave über a
Quinte (5) unter f
None unter h
Sexte über d
Terz über a
Sexte unter h
Dezime unter a
Quinte unter h //
Septime unter f
Septime (7) über d
Quarte über e
Septe unter f
Septe unter d
Dezime (10) unter f
Septe unter g
Duodezime unter g
Dezime über g
Quarte (4) unter h //
Quinte unter a //
Quarte über a //
Sexte über f //
Undezime (11) unter d //
Sexte unter d //
Undezime über h //
None unter d //
2. Benenne die Noten und die Intervalle (Intervallnamen ohne groß / klein / rein): Zur Lösung
3. Benenne diese Noten und die Intervalle im Bassschlüssel (Intervallnamen ohne groß / klein / rein): Zur Lösung
