Akkorde
Akkorde auf der Gitarre baut man sich so, dass die erwarteten Töne vorhanden und möglichst gut erreichbar sind. Das Ergebnis ist oft "unordentlicher", als vielleicht ein Pianist für gut halten würde. Während beim D-Dur-Griff der Grundton 2 mal, Terz und Quinte je einmal gespielt werden, was wunderbar ist, hat man im G-Dur-Akkord 3 Grundtöne, 2 Terzen und eine Quinte. So ist halt die Gitarre.
Und die Gitarre eignet sich ganz hervorragend zur Liedbegleitung! Deshalb weiß man nie, wenn jemand sagt, er lernt jetzt Gitarre spielen, ob er nach Noten spielt oder anfangs Griffe wechseln übt um Songs zu spielen.
Einzelne Akkorde üben
Nehmen wir mal an, du möchtest anfangen, Akkorde zu lernen und dabei gründlich vorgehen, statt die Methode "ich wechsele einfach ganz oft hin und her, dann wird das schon klappen" anzuwenden, denn dabei schleudert man oft in Panik die Finger in die Luft und stellt sie dann in der bequemsten Reihenfolge nacheinander hin. Dadurch übt man ein, die Finger nacheinander hinzustellen, und das gibt unsaubere Griffwechsel. Also folgen ein paar Tipps, wie du dein Gehirn und deine Finger an die neue Aufgabe gewöhnen kannst.
Für "What shall we do with the drunken sailor" in A-Moll brauchst du die Akkorde A-Moll und G-Dur.
Der Fingersatz
Noten und Griffbild für A-Moll zeigen dir, dass du die Saiten von der A- bis zur hohen e-Saite
anschlagen kannst, und dabei solltest du mit dem Zeigefinger auf der h-Saite im ersten Bund das
c, mit dem Mittelfinger im zweiten Bund auf der d-Saite das
e und mit dem Ringfinger auf der g-Saite im zweiten Bund das
a greifen.
Beim G-Dur-Akkord brauchst du den Zeigefinger auf der
A-Saite im 2. Bund auf dem H, den Mittelfinger auf der tiefen E-Saite im
3. Bund auf dem G und den Ringfinger auf der hohen e-Saite im dritten
Bund auf dem hohen g, und du kannst alle sechs Saiten anschlagen.
Stelle
die drei Finger jeweils schön
senkrecht auf, damit keine
Töne auf den Nachbarsaiten abgedämpft werden.
Klopfübungen
Damit du lernst, jeden Finger konkret mit dem Gehirn anzusteuern, klopfst du erst mal mit einzelnen Fingern auf das Griffbrett. Fange an, eine Weile mit dem Zeigefinger auf den betreffenden Bund zu klopfen. Es können gerne mehr als die im Notenbild durch Noten mit einem "x" als Kopf angedeuteten acht Mal sein! Die beiden anderen Finger bleiben dabei stehen.
Als nächstes trommelst du mit dem Mittelfinger auf das e, und danach mit dem Ringfinger auf seine Stelle, während sich die anderen beiden Finger nicht bewegen. Du kannst gerne auch probieren, mit zwei Fingern zu klopfen - das ist je nach Kombination unterschiedlich schwierig! So lernst du, aus welchen einzelnen Elementen dieser Griff besteht.
Wenn du das Gefühl hast, dass diese Bewegungen automatisiert sind, die richtigen Synapsen also verschaltet wurden, machst du dasselbe mit dem zweiten Akkord, den du für das Lied brauchst.
Mit allen Fingern gleichzeitig
Dann empfehle ich, mit allen Fingern, die du für den Akkord brauchst, gleichzeitig auf der Stelle zu hüpfen. Zunächst nur ganz minimal, sodass die Finger immer Kontakt zur Saite haben. Mit zunehmender Sicherheit kannst du höher hüpfen, irgendwann den Kontakt zu den Saiten verlierend aber die Finger immer noch in der richtigen Position haltend, bis du den Griff "im Griff" hast! Auch das machst du für jeden der Griffe einzeln.
