Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Das Liniensystem und die Stammtöne

Hier geht es allgemein um die Grundlagen unserer Technik, Musik aufzuschreiben und zu lesen.
Zum Einstieg in das Lesen der Noten gibt es unten einen Abschnitt; wie man Noten lernt, wenn man Gitarre mit einer Gitarrenschule spielen lernt versuche ich an anderer Stelle zu beschreiben.

Die Idee mit den Linien

Unsere Methode, Musik zu notieren ist wirklich genial.
Wir schreiben die Notenköpfe auf fünf Linien und in deren Zwischenräume. Ist der Notenkopf oben in den Linien, ist es ein hoher Ton.

Liniensystem

5 Linien und 6 Zwischenräume, wenn man die beiden oberhalb und unterhalb mit zählt.

Man kann leicht abzählen: mit Hilfe der 5 Linien kann man 11 Töne darstellen.

Sieben Stammtöne

Unsere Musikkultur benutzt sieben Stammtöne, c-d-e-f-g-a-h, die sich im Notensystem dann wiederholen. Sie sind allerdings nicht gleich weit von einander entfernt: zwischen ihnen liegt entweder ein Halbtonschritt oder ein Ganztonschritt, also zwei Halbtonschritte. Das kann man am Notensystem nicht ablesen - man muss es auswendig lernen.
Um die Halb- und Ganztonschritte geht es auf der nächsten Seite.

Stammtöne sind veränderbar

Jeden Stammton kann man durch Kreuze und s erhöhen oder erniedrigen. Man kann also eigentlich 33 verschiedene Tonhöhen in den fünf Notenlinien darstellen - das ist eine großartige Erfindung!

Damit man das Liniensystem benutzen kann, braucht man noch einen Notenschlüssel, der angibt, wo ein bestimmter Stammton liegt. Die fünf Linien müssen entschlüsselt werden wie eine Geheimschrift.

Stammtöne in den Linien

11 Noten, die aber noch nichts bedeuten: ein Notenschlüssel muss her!

Der Violinschlüssel

Indem man vor das Notensystem einen Notenschlüssel schreibt, legt man fest, wo welcher Stammton liegt. Der bekannteste Schlüssel, der Violinschlüssel, legt fest, wo sich das eingestrichene g oder g' befindet. Die zweite Linie von unten wird von der Schnecke des Violinschlüssels umschlungen - dort ist das g'.

Der Violinschlüssel ist für hohe Instrumente da. Wer Kontrabass lernt, muss vor allem den Bassschlüssel kennen, aber Violine, Querflöte, Klarinette und ähnlich hohe Instrumente nutzen den Violinschlüssel.

Übung:

Schreibe die Zeile unten ab, und setze dann unter die Noten die Stammtonnamen!

Das g im violinschlüssel
Grundloesung01

Die Notenhälse werden bis zum zweiten Zwischenraum rechts am Notenkopf angesetzt und gehen nach oben, ab der dritten Linie werden sie links am Kopf beginnend nach unten gezeichnet. Ihre Länge ist nicht so wichtig, man muss nicht schreiben wie ein Computerprogramm!
Trotzdem gibt es einige Grundregeln fürs Notenschreiben: schreibe immer zuerst den Notenkopf, genau auf eine Linie oder in einen Zwischenraum, und setze danach den Hals an, von oben an den Kopf oder vom Kopf nach unten. Wenn man Kopf und Hals in einem Schwung macht, werden Noten schnell unleserlich.

Verschiedene Oktaven

In der Lösung zur Übung oben siehst du, dass die Töne ab dem c über dem g' mit zwei Strichen versehen sind. So unterscheidet man die unterschiedlichen Tonhöhen, wenn man sie in Textform benennen will.

Es gibt außer der eingestrichenen die zweigestrichene, dreigestrichene und viergestrichene Oktave (so heißt der Abstand von acht Tönen); darüber auf dem Klavier noch das fünfgestrichene c.
Die Oktave unterhalb der eingestrichenen heißt kleine Oktave und wird einfach mit Kleinbuchstaben dargestellt. Für die große Oktave schreibt man dementsprechend Großbuchstaben, bei der Kontra-Oktave schreibt man einen Strich unten vor den Buchstaben: ,C. Das Subkontra - A sieht so aus: ,,A. Üblich ist auch, hochgestellte Zahlen hinter die Buchstaben oder tiefgestellte vor die Buchstaben zu setzen. Hier sieht man das Ganze in einer Grafik mit allen Tönen des Klaviers.

