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Hemiolen sind ein rhythmisches Phänomen, das vor allem im Dreiertakt auftaucht. Sie treten in barocken Couranten und Sarabanden, seltener in Menuetten in Rudeln auf, besonders kurz vor Schlüssen. Zwei Dreiertakte werden zu einem "großen Dreier" verbunden. Aus zwei Dreivierteltakten wird ein (gedachter) Dreihalbe - Takt. Man zählt also die Eins des ersten Taktes als EINS, die Drei des ersten Taktes als ZWEI, und die Zwei des zweiten Taktes als DREI. Das läßt sich am einfachsten an einem Beispiel zeigen:
Die Courante in C-Dur von Johann A. Logy habe ich mit blauen Klammern für die Hemiolen, und in der ersten Zeile mit Zählzeiten unter den Noten versehen, wobei unter Takt 5 / 6 für mich die erste deutliche Hemiole steht. Dort habe ich folglich Halbe gezählt.
Zum Anhören habe ich der Gitarrenstimme eine Rhythmusbegleitung in Vierteln für die normalen Takte und Halben für die Hemiolen beigefügt. Öffne den Link in einem neuen Tab, dann kannst du hier die Noten mitlesen.
Die auch harmonisch deutlichste Hemiole steht wohl in Takt 9 / 10. Hier wird sogar der Basston H von der Drei in Takt 9 nach Takt 10 hinüber gebunden, die Harmonie (Dominantseptakkord ohne Grundton mit Terz im Bass) bleibt über die Taktgrenze erhalten.
Bisweilen sind Hemiolen Ansichtssache: Takt 1 und 2 scheinen offensichtlich eine Hemiole zu enthalten - wenn ich die Stelle spiele, würde ich lieber die Eins des zweiten Taktes betonen, also einen "betonten Gegenrhythmus" spielen. (Die Mididatei verhält sich hier neutral, weil sie keine Betonungen machen kann.) Das Gleiche gilt für Takt 11 und 12. Deshalb habe ich hier nur eine Klammer mit Fragezeichen gesetzt.
Ich glaube, die Unsicherheit, ob nun eine Hemiole vorliegt oder nicht liegt an den harmonischen Bewegungen: Subdominante auf der ersten Zählzeit von Takt 2, dann Doppeldominante auf der Zwei, und in Takt 12 die Subdominante auf der Eins, gefolgt von der doppelten Subdominante, die quasi eine Modulation nach D-Moll einleitet, welche in Takt 15 abgeschlossen und sofort wieder Richtung Ausgangstonart verlassen wird.
Die anderen Hemiolen (Takte 5 / 6, 9 / 10, 13 / 14 und 15 / 16) sind harmonisch deutlich geschlossener und damit eindeutiger.
Synkope Home Musiklehre Stichworte oben
Bei einer Synkope wird eine betonte Note auf eine unbetonte Zählzeit vor - verschoben. Aus der "normalen" Figur Viertel - Achtel, Achtel ("Hän - sel und Gre - tel ver...) wird der Rhythmus Achtel - Viertel - Achtel (oder Viertel - Halbe - Viertel, oder eine verkleinerte Version...). Als Beispiel die zweite Hälfte von "Zigeunertanz" von J. Haydn - Anhören:
Die Synkopen finden sich im ersten und dritten Takt. Es gibt auch mehrere Synkopen hintereinander, wobei ich immer schwer zu sagen finde, wie man das Beispiel unten aus dem berühmten Menuett von Boccherini bezeichnen soll. Anhören:

Swing, ternärer Rhythmus oder Inégalité Home Musiklehre Stichworte oben
Swing oder shuffle sind Bezeichnungen aus Jazz, Blues oder generell populärer Musik, die in der aktuellen Popmusik allerdings eher ein Schattendasein fristen. Leute, die sich auch mit den Wurzeln von Heavy Metal noch etwas auskennen, wissen, dass es in bestimmten Musiksstilen üblich ist, Achtelnoten in Zweiergruppierungen ungleich zu spielen: die erste wird verlängert, die zweite entsprechend gekürzt. In welchem Verhältnis, ob 2:1, 5:3 oder was immer die Noten eines Paares zueinander stehen, hängt vom Stil und vom Geschmack des Ausführenden ab. Während ein früher Boogie aus New Orleans eher scharf zu spielen ist, sollten bei einem entspannten Cool - Jazz - Stück die Achtel nur geringfügig ungleich sein, sonst klingt es zu zickig. Die Anweisung "swing" steht manchmal bei Jazzstücken, aber durchaus nicht immer. Zum Glück gibt es ja Tonträger, und die Tradition lebt noch!
Anders erging es der französischen Barockmusik: irgendwann begannen Musiker und Musikwissenschaftler bekanntlich, auf dem Gebiet "historische Aufführungspraxis" zu forschen (der Concentus Musicus, das Stammorchester des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, ist tatsächlich so alt wie ich) und historische Quellen zu lesen. Instrumentalschulen der Barockzeit wie Leopold Mozarts Violinschule, J.J. Quantz' Querflötenschule oder C.P.E. Bachs Schule für Tasteninstrumente oder andere Schriften zur Musikästhetik beschreiben, dass im französischen Stil Noten des kleinsten strukturbildenen Wertes grundsätzlich ungleich zu spielen sind: die erste länger, die zweite kürzer. Nur wenn es sich um Sprünge handelt, Zeichen für Détaché oder Bögen über den Noten stehen, oder ausdrücklich "croches égales", also "Achtel gleich" dabei steht ist diese Grundregel ausser Kraft gesetzt.
Diese Entdeckung muss ein ziemlich Schock für die Musikwelt gewesen sein, aber inzwischen hört man sogar die "Eurovisionsmelodie" von Charpentier im Fernsehen korrekt inegal gespielt.
In Beatles - Ausgaben steht eher nicht, ob ein Stück swingen muss, aber wenn man die Stück hört merkt man das ja. Falls die Musik der Beatles irgendwann ähnlich lange nicht gespielt und gehört wird wie die Werke Couperins, Lullys oder Hotteterres (und damals gab es keine CDs), könnte es unter forschenden Musikwissenschaftlern großes Erstaunen geben, wenn irgendwo in einer Konzertbesprechung der merkwürdige Grundrhythmus vieler Stücke dieser ehemals bekannten Band beschrieben und danach von beflissenen Musikstudenten nachgespielt wird...
In Heften mit Stücken für junge Gitarristen gibt es immer viele Stücke, die im swing-feel zu spielen sind. Wir Lehrer finden, Stücke mit blue notes klingen einigermassen modern, und die meisten von uns verstehen nicht, was Gitarrenschüler mit Rap & Co anfangen wollen - doch nicht etwa daran Gitarre lernen? Die Schüler hingegen finden swing, übergebundene Noten, Vorzieher, und was sonst so in ordentliche Rockmusik gehört eher anstrengend, und sie haben ja auch Recht. Diese Dinge sind nichts für Leute, die Mühe haben, eine punktierte Viertel richtig auszuführen: R & B aus Noten zu spielen ist nichts für kleine Kinder.
Besonders anstrengend ist es allerdings, Stücke zu erarbeiten, in denen der Komponist den Swing "ausgeschrieben" hat, also einen Blues etwa als 12/8 Takt notiert hat, der als 4/4 Takt mit der Anweisung "swing" sehr viel übersichtlicher gewesen wäre...