Schließlich kannst du dabei die Finger über dem Griffbrett völlig durcheinander wirbeln - irgendwann wirst du in der Lage sein, A-Moll und G-Dur in der Luft richtig zu gruppieren und korrekt aufzusetzen.
Welcher Finger macht welchen Weg?
Jetzt geht es daran, die beiden Akkorde wechseln zu üben. Schaue dir ganz genau an, welcher Finger von wo nach wo geht, beobachte jeden Finger einzeln. Die Wege der Finger sind unterschiedlich lang, sie kreuzen sich, aber wenn du sie genau analysierst und anfangs sehr langsam ausführst, wird es dir gelingen, die Finger gleichzeitig zu heben und auch gleichzeitig an neuer Position auf das Griffbrett zu stellen.
Stelle dir vor, du bist Coreograph bei einem Tanz und musst drei Leuten beibringen, wie sie sich gleichzeitig zu drei neuen Orten bewegen sollen. Oder du hebst die Finger "mit einer Kurbel" an, ordnest sie in der Luft um und senkst sie dann per Hydraulik ab. Gleichzeitig!
Dies ist ein Exezitium, das ich dir für jeden neuen Griffwechsel empfehlen würde! Du kannst dich darauf verlassen: deine Fähigkeiten, einzelne Finger präzise zu bewegen und vor allem mehrere Finger gezielt an neue Orte zu dirigieren werden mit jedem neuen Griff(wechsel) dramatisch anwachsen!
Regeln für Griffwechsel
Für das flüssige Wechseln von Griffen habe ich drei wichtige Grundregeln:
Prioritäten beim Einüben von Griffwechseln
1. Wenn ein Finger liegen bleiben kann, bleibt er liegen.2. Wenn man einen Finger auf einer Saite schieben kann, schiebt man.
3. Wenn man mehrere Finger "als Block" versetzen kann, versetzt man sie als Block.
Natürlich muss man erst mal merken, dass bei einem Griffwechsel eine dieser Regeln anwendbar ist. Analysiere also zunächst genau, welcher Finger welchen Weg machen muss. Die Aufgabe ist immer wieder: alle Finger heben nach Griff 1 gleichzeitig vom Griffbrett ab (wenn sie denn abheben müssen), werden in der Luft neu organisiert, und landen dann gleichzeitig auf dem Griffbrett zu Griff 2.
Beobachte genau! Wer bleibt liegen, wer kann geschoben werden, welche Blöcke gibt es? Wo sind Spannungen in der Hand?
Beispiel für Regel 1: Finger liegen lassen
Wenn man von
E - Dur nach H7 (in der
Grifftabelle heißt er B7)
wechselt, lässt man den 2. Finger auf dem 2. Bund der A-Saite stehen.
Achtung: von Bild zu
Bild sieht man zunächst keine großen Unterschiede - das soll auch so sein! Niemand braucht
riesige Bewegungen bei Griffwechseln!
1. Der E-Dur-Griff.
Die Finger 1 und 3 werden die Saiten tauschen...
2. Der zweite Finger bleibt stehen, Finger 1 geht von der g- zur d-Saite, Finger 3 von der d- zur g-Saite.
3. Die Finger gruppieren sich in der Luft über den richtigen Bünden, der 4. Finger ist über dem 2. Bund der e-Saite.
4. Der H7-Griff ist fertig.
Der Mittelfinger hat seine Position nicht verlassen.
Beispiel für Regel 2: Finger schieben
Wenn man von D-Dur nach A-Dur wechselt, kann man den Ringfinger vom dritten Bund der h-Saite in den 2. Bund der h-Saite schieben. Die beiden anderen Finger setzt man quasi "als Block". Das gilt natürlich auch in der Gegenrichtung.