Es gibt natürlich noch tiefere und höhere Töne, aber die werden nicht im Zusammenhang mit Musik benutzt oder notiert. Unten beginnt recht bald der Infraschall, Geräusche, die unterhalb der menschlichen Hörfähigkeit liegen und mit denen zum Beispiel Elefanten kommunizieren; mit Ultraschall arbeiten Fledermäuse und medizinische Untersuchungsgeräte.

Schreibkonventionen

Wenn man Noten mit der Hand schreibt, zeichnet man immer zuerst den Notenkopf und fügt dann Hals, Fähnchen oder Balken an. Die Lage des Kopfes entscheidet über die Tonhöhe; seine Form und der Hals mit Fähnchen oder Balken bezeichnen den Notenwert.

Schreibkonventionen

Der Hals geht im Violinschlüssel bis zum a' an der rechten Seite des Kopfes nach oben, ab dem h' ist er an der linken Seite nach unten zu zeichnen, damit die Hälse nicht zu weit aus den Notenlinien heraus ragen (Siehe Bild oben).

Wenn man Noten mit Balken verbindet, muss man sich für eine gemeinsame Halsrichtung entscheiden. Bei den ersten zwei Achteln im ersten Takt des Bildes hat das h' den Hals nach oben, bei der zweiten zeigt der Hals des g' nach unten. Beides ist ungewohnt, aber nicht falsch. Man muss beim Notenlesen lernen, auf den Notenkopf zu achten.

Wenn mehrere Stimmen in einem System notiert werden, zeigen die Hälse der Oberstimme nach oben, die der unteren nach unten; Mittelstimmen werden dann je nach Höhe und Platz untergebracht.

Notenwerte

Die Notenwerte, also die zeitliche Organisation der Töne, werden nicht hier, sondern auf den Seiten über Rhythmus behandelt - hier geht es erstmal nur um Tonhöhen.

Wie sieht die Note aus?

Wichtig für das Erkennen einer Note ist alleine der Notenkopf!

Wie lang der Hals ist, und in welche Richtung er zeigt, ist völlig egal, das hat nur damit zu tun, dass die Note einen bestimmten rhythmischen Wert hat und möglichst elegant aussehen oder einer Stimme zugeordnet werden soll. Was zählt, ist der Kopf, fertig.

Dementsprechend lautet die Antwort auf die Frage "Wie sieht die Note denn aus?" nicht "Man greift sie auf der dritten Saite..." oder "Sie ist rund..." sondern zum Beispiel so:

Wie heißt die Note

1: Die Note liegt auf der zweiten Linie.
2: Die Note liegt auf der dritten oder mittleren Linie.
3: Die Note ist im zweiten Zwischenraum.
4: Die Note ist wieder auf der 3. Linie. Da sie mit der vorigen per Achtelbalken verbunden ist, ist ihr Hals "verkehrt" herum, aber das ist völlig uninteressant!
5: Diese Note ist auf der ersten Hilfslinie unter dem System.
6: Diese Note steht unter der 1. Hilfslinie unter dem System.
7: Der letzte Beispielton befindet sich über der 2. Hilfslinie über dem System.

Die Halsrichtung

Für Gitarrenschüler, die diese Dinge noch nicht wirklich verinnerlicht haben ist die Halsrichtung oft verwirrend, wenn mit dem zweistimmigen Spiel begonnen wird:

Halsrichtung

Die Melodietöne der Takte 3 und 4 sind die gleichen wie in Takt 1 und 2, nur die Hälse sind "falsch herum", weil sich unter der Melodie jetzt eine zweite Stimme befindet. Wenn man sich angewöhnt hat, den Kopf einer Note als Erkennungsmerkmal zu nehmen, hat man keine Probleme.

Noten lesen lernen

Noten lesen zu lernen ist schon eine Fleißaufgabe. Wenn man ein Instrument spielen lernen will, hat man die Motivation, den richtigen Klang herzustellen, aber einfach abstrakt Noten lesen lernen - wie macht man das?
Außerdem können viele Menschen, die ein Instrument lernen die Noten zwar spielen, kennen also die Griffe, haben aber keine Ahnung, wie die Dinger heißen.

