Ulrich Meyer, Gitarre

Tonleiteraufbau oder: alles hängt miteinander zusammen.

Wenn man nicht gerade atonal musiziert, benutzt man in unserer Musikkultur zunächst mal die Töne einer Tonart. Je nach Einfachheit oder Komplexität des Stückes wird der Tonvorrat durch Material aus anderen Tonarten bereichert, aber im Prinzip kann man bei einfacher Musik mit einer Tonart auskommen.

Natürlich gibt es eine Tonleiter, die ohne Vorzeichen, also mit den Stammtönen auskommt: C-Dur. Und es gibt Tonleitern, bei denen vor jeder Note ein Vorzeichen steht. Also muss es irgendwo einen Anfang des Durcheinanders geben: eine Tonleiter, die ein Korrekturzeichen braucht, weil sie sonst nicht stimmt.

Überraschenderweise liegt dieser Anfang nicht einen Ton über oder unter C, dem Beginn der vorzeichenfreien Zone, und auch nicht einen Halbton von C entfernt. Man muss sich von C eine reine Quinte nach oben oder unten bewegen, um zur nächsten Tonart zu gelangen.

In der Obertonreihe ist die Quinte der erste Ton, der nicht mit dem Grundton identisch ist, also zugleich der erste Fremde und der nächste Verwandte. Wenn man Quinte auf Quinte folgen läßt, entsteht nach und nach unser Tonvorrat an Stammtönen, und die Abfolge der Tonleitern gestaffelt nach der Anzahl der Vorzeichen: eine Quinte von C entfernt braucht man ein # oder b, zwei Quinten entfernt zwei Kreuze oder bs, und so weiter.

Der Quintenzirkel ist ein zentraler Dreh- und Angelpunkt der allgemeinen Musiklehre, wird deshalb in der Schule immer wieder durchgesprochen und ist darum auf dieser Seite x-fach verlinkt und mehrfach vorhanden. Die reine Quinte ist das Zusammenhang stiftende Intervall unserer Musikkultur - auch in der atonalen Musik, denn sobald sie dort auftaucht, wittert der gebildete Hörer Verrat...

Es hängen zusammen: Die Reihenfolge der Tonarten, der Quintenzirkel, die Reihenfolge der Kreuze und bs, die Verwandtschaftder harmonischen Funktionen innerhalb einer Tonart - alle miteinander! Außerdem ist die Quinte auch beim Aufbau von Akkorden ein wichtiges Intervall.
Weil das so ist möchte ich hier empfehlen, die ersten Übungen dieser Seite wirklich schriftlich zu machen. Man lernt immer mehrere Dinge gleichzeitig, und je mehr die Kenntnisse zusammenwachsen, desto sicherer wird man. Der Aufbau der Tonleitern ist ein sehr guter Ausgangspunkt!


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Wenn man über unser Tonmaterial nachdenkt, stellt man sich die Töne gerne ordentlich als Tonleiter aufgereiht vor. Eine Tonleiter ist eine Abfolge von Ganz- und Halbtonschritten (größere oder kleinere Schritte sind etwas exotisch) von einem Grundton bis zu seiner Wiederholung.
Wenn man die Töne von C bis c aufschreibt, hat man eine Dur - Tonleiter. Die C-Dur - Tonleiter kommt mit den Stammtönen aus, weil die Ganz- und Halbtonschritte bei ihr genau so liegen, dass sich eben eine Durtonleiter ergibt: zwischen den Stufen 3 und 4, sowie 7 und 8 liegt ein Halbtonschritt.
Das Beispiel zum Anhören ist etwas anders rhythmisiert als die Noten in der Grafik.

C-Dur mit Halbtonschritten

Nach vier Tönen steht ein Taktstrich - nicht weil die Tonleiter im 4/4-Takt steht, sondern weil man sie der Übersicht wegen gerne in zwei Hälften einteilt, die man Tetrachorde nennt (tetra = 4, chorda = Saite). Auf diese Weise wird bei der Durtonleiter sofort deutlich, dass die Halbtonschritte am Ende des ersten und des zweiten Tetrachords liegen. Alle anderen Abstände sind Ganztonschritte.

Jeder weiß, dass nicht alle Stücke in C-Dur stehen und dass es Kreuze und bs gibt. Die zweite Durtonleiter, bei der das erste Kreuz gebraucht wird, möchte ich auf dem Ton G aufbauen.
Warum gerade auf G? Zwischen den Tönen gibt es verwandtschaftliche Beziehungen, die sich aus der Obertonreihe eines Tones herleiten. In der Obertonreihe taucht nach Grundton und Oktave die reine Quinte auf. Die Quinte ist also der nächste Verwandte eines Tones, und g ist die Quinte über c.
Falls du wenig oder nichts mit dem Begriff "Quinte" anfangen kannst, solltest du vielleicht das Kapitel über Intervalle durcharbeiten. Über die reine Quinte findest du hier im Kapitel Intervalle und auf der Seite über Akkorde einen Text.