1. Hier der Wechsel von
D-Dur...
2. Der 3. Finger rutscht in Richtung 2. Bund, die Finger 1 und 2 heben ab und bilden einen "Block"...
3. Die Finger 1 und 2 landen als Block auf d- und g-Saite; der 3. ist unterwegs in den 2. Bund...
...4. nach A-Dur.
Beispiel für Regel 3: Finger als Block setzen
Wechselt man von E-Dur nach A-Dur, setzt man die Finger 2 und 3 "als Block". Der Zeigefinger wird individuell vom 1. Bund der g-Saite zum 2. Bund der d-Saite bewegt.
1. Der E-Dur-Griff
2. Alle Finger werden angehoben.
3. Der Zeigefinger bewegt sich entgegen der Richtung des Blocks "2 & 3".
4. Der fertige A-Dur-Griff.
Es ist sehr nützlich, beim Erlernen eines neuen Griffwechsels diesen extrem langsam, wie in Zeitlupe zu beobachten (Die vier Bilder, die ich hier zu jedem Wechsel gemacht habe, sind als "Zeitlupenauflösung" noch viel zu grob). Welcher Finger legt welchen Weg zurück? Wenn die Finger gleichzeitig in der neuen Position ankommen sollen, müssen sie sich unterschiedlich schnell bewegen. Eine Frage der Choreografie!
Alternative Griffweisen
Viele Menschen greifen bestimmte Griffe immer auf die gleiche Weise, und viele vermeiden den kleinen Finger, weil er der schwächste ist. Am Beispiel des D-Moll-Griffes kann man zeigen, dass der Standard-Fingersatz mit 1,2 und 3 nicht unbedingt der beste ist:
Von D-Moll nach C-Dur: ich greife D-Moll häufig mit dem 4. Finger auf der h-Saite. Dadurch hat der 3. Finger beim Wechseln mit C-Dur einen kürzeren Weg; der kleine Finger wird erst im letzten Moment angehoben beziehungsweise aufgestellt.
1. Beim Wechsel von D-Moll nach C-Dur greife ich das d auf der h-Saite mit dem 4. Finger.
2. Der 3. Finger bewegt sich noch mehr als in Bild 1 in Richtung A-Saite...
3. Der 1. und 2. Finger sind unterwegs zur jeweils nächst tieferen Saite; der 3. hat das tiefe C fast erreicht, der 4. ist in der Luft.
4. Ankuft bei C-Dur.
Beim Wechsel von D-Moll nach F-Dur kann der zweite Finger auf dem
a auf der g-Saite stehen bleiben, der dritte ist unterhalb des vierten
schon unterwegs zum C auf der A-Saite, und der vierte wird mit ihm als
Block auf die d-Saite gesetzt.
Beim Wechsel von D-Moll nach B-Dur kann der kleine Finger
ebenfalls stehen bleiben. Beim B-Dur-Griff braucht man ihn - warum sollte man dann D-Moll mit
dem dritten Finger greifen?
Mehrere Finger austauschen
Gut ist auch, wenn man Griffe mit unterschiedlichen Fingersätzen greifen kann. Normalerweise greife ich G-Dur mit den Fingern 1, 2 und 3; im Wechsel mit C-Dur greife ich gerne mit 2, 3 und 4 und setze beim Wechseln 2 und 3 als Block um.
Lieblingsfingersatz
Es lohnt auch, die "häufigsten und wahrscheinlichsten Wechsel" in Betracht zu ziehen, wenn man seinen Lieblingsfingersatz für einen Akkord im Langzeitgedächtnis verankert. E-Moll greife ich normalerweise immer mit 2 und 3. Beim Wechsel zur Subdominante A-Moll kann man diese beiden als Block versetzen, beim Wechsel mit H7, dem Dominantseptakkord, kann der 2. Finger stehen bleiben. E-Dur greift man genauso, nur der erste Finger kommt auf der g-Saite dazu. Also gibt es nicht wirklich viele Argumente, E-Moll gewöhnlich mit 1 und 2 zu greifen, obwohl das natürlich möglich und beim Wechsel mit D-Dur tatsächlich bequemer ist.