Keine lange Vorrede - ich schreibe auf, was du machen solltest, wenn du schnell zum Ziel kommen willst:

Übung:

Nimm ein Blatt Papier und schreibe dir die Stammtonreihe auf, von jedem Ton zu jedem Ton und vorwärts und rückwärts:
c d e f g a h c - c h a g f e d c
d e f g a h c d - d c h a g f e d
etc, am besten alle sieben Möglichkeiten. Du kannst die Reihe auch zweimal hinter einander schreiben und dann die Teile aufsagen:
c - d - e - f - g - a - h - c - d - e - f - g - a - h - c.

Sage die Reihen laut auf (laut sprechen wirkt schneller und gründlicher als denken im Kopf), bis du sie auswendig kannst. Laufe dabei im Zimmer herum! Die Stammtonreihe rückwärts zu können ist dabei sehr wichtig - bei der Frage "Wie heißt noch mal der Ton unter a?" brauchen alle länger als bei der Suche nach einem höheren Ton.

Wenn du schlau bist, sprichst du die natürlichen Halbtonschritte, die erst auf der nächsten Seite besprochen werden, irgendwie betont, damit du sie schon mitlernst:
c d e f g a h c
c h a g f e d c.

Nachdem du die Tonnamen selber geschrieben und eine Weile selber laut aufgesagt hast, brauchst du über die Reihenfolge der Notennamen nicht mehr viel nachzudenken. Als nächstes geht es daran, die Noten in den Notenlinien einordnen zu können.

Übung:

Male dir auf ein Blatt sehr große Notenlinien (natürlich ohne die grauen Buchstaben, die du unten im Beispielbild siehst), zeige einfach mit dem Finger auf eine Linie oder einen Zwischenraum und nenne die Note, die dort liegt. Gehe die Abfolge der Noten durch, vorwärts und rückwärts, Töne überspringend, wie auch immer. Das g' liegt auf der zweiten Linie von unten, die anderen Töne übst du abzuzählen, und das klappt auch, weil du die Reihenfolge ja vorwärts und rückwärts kannst!

Notennamen1

Eigentlich sollte das nicht schwierig sein, wenn du die Notennamen wirklich gelernt hast, und mit ein bisschen Mühe, die du dir jetzt gibst, hast du für den Rest des Lebens ein Wissen parat, das dich alle Stücke, die du übst, schneller lernen lässt, das dich in allen Musiktests in der Schule erfolgreich macht, und du kannst eine Geheimschrift, die nicht jeder kann!

Es folgen noch zwei kleine Übungen - falls du ein bisschen schreiben möchtest, um selber Übungen zu machen, aber gerade kein Notenpapier hast - hier gibt es Notenlinien in groß und in klein.

Übung:

Sage die Namen des folgenden Beispiels einige Male laut vor dich hin, gerne auch von hinten nach vorne, schreibe dann die Namen drunter und kontrolliere die Lösung.

Leseübung 1
Grundloesung01a
Übung:

Schnell kommt man darauf, dass es sinnvoll sein könnte, sich die Noten in den Zwischenräumen und die auf den Linien einzeln vorzunehmen:

Leseübung 2
Grundloesung01b

Eselsbrücken

Selbstverständlich gibt es zu solchen "systematischen Notenreihen" hübsche Eselsbrücken, aber bitte - wozu? Man kann doch wohl die Stammtonreihe aufsagen, und dabei einen Namen lauter sagen und denken, und den anderen "unter den Tisch fallen lassen": d - e - f - g - a - h - c...

An Eselsbrücken festzuhalten bedeutet für mich übersetzt: "Ich glaube nicht, dass ich in der Lage bin, mir die Sache, die ich lernen will aufgrund ihres inneren Sinnes zu merken. Mir fehlt das nötige Selbstvertrauen, ich schaffe das nicht."
Das ist eine Einstellung, die man schleunigst über Bord werfen sollte! Jeder von uns hat viele Dinge gelernt und ist Fachmann in gewissen Bereichen. Jeder kann Neuland im Bereich Wissen erobern!

