Ulrich Meyer, Gitarre

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Für Sänger und Bläser leider unmöglich und bei Gitarristen enorm unbeliebt: Beim Spielen laut die Zählzeiten sagen. Wie beim Klopfen ist wieder der ganze Mensch gefordert, und es geht anfangs nur mit großen Schwierigkeiten. Aber es hilft, ein kompletter, unabhängiger Musiker zu werden.

Wenn im 4/4 Takt Achtelnoten vorkommen, "fallen diese durch die Maschen" des "1 -2 -3 - 4 - Netzes". Also hilft man sich damit, dass man "Eins und Zwei und Drei und Vier und" spricht. Bei Sechzehnteln sagt man "Ein-ze-un-te Zwei-e-un-te...", Triolen gehen so: "Ei-ner-lei Zwei-er-lei...". Diese angebotenen Verbalisierungen rufen bei meinen Schülern anfangs immer ungläubiges Staunen und Murren hervor, aber bitte: bei "You Tube" findet man einen amerikanischen "online drummer", der sogar sein Metronom so programmiert hat, dass es "one-e-and-a two-e-and-a..." quäkt. Und man übt sich mit diesen Hilfen ja nur so lange, bis man sie nicht mehr braucht!

Zählen 1

Als konkretes Beispiel noch mal 4 Takte aus dem oben zitierten Kanon:

Zaehlen bei Jakob

In sehr langsamen Sätzen, die ja tendenziell viele kleine Notenwerte enthalten, kann man sich mit zuviel Sicherheitsdenken mehrere Beine stellen: wenn man in Achteln zählt, verzählt man sich leicht bei längeren Tönen und - schlimmer noch: "kleinkariertes" Zählen führt unweigerlich dazu, dass man auch so musiziert. Man kommt zwar hoffentlich heil durch das Stück, aber die vielen kleinen gedachten Impulse führen dazu, dass die Musik nicht schwingt, sondern nähmaschinenartig vor sich hin rattert. Bitte nie vergessen, dass zählen und klopfen Übevorgänge sind, Prozesse, um ein Stück Musik verstehen zu lernen, aber nicht das Ziel des Musizierens!

Ein Sonderfall sind unregelmäßige Unterteilungen auf der Ebene unterhalb des Grundschlages. Wenn in einem 4/4-Takt die Achtel nicht in 4 Gruppen von je zweien auftauchen, sondern immer 3 + 2 + 3 Achtel die Grundstruktur ausmachen, zählt man am besten auch "eins zwei drei, eins zwei, eins zwei drei". Im Beispiel unten könnte die Taktvorzeichnung so aussehen: 3+3+2 im Zähler, und 8 im Nenner des Bruches. Anhören:

3 plus 3 plus 2 Achtel

Es ist zum Lernen sehr hilfreich, in den Noten die Zählzeiten durch Striche zu markieren oder "1 u 2 u 3 u..." einzutragen. Schließlich muss man den Rhythmus erstmal korrekt analysieren. So erarbeitet man sich Selbständigkeit (während man durch das Eintragen von Buchstaben bei den Noten nur verhindert, dass man Noten lesen lernt)!


Irreguläre Teilungen zählen Home Musiklehre Stichworte oben

Ein besonderes Vergnügen ist es, irreguläre Teilungen gegen ihre Normalwerte spielen zu dürfen. Für Gitarristen eher selten, aber die Fähigkeit zu erwerben trägt wirklich zur musikalischen Allgemeinbildung bei. Was tun, wenn man, wie in Mozarts Klaviersonate KV 332 im ersten Satz in der rechten Hand Achtel und in der linken dazu Triolenachtel zu spielen hat? Ganz einfach: man bildet das "Kleinste gemeinsame Vielfache" von 2 und 3, nämlich 6, denkt sich "die Achtel kommen auf 1 und 4 (denn 6 geteilt durch 2 ist 3) und die Triolen auf 1, 3 und 5 (denn 6 geteilt durch 3 ist 2). Dann klopft man munter auf die Oberschenkel, spielt, je nach Schwierigkeit direkt die Stelle oder legt als Gitarrist die Achtel auf die hohe e-Saite und die Triolen auf die tiefe. Wohlgemerkt bei gleichzeitigem lauten Zählen. Wenn das klappt übt man anders herum, und danach den "fliegenden Wechsel". Dann ist man - jede Wette - um ein paar funktionierende Gehirnwindungen reicher!

2 gegen 3 bei Mozart
KGV von 2 und 3

Anhören:

KGV von 3 und 4


Noch hübscher ist "Drei gegen Vier". Das kleinste gemeinsame Vielfache ist 12, das Beispiel aus Beethovens op. 10, 1 im dritten Satz, und der Lernprozess hart...



3 gegen 4 bei Beethoven

Anhören:


Wenn man mit dem Fuß die Zählzeiten schlägt, bleiben diese anonym. Wenn man laut (irgendwann leise im Kopf) zählt, spielt man ja dabei und muss also außer dem korrekten Zählen auch noch die Töne auf dem Instrument bewältigen. Manchmal ist das zu Spielende aber so komplex, dass man nicht recht weiterkommt.

Dann ist vielleicht eine gute Idee so zu tun, als sei man sein eigener Dirigent! Die Dirigierbewegungen sind ja genauer bezeichnend als das Klopfen mit dem Fuß, weil jede Zählzeit einen Ort im Raum hat. Vorraussetzung dafür ist allerdings, dass man sich die Musik im Kopf vorstellen kann oder irgendwie singen. Häufig habe ich schon Sänger dabei beobachtet, dass sie zum Singen dirigieren - so lernt man am schnellsten seine Einsätze, wenn man zum Beispiel mit Orchester musiziert. Und man bereitet sich auf das vor, was der wirkliche Dirigent möglicherweise machen wird. Die gebräuchlichsten Taktierfiguren sehen so aus:

Dirigieren

Allen gemeinsam ist, dass der "Schlag Eins" immer eine Dirigierbewegung nach unten ist. Im Zweiertakt schlägt man einfach "ab - auf", im Vierertakt "ab - links - rechts - oben". Im schnellen 6/8-Takt wird man nur die Eins und die Vier so wie im 2/4-Takt schlagen, statt der Zeichnung oben zu folgen, die für langsame 6/8-Takte gilt. Selbstverständlich sind die kruden Grafiken kein Ersatz für ordentlichen Unterricht im Fach Dirigieren, sie sollen nur eine Idee vermitteln, und die Idee, sich Musik vorzustellen und dabei zu taktieren ist auf alle Fälle gut.

 

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