Barrégriffe
Bei Wechseln mit Barrégriffen sollte man sehr darauf achten, den Zeigefinger lieber als letzten statt als ersten Finger zu platzieren. Meist drückt man den Zeigefinger ziemlich kräftig herunter, und wenn viel Kraft in eine Richtung geht, lassen sich die anderen Finger nicht mehr so unabhängig bewegen. Generell gilt: je schwieriger der Griffwechsel, desto genauer sollte man überprüfen, ob die drei Regeln von oben irgendwie anwendbar sind!
Akkordwechsel üben
Nachdem ich im vorigen Abschnitt meine Grundregeln für Griffwechsel, Hauptfingersätze etc. aufgeschrieben habe, folgen hier ein paar Übestrategien:
Vor längerer Zeit hatte ich mal eine Schule für Folkpicking auf dem Notenständer. Neben dem
ersten "Pick", also einem Takt mit einem zerlegten Akkord, stand "50000x".
Ich dachte zunächst "Das kann er doch nicht ernst meinen, wenn das '50000 Mal spielen!'
heißen soll", habe dann aber kurz überschlagen, wie oft man den Takt in gemütlicher
Anfangsgeschwindigkeit so spielen kann und kam zu dem Ergebnis: Der Autor des Buches will
einfach nur, dass der Lernbegierige diesen Takt so 8 bis 10 Minuten lang vor sich hin zupft. Na,
doch nicht so absurd. Wenn man sich dem Fingerpicking widmen möchte, sollte man dem Anfang
gebührende Aufmerksamkeit und Respekt zollen!
Langsam und oft
Genau dies muss man mit den ersten Akkorden auch machen: Wenn man sich sagt "OK, nach 20 Mal D-Dur und A-Dur wechseln muss das klappen, sonst ist das doof...", hat man eigentlich schon verloren.
Also: genau beobachten, sehr langsam spielen und sehr viele Male hin und herwechseln. Statt auf die Uhr, lieber aus dem Fenster gucken, das hilft auch beim "Treffen ohne Hinschauen", ein bisschen dabei vor sich hin träumen, dann wieder akribisch die Bewegungen studieren, kontrollieren, ob alle Finger gleichzeitig landen und nicht einer nach dem anderen gesetzt werden.
Man lernt schnell dazu
Man sollte dabei guten Mutes sein: für die ersten Griffwechsel braucht man ziemlich viel Zeit, aber wenn man den fünften Griff in sein Pensum integriert, merkt man: es geht immer schneller. Das Gehirn lernt, präzisere Befehle zu geben, und die Finger lernen immer besser zu reagieren.
Nachdem man den ersten Griffwechsel eine Zeit lang "frei" geübt hat, sollte man anfangen,
im Takt zu spielen. Wichtig dabei: auf der "Eins" des neuen Taktes muss der
Griff stehen.
Das heißt: du nimmst dir vor der Eins soviel Zeit, wie du für den
Wechsel brauchst, aber auf der Eins musst du fertig sein mit dem
Wechsel.
Mache dazu die folgende Übung: Die spielst immer einen Takt E-Moll und einen Takt D-Dur (zum
Beispiel), und zählst dabei langsam bis vier. Anfangs spielst du nur auf der
"Eins" und hast die Zählzeiten
Zwei bis Vier für den Wechsel.
Wenn das lässig klappt, schlägst du auf Eins und Zwei an,
und hast nur noch die Drei und die Vier für das Umgreifen. Dann nimmst du dir nur noch die
"Vier" für das Wechseln, und dann kannst du durchspielen.