Natürlich ergeben die Notennamen an sich keinen Sinn, aber sie sind die absolute Grundlage der gesamten Musiktheorie, und der darf man sich ruhig anders nähern als mit "Brötchen holenden Assessoren des Fisch essenden Beckenbauers" oder was auch immer...

Umweg über das Instrument

Es ist sehr wichtig, die Namen der Noten nicht nur über den Umweg "Ah, zweite Linie von oben, da muss ich auf der h-Saite im dritten Bund greifen, das ist also ein d..." zu lernen, sondern zu begreifen, dass Noten eine Schrift für alle Instrumente und Sänger ist, die man einfach als Schrift verstehen sollte.

Ich finde, dass das Schreiben beim Lernen auch enorm hilft: Noten sehen ja im Prinzip alle gleich aus, nur die Position in den Linien macht den Unterschied. Das ist ganz anders als bei den Buchstaben.

Beim ersten Spiel auf dem Instrument darf man gerne laut die Notennamen sagen. Da man bei den ersten Anfängerstücklein schnell auswendig lernt und dann nicht mehr wirklich Noten liest, kann man die Stücke auch mal rückwärts spielen.

Was man gar nicht machen sollte: die Notennamen unter die Töne schreiben. Damit verhindert man garantiert die Noten zu lernen, denn Buchstaben lesen kann man ja schon.

Hier gibt es PDF-Dateien mit sinnlosen Tonfolgen für Gitarristen in steigendem Schwierigkeitsgrad, hier einen Abschnitt über die Töne in der ersten Lage der Gitarre.

Hilfslinien

Noch höhere oder tiefere Töne, als in die fünf Linien passen schreibt man mit Hilfslinien. Man zeichnet dann zuerst die Hilfslinie, etwa im gleichen Abstand wie die Notenlinien und etwas breiter als Notenköpfe, dann den Notenkopf, Hals und Balken oder Fähnchen.

Hilfslinien

Das e''' ist schon ziemlich hoch; wenn man noch weiter hinauf möchte, setzt man über die Noten ein Oktavierungszeichen. Wenn ein Instrument insgesamt sehr hoch ist, wie zum Beispiel die Sopranblockflöte, verwendet man den Violinschlüssel mit einer 8 darüber. Damit sind alle Töne eine Oktave höher zu lesen. Der tiefste Ton der Sopranflöte ist das c'', also ist es praktischer, den nach oben oktavierenden Violinschlüssel zu verwenden, als ständig bis zu fünf Hilfslinien zu entziffern. Bei der Gitarre ist es umgekehrt: sie liegt insgesamt sehr tief und müsste eigentlich großenteils im Bassschlüssel notiert werden. Man schreibt Gitarrenmusik aber im nach unten oktavierenden Violinschlüssel auf, auch wenn die 8 unter dem Schlüssel in vielen Ausgaben fehlt.

Notennamen2

Hier siehst du die Notennamen vom e bis zum c'''. In Gitarrennoten mit der 8 unter dem Violinschlüssel wären es die Töne vom E bis zum c''.

Übung:

Male dir wieder auf ein Blatt sehr große Notenlinien mit drei Hilfslinien über und unter dem System und zeige einfach auf Linie, Zwischenraum oder Hilfslinie und nenne die Note, die dort liegt.

Warum verwendet man nicht mehr Notenlinien statt der vielen Hilfslinien?

So weit ich weiß, hat es durchaus solche Versuche gegeben. In früher barocker Cembalomusik hat die linke Hand manchmal ein System mit mehr als fünf Linien, aber - es ist schrecklich fürs Auge! Man muss die Informationsflut auch verarbeiten können, sonst ist die benutzte Schrift nicht praxistauglich, und Praxis heißt im Falle Musik nicht nur, dass ein Anfänger das erste Fünftonlied zusammenbuchstabiert, sondern auch, dass ein Orchestermusiker eine mehrstündige Oper spielt... Siehe auch diese Diskussion über Rhythmuszeichen.

Bevor es mit den durch und veränderten Tönen und danach den anderen Schlüsseln weiter geht, folgen einige Abschnitte über Halb- und Ganztonschritte und die Herkunft unserer Stammtöne.