G-Dur falsch

Wenn du die Tonleiter auf "g" (oben) anschaust, wirst du sehen, das ein Halbtonschritt nicht an der richtigen Stelle steht. Der natürliche Halbtonschritt h-c liegt richtig, nämlich zwischen den Stufen 3 und 4, aber e-f fällt auf die Stufen 6 und 7, und zwischen 7 und 8 liegt ein Ganztonschritt. Wenn man eine Durtonleiter wie auf C haben möchte, muss man das f, also den siebten Ton, um einen Halbtonschritt erhöhen. In der nächsten Grafik ist der Fehler korrigiert: Das erste Kreuz wird geboren! Das Kreuz ist ein Zeichen, das den Ton, vor dem es steht um einen Halbton erhöht. Sein Name bekommt die Endsilbe "-is".

Beim Vergleich der Tonleiter auf g mit der auf c fällt auf, dass das erste Tetrachord von G-Dur dem zweiten von C-Dur entspricht.

Anhören: Die Tonleiter auf G mit dem Halbtonschritt zwischen 6. und 7. Stufe; die "richtige" G-Dur-Tonleiter.

G-Dur richtig

Von G aus kommst du über die Quintverwandtschaftzum D als Grundton der nächsten Tonleiter. Du wirst feststellen, dass du das "fis" wieder brauchst, das erste Tetrachord von D-Dur entspricht wieder dem zweiten von G-Dur. Als letztes Kreuz (von immerhin zweien) wird das vor der siebten Stufe gesetzt. Dies wird auch in den folgenden Tonarten so sein: Die Kreuze der in der Quintenabfolge vorher entstandenen Tonleitern werden übernommen, und vor der siebten Stufe kommt das letzte der Reihe dazu.

Aufgabe 1: Ich gehe davon aus, dass du das System verstanden hast, und schreibe die weiteren Kreuztonarten nicht auf. Um ein bisschen Übung zu bekommen, kannst du mit Papier und Bleistift D-dur und die folgenden Tonleitern mit Stufenziffern und Halbtonschrittzeichen versehen und die Kreuze in der Reihenfolge ihrer Entstehung hinter dem Doppelstrich notieren (In Musikstücken stehen die Vorzeichen normalerweise direkt hinter dem Notenschlüssel). Zum Vergleichen klicke auf Zur Lösung!

Kreuztonarten Aufgabe

Jede neue Tonleiter übernimmt die Vorzeichen der vorhergehenden, und ein letztes Kreuz vor der siebten Stufe kommt dazu. Den siebten Ton der Tonleiter bezeichnet man als Leitton. Dieser Leitton ist die Terz der Dominante, es gibt also einen Zusammenhang zwischen der Beziehung Dominante - Tonika und der Entstehung der Kreuze, die unter anderem zum Entstehen der harmonischen Molltonleiter führt.
Man kann aber auch eine Tonleiter von H bis h aufschreiben, die Halbtonschritte einzeichnen, und dann so lange mit Kreuzen nacharbeiten, bis alles stimmt: auch auf diesem Weg kommt man zum richtigen Ergebnis! Allerdings erfährt man dann nicht, in welcher Reihenfolge die Kreuzchen eigentlich auf die Welt kommen...

Die Namen der erhöhten Töne werden regelmäßig gebildet: cis - dis - eis - fis - gis - ais - his. Man spricht "e-is" und "a-is" so aus, dass man sie unterscheiden kann, und nicht so, dass man an Nachtisch oder Schlittschuhlaufen denkt!

Wenn man die Durtonleitern der Reihe nach immer weiter im Quintabstand konstruiert, kommt man natürlich irgendwann in Bereiche, wo der nicht vorgebildete Mensch denkt, Absurdes vor sich zu haben. Aber das System bleibt streng logisch: Bei Fis-Dur braucht man als Leitton natürlich ein eis, denn f kann ja nicht als siebte Stufe von fis gelten. Und in der Cis-Dur-Tonleiter hat schließlich jeder Ton ein Kreuz, genauso wie in C-Dur keiner eines hat.
In H-Dur (nur fünf Kreuze) muss die Zwischendominante zur Tonikaparallele Gis-Moll ein Dis-Dur-Dreiklang sein, und der besteht aus den Tönen dis, fisis und ais. Man braucht das Aufbauen der Tonleitern gar nicht bis Gis-Dur fortzusetzen, um auf ein Doppelkreuz zu stoßen...


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