Diese Grundübung für Griffwechsel solltest du anfangs bei jedem neuen Griff machen, nachdem du genau analysiert hast, ob Finger liegen bleiben, geschoben oder als Block versetzt werden können, und welcher Finger welche Strecke zurückzulegen hat!
Übetabelle für Griffwechsel
Ein anderer, leicht stupider, aber wirksamer Trick ist, sich eine Tabelle wie im Bild rechts auf
Papier zu kritzeln, und nach dem Motto "jeden Griff mit jedem wechseln" zu verfahren.
Wenn man ganz stur ein Bleistiftpünktchen in ein Kästchen für 20 überlebte Wechsel macht,
ist das in manchen Fällen sicher übertrieben: der Wechsel zwischen
Em und E ist doch deutlich einfacher, als der
zwischen C und B7, aber vom Grundprinzip her... man darf auch ruhig mal streng mit sich selber sein!
Als nächstes ist man dann bitte sehr kreativ, denkt sich kleine Akkordfolgen aus wie zum
Beispiel
Em / / / | C / D / :||: Am / Em / | B 7 / / / :||
und übt diese fleissig vor sich hin.
Anschlagstechnik
Hier kann ich nur versuchen zu beschreiben, was ich mache - jeder hat ja seinen eigenen Stil.
Beim Akkordeschlagen halte ich die Hand
völlig anders als beim "normalen"
Spielen.
Ich halte nicht viel von großen schwungvollen Bewegungen, die viel Zeit brauchen, sondern mache
eine Art "Karatefaust", so als ob ich ein Pektrum zwischen Daumen und eingerolltem Zeigefinger
halte, das mir gerade heruntergefallen ist. Ich halte den Unterarm und die Hand als Verlängerung
ziemlich gerade und drehe den Unterarm über den Saiten hin und her. Ich mache die Bewegung also
möglichst klein, so wie ein Eisläufer bei einer Pirouette sämtliche Extremitäten an den Körper
zieht, um sich schneller zu drehen. So treffe ich die Saiten aber praktisch nicht, wie in den
Bildern unten angedeutet:
Drehung beim
Abschlag ohne
die Saiten
zu treffen...
Also bewege ich die Finger beim Abschlag, also der Drehung nach unten, etwas nach vorn, um mit den Fingernägeln über die Saiten zu streichen, und wenn ich den Unterarm zurückdrehe bewege ich den Daumen auch ein wenig, um mit dem Daumennagel die Saiten zu streifen.
Beim Abschlag "schieße" ich die Finger etwas heraus,
bei der Aufwärtsbewegung bewege ich den Daumen.
Betont - unbetont
Jetzt drehst du Unterarm und Hand also im Achtelrhytmus hin und her und siehst zu, dass du die
Finger beim Abschlag etwas "herausschießt" und den Daumen etwas zu dir flippst. So spielst du in
einem 4/4-Takt acht Achtelschläge.
Abschläge sind - wie der Abstrich bei
Streichinstrumenten - etwas betonter, und man möchte die Zählzeiten Eins, Zwei, Drei und Vier ja
auch lauter haben als die Anschläge auf "und", die der Daumen macht. Das Gleiche gilt übrigens
auch für den Anschlag mit dem Plektrum oder für die Daumen/Zeigefinger - Wechselschlagtechnik
auf Lauteninstrumenten.
Schläge auslassen
Permanent Achtel zu schlagen ist natürlich eintönig - die Kreativität beginnt damit, dass du etwas weglässt, indem du mit Fingern oder Daumen die Saiten mal nicht berührst, aber trotzdem die Drehbewegung beibehälst. So bleibst du mit dem Abschlag auf den betonten, und dem Aufschlag auf den unbetonten Zählzeiten.
Im Bild unten siehst du ein paar Ideen für einfache Taktarten. Die Pfeile über den Noten entsprechen nicht den für Violine oder Mandoline üblichen Zeichen für Auf- und Abstrich/Abschlag, sondern zeigen die Bewegungsrichtung über die Saiten. Der Pfeil nach oben heißt also "schlage mit den Fingernägeln von den tiefen zu den hohen Saiten", was räumlich einer Bewegung nach unten entspricht. Die Pfeile richten sich nach den Noten.
Im ersten Takt schlägst du also "ab-auf-ab-auf-ab-leere Rückdrehung-ab-leere Rückdrehung", alles in Achteln!
Singen beim Spielen
Als nächstes kannst du dir ein einfaches 2-Akkord-Lied wie "What shall we do with the drunken sailor" vornehmen und dabei singen. Zu singen ist äußerst hilfreich, denn dabei übst du dein rhythmisches Gefühl, du trainierst "auf den Punkt" mit dem Griffwechsel fertig zu werden, du wirst unabhängiger, das Begleiten wird immer selbstverständlicher. Außerdem musst du noch den Text auswendig wissen oder lesen, du wirst also auch nicht dümmer.
Anschlagsmuster
Beim Begleiten der ersten Lieder halte ich nicht viel davon, feste "Anschlagsmuster" vorzugeben. Fange einfach an, indem du nur Anschläge auf den Vierteln machst. Irgendwann fällt dir von alleine etwas ein, was besser zum Gesang passt.
Eine Faustregel ergibt sich quasi von selbst: man sollte mit der Anschlagshand rhythmisch nicht dasselbe wie die Singstimme machen. Wenn gerade viele schnelle Noten zu singen sind: lässiger und weniger anschlagen; wenn der Gesang "Pause hat" kann man mehr mit der Anschlagshand machen.
Akkorde lesen
Ein großes Drama ist das Auftauchen von Akkorden in "normalen" Gitarrenstücken. Man spielt sein Stück, eine simple zweistimmige Allemande, und plötzlich - ein Ungetüm in Takt zwei! Da kann man erst mal nur aufgeben - sechs Töne übereinander: unles- und unspielbar. Und falls man irgendwie herausbekommen hat, was in Takt 2 auf der Eins steht - danach kommt etwas ganz komisches, eine Überbindung, hohe und tiefe Töne durcheinander - auch hier kann es erstmal nur eine Lösung geben: alle Finger vom Griffbrett!
So etwa, nämlich mit Panik, reagieren die meisten Gitarrenschüler zunächst, und es lässt sich noch mehr falsch machen: nachdem man die Finger also vom Griffbrett genommen hat, spielt man auf der Drei natürlich ein g statt eines gis. Weder hier, noch im dritten Takt auf Drei und Vier bemerkt man, dass man immer noch und wieder einen E-Dur-Akkord vor sich hat.
Selbst in fröhlichen Heften mit spanisch angehauchten Folkstücken, in denen überhaupt nur sechs verschiedene Akkorde auftauchen, bringen es Schüler fertig, bis zum Schluss immer wieder zu deklamieren "Wie geht noch mal der Akkord? Den habe ich zu Hause irgendwie nicht hingekriegt..."
Kann man da etwas machen, die Sache strategisch angehen?
Ich fürchte, es wird im Wesentlichen auf eine Predigt mit 1. Fleiß, 2. genau analysieren -
Überraschung - 3. Fleiß hinauslaufen, aber ein paar Ideen hätte ich schon.
Tipp 1: Von unten nach oben lesen und setzen!
Alle Gitarrenschüler fürchten die tiefen Töne auf Hilfslinien (Es gibt sechs Stück! Eigentlich kein Grund, jahrelang zu jammern). Also beginnen alle mit dem Zusammenbauen von Akkorden bei den hohen Tönen. Das ist taktisch unklug, denn die meisten Akkorde, denen man begegnet, stehen in der Grundstellung. Das bedeutet: Der Basston, also der tiefste Ton, gibt wahrscheinlich den Namen des ganzen Gebildes an. Wenn man den Basston weiß, kann man schon mal raten.
Basston wahrscheinlich der Grundton
Nehmen wir wieder den Akkord auf der
Eins des zweiten Taktes in Beispiel 1 oben. Die tiefste Note
ist ein E, also tippe ich mal, dass es sich um
E-Dur, E-Moll oder
E7 handelt.
Theoretisch könnte es
natürlich auch C-Dur mit Terz im Bass,
A-Moll mit Quinte im Bass oder gar
Fis7 mit der Septime im Bass sein, aber -
besonders wahrscheinlich ist das nicht.
Nach dem Herausfinden der restlichen fünf Töne erkennt man: es ist ein E-Dur-Akkord. Dies merkt man entweder, weil man den Griff schon kennt, oder weil man über eine solide Vorbildung in Sachen Musiktheorie verfügt.
Oberstimme kann alles sein
Die höchste Note des Akkordes ist aber auch ein e - kann man daran nicht auch erkennen, dass es E-Dur ist?
Nein. Während tatsächlich sehr viele Akkorde als Grundakkorde auftreten, sind Grundton, Terz oder Quinte als Spitzenton einigermaßen gleichmäßig verteilt. Ganz abgesehen davon, dass Septimen, Nonen, Dreizehn und Quartvorhalt melodische Vorgänge und damit prädestiniert sind, in der Oberstimme aufzutauchen. Aus dem Basston lässt sich auch nicht sicher etwas ableiten, nur wahrscheinlich. Die Oberstimme hingegen sagt so gut wie nichts aus.
Im letzten Takt von Beispiel 1 ist auf der Eins oben wieder ein e, im Bass aber ein A. Und was findet man heraus? Es handelt sich um A-Dur mit Quinte im Diskant.
Den schwierigsten Ton zuerst
Es gibt noch einen zweiten guten Grund, die Akkorde von unten nach oben aufzuschlüsseln:
Die tiefen Töne mit der Greifhand zu erreichen ist meist schwieriger, als die Noten auf den
hohen Saiten. Diesmal sei das Beispiel der letzte Akkord der folgenden Notenzeile
"Beispiel 2".
Auf beiden e-Saiten muss man ein
g greifen. Wenn man das hohe g hat, ist es
schwierig, an das tiefe G auf der 6. Saite heranzukommen, es ist so weit
weg! Greift man dieses zuerst, liegt das hohe g sozusagen "auf dem Weg".
Das ist der zweite, der technische Grund, weshalb man "unten" beginnen solte.
Tipp 2: Teile von Akkorden zuordnen.
In Beispiel 2 steht in der oberen Zeile ein Ausschnitt aus einem Renaissancestück mit vielen Akkorden. In der Zeile darunter habe ich die Noten der "kompletten Griffe" aufgeschrieben.
Gitarristen leben ja oft lange in dem Glauben, nur
der komplette E-Moll-Griff mit sechs Tönen sei der "richtige" E-Moll-Akkord,
und nur den müsse man sich merken. Tatsächlich heißt "E-Moll" ja, dass ein Gebilde vorliegt, das
aus den Noten e, g und h besteht, die irgendwo auf dem Griffbrett in
irgendeiner Höhe, Lage, mehr oder weniger komplett, mit Tonverdoppelungen und vielleicht
gleichzeitig gespielt werden.
Wenn es einfach ist, ist es tatsächlich ein Teil des
"Standardakkordes", wie in allen Fällen oben:
In Takt 1 fehlen nur das tiefe E und das H auf den Saiten E und A zum kompletten E-Moll-Griff.
Im zweiten Takt steht auf der Eins ein H-Dur-Akkord. In der unteren Zeile habe ich H7 notiert (englisch B7), weil der Fingersatz für diesen Griff hier am besten funktioniert. Beim H-Dur oben darf man nicht alle Saiten anschlagen, denn die g-Saite würde ja mitklingen. Der Standardgriff für H-Dur ist übrigens ein völlig anders aussehender Barrégriff.
In Takt 2 auf Drei steht C-Dur ohne das e auf der d-Saite - nein, man darf nicht alle Saiten anschlagen, aber man darf die große Verwandschaft mit dem darunter notierten kompletten C-Dur-Akkord erkennen!
Auch bei dem G-Dur-Akkord in Takt 3 vorne muss man vermeiden, die A- und d-Saiten anzuschlagen. Auf der A-Saite greift man das H nicht, und das d würde zwar zum Akkord passen, aber es ist im Stück eben nicht gesetzt!
Auf der Drei des dritten Taktes steht einfach ein kompletter D-Dur-Akkord, und ganz am Schluss kommt noch ein mal G-Dur.
Tipp 3: Zerlegte Akkorde erkennen
In Beispiel 3 kommt es mir auf die Takte 3 und 4 an; die beiden Akkorde in Takt 1 sind ja unspektakulär.
Takt 3 bringt einen zerlegten D-Moll-Akkord mit angehängten Melodietönen, Takt 4 einen Teil von E-Dur, ebenfalls arpeggiert zu spielen, auf den überleitende Töne im Bass folgen. Beides klappt natürlich viel besser, wenn man sich bewusst ist, dass ein bekannter Griff vorliegt, dessen Töne man eben auch gleichzeitig greifen sollte. Mehr hierzu auf der übernächsten Seite.
Ich greife übrigens gerne komplette Griffe, um Anschlagsfehler "abzumildern". Greife ich in Beispiel 3 im letzten Takt erst ab der d-Saite, schlage aber aus Versehen die A-Saite an, erklingt ein A, das zum E-Dur-Akkord wirklich nicht passt. Wenn ich den "kompletten E-Dur-Griff" greife, also das H auf der A-Saite mitsetze, erklingt auch ein Ton, der nicht in den Noten steht, aber immerhin einer, der zu E-Dur passt. Also ein Fehler, der klanglich nicht so dramatisch ist.
Tipp 4: Die Sache mit dem Fleiß...
...muss jetzt ja auch noch folgen:
Du lernst nur, was du benennst! Wenn du weiter kommen willst, verbiete dir einfach Formulierungen im Stile von "Wie geht noch mal der da?" und "Wie heißt noch mal die Note?"
Jemand, der die Gelegenheit hat, eine Zeit als Austauschschüler in einem anders sprachigen Land zu leben, lernt die fremde Sprache, weil er darauf erpicht ist, seine Umgebung "verbal in Besitz zu nehmen". "Schulpsychologe, Computerraum, Mensa, Essensmarke, sich anstellen, abschreiben" - Begriffe des täglichen Lebens von unmittelbarer Wichtigkeit werden gelernt, weil man die Worte wieder und wieder hört und selber benutzt.
Auch der brave Gitarrenlehrer behält die Namen der neuen Achtergruppe schneller, wenn er sich zwingt, die Kinder mit Namen zu nennen statt "Du da!" zu sagen.
Genauso geht es dem Lernenden mit den Akkorden! Wieviele davon braucht der Anfänger denn? Meine Grifftabelle für den Hausgebrauch ist wirklich nicht sehr umfangreich, aber mit ihr kommt man erstaunlich weit! Und was darüber hinaus auftaucht - lernt man halt!
Entweder man lernt auswendig - 2 auf der A-Saite im 2. Bund, 3 auf der d-Saite im zweiten und 1 auf der g-Saite im ersten ist E-Dur; 2 auf der A-Saite im 2. Bund, 3 auf der d-Saite im zweiten und nix auf der g-Saite ist E-Moll - oder man lernt ein bisschen Theorie und weiß irgendwann, dass e - gis - h ein Durakkord, e - g - h aber ein Mollakkord ist.
Jedenfalls sollte man versuchen, die Akkordbuchstaben ausgeschriebenen Noten zuzuordnen und umgekehrt. Eine Vokabel nach der anderen. Nur so